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Verwirrung breitete sich in mir aus. Sie stand vor mir, voller Staub, Blut lief ihr über die Schläfe - und alles, was sie interessierte war woher ich das konnte. Ich hätte erwartet sie, wäre erleichtert, überhaupt noch zu leben. Aber keine Spur.

"Äh... du weißt du dass ich Lucas ein Buch geklaut haben, oder?", sagte ich irritiert.

"Sam, kein Mensch schleudert jemanden durch eine Wand, nur weil er ein Buch gelesen hat", antwortete Lis mit einem merkwürdigen Unterton. War das Misstrauen? Oder Sorge?

"Lucien hat mir einen Tipp gegeben", murmelte ich leise.

"Lucien?!" Die Vampirin bedachte mich mit einem Blick, als hätte ich gesagt, ich würde zum Frühstück kleine Kinder verspeisen.
"Hol dir Tipps, von wem du willst - aber nicht von ihm."

"Aha... und wieso nicht?", fragte ich und runzelte die Stirn. Warum sollte ich denn von ihm keine Tipps annehmen? Schließlich war er besser als ich. Da wäre es nur logisch, von ihm zu lernen.

"Ganz einfach: Weil Lucien niemandem einfach so Tipps gibt", entgegnete Lis kühl.

Ich stockte. Was meinte sie damit?

"Er ist keiner von den Guten", fuhr sie mit finsterer Miene fort.

"Du hast ihn hergeholt." Ich verstränkte die Arme vor der Brust. Was zu Hölle war ihr Problem? Dass er Zeit mit mir verbrachte?

"Aus Mangel an Alternativen, aber doch bestimmt nicht, weil ich ihn so gerne um mich habe"

"Also sollen wir ihn jetzt alle kollektiv scheiße finden, nur weil er dein Ex ist?" , fauchte ich und reckte das Kinn hoch. Ein ungutes Gefühl formte sich in meiner Magengrube - irgendwas zwischen Wut und Verständnislosigkeit.

"Nein, weil er ein verdammtes Arschloch ist", zischte sie.

"Zu mir ist er nett", erwiderte ich trotzig, ohne wirklich zu wissen warum. Mir war klar, dass meine Antwort sinnlos war. Trotzdem hatte ich das Bedürfnis, ihn zu verteidigen.

"Ich kann's dir ja nichtmal verübeln, dass du auf ihn stehst" Ihre Stimme wurde fast schon weicher, der Blick fast mitleidig.

Auf ihn stehen? Ich? Niemals. Das bildete sie sich ein.
"Ich steh nicht auf ihn!  Ich hab schließlich einen Freund.", stammelte ich, noch bevor sie zu ihrem offensichtlich geplanten Satz ansetzen konnte.

Sie zog eine Augenbraue hoch.
"Das ist ein Grund, aber kein Hindernis."

Mein Mund klappte auf. Bitte was? Hilflos suchte ich nach Worten, doch nichts kam heraus.

"Sam, bitte hör mir zu. So leid es mir tut, aber Lucien ist nicht zu trauen. Er spielt nur mit dir, so wie er es mit jedem tut."

Bei diesen Worten zog sich mein Herz schmerzhaft zusammen, ein Kloß bildete sich in meinem Hals. Nein, das konnte nicht sein. Das wollte ich nicht glauben. Ich mochte ihn - als Freund. Ich wollte nicht wahrhaben, dass er nur mit mir spielte. Langsam schüttelte ich den Kopf.
"Ich weiß schon, was ich tue."

"Nein, du verstehst nicht. Lucien ist -"

"Was bin ich?"

Lis erstarrte, wirbelte herum.
"Wie lange stehst du schon da?", herrschte sie ihn an.

"Lange genug", erwiderte Lucien gelassen, eine Zigarette zwischen den Lippen. "Meinst du nicht, sie sollte sich einfach selbst ein Bild von mir machen?"

Er lehnte an der Wand. Dunkle Strähnen fielen ihm ins Gesicht, seine blauen Augen funkelten kühl. Seine Kleidung war voller Blut - nicht sein eigenes, denn keine Wunde zeichnete sich ab.

Nephilim - Verfluchte HerkunftGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt