Lis drückte die Tür zum Versteck auf. Angenehme Wärme schlug ihr entgegen. Eine willkommene Abwechslung zum kalten Regen draußen.
Drinnen war es ruhig, beinahe gespenstisch still. Die Räume lagen verlassen da. Lucas' Herzschlag neben ihr, war das Einzige, was sie wahrnehmen konnte.
"Ich schau gleich mal nach Sam", rief er schon halb im Vorbeigehen. "Bestimmt schläft sie."
Lis antwortete nicht. Das war auch nicht nötig. Sie versuchte, das flaue Gefühl,das sich in ihrer Magengegend gebildet hatte, wegzuschieben, und ging mit schnellen Schritten in ihr Zimmer.
Hastig schlüpfte sie in trockene Kleidung, doch die leichte Gänsehaut in ihrem Nacken wollte nicht verschwinden.
Nur wenige Augenblicke später betrat sie den Gemeinschaftsraum. Lucas stürmte ihr entgegen.
"Sam ist nicht da", rief er außer Atem.
Ihr Atem stockte.
"Wie nicht da?",fragte sie etwas irritiert und beobachtete den Hexer dabei, wie er aufgeregt auf und ab ging. Wie ein Tier im Käfig.
"Nicht in ihrem Zimmer und auch sonst nirgends", murmelte er. Er fuhr sich durch die zerzausten Haare.
"Verdammt, diese Frau macht mich wahnsinnig."
Er schüttelte den Kopf, als könnte er so seine Gedanken ordnen. "Warum kann sie nie das tun, was man ihr sagt?"
Plötzlich stoppte er und schaute zur Tür.
"Wir müssen sie suchen."
Lis sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.
"Und wie stellst du dir das vor?"
Sie seufzte.
"Die Stadt ist groß."
Lucas' Kiefer knirschte, eine tiefe Falte bildete sich auf seiner Stirn.
"Keine Ahnung. Wir laufen einfach alles ab."
Sie verdrehte genervt die Augen. Was für eine dumme Idee.
"Zu zweit haben wir keine Chance. Nicht bis-", sie stockte, lauschte.
Schritte auf der Treppe. Schwer, erschöpft.
Die Tür schwang auf und Lucien kam herein. Sein Atem ging rasselnd, sein Herz raste.
Ein unangenehmes Ziehen breitete sich in Lis' Magen aus. Ihr Blick fiel auf das, was er auf dem Arm trug. Oder besser : wen.
Lange schwarze Haare, die Haut fast durchsichtig, so blass. Nur schwach zeichnete sich ein Herzschlag ab.
Etwas in ihr kam abrupt zum Stillstand.
"Oh Gott, Sam", keuchte sie.
Lucien ging wortlos an ihr vorbei und legte die auf die Couch. Lucas stürzte direkt darauf zu und begann, wie wildgeworden, Heilzauber zu wirken.
Hitze wallte in Lis auf.
"Was zur Hölle hast du gemacht?", schrie sie den Dämon an.
Er wandte sich zu ihr um. Die Augen funkelten, sein Kiefer war angespannt.
"Gar nichts", knurrte er. Die feinen schwarzen Linien zuckten über seine viel zu blasse Haut.
Lis erstarrte. Verdammt. Er hatte die Schatten gerufen. Was war nur passiert?
"Fuck. Meine Zauber funktionieren nicht", hörte sie Lucas. Seine Stimme war fast eine Oktave höher als sonst und zitterte leicht.
"Wie meinst du?", fragte sie und ging auf ihn zu.
Der Hexer strich sich hecktisch die Haare aus dem Gesicht.
"Ich habe alles versucht, aber ihr Zustand ist unverändert."
Er richtete sich auf und schaute verzweifelt in die Runde.
"Irgendetwas saugt ihre Energie ab. Viel Energie", meinte Lucien trocken.
Lucas zog eine Augenbraue hoch.
"Und das weißt du woher?"
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Nephilim - Verfluchte Herkunft
FantasíaDie Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
