Lucien nahm einen tiefen zug von seiner Zigarette. Der Rauch füllte seine Lungen, blieb einen Moment, bevor er ihn langsam wieder ausstieß. Blaue Schwaden kräuselten sich in der Luft. Er sah ihnen nach, ohne wirklich hinzusehen.
Vor langer Zeit hatte er der Hölle den Rücken gekehrt. Den endlosen Machtspielen, den Intrigen, dem ewigen Ringen um Bedeutung. Es hatte ihn nicht gereizt. Vielmehr widerte es ihn an. Also war er gegangen. Hatte sich unter die Sterblichen gemischt und war geblieben.
Und wofür?
Bestimmt nicht, um sich erneut in einen Krieg ziehen zu lassen. Und erstrecht nicht, um über einen bewusstlosen Nephilim zu wachen wie ein verdammter Babysitter.
Er lachte trocken auf.
Und doch saß er hier. Viel schlimmer noch: Er hatte sogar darauf bestanden.
Eine andere Option gab es nicht.
Auf ein neues Experiment von Lis konnte er verzichten. Das hatte sie erst in diese Lage gebracht. Das und Sams Begabung, unheimlich dumme Entscheidungen zu treffen.
Lucas dagegen fehlte die Erfahrung. Er war zu jung.
Lucien drehte die Zigarette langsam zwischen seinen Fingern.
Sam wegen der Inkompetenz anderer zu verlieren, wollte er nicht riskieren.
Sein Blick wanderte zu ihr. Wie sie auf dem Bett lag. So schwach, so zerbrechlich. Ihr Atem ging flach, aber gleichmäßig. Die Haut war blass, das Gesicht entspannt, als würde sie nur schlafen.
Kaum zu glauben, dass sie es geschafft hatte ihn zu provozieren. Zu manipulieren.
Seine Finger knackten, er hatte die Hand unbewusst zur Faust geballt.
'Sie macht dich schwach', flüsterte es zum ihm.
Sein Magen zog sich zusammen, sein Kiefer krampfte. Er schüttelte den Kopf und fuhr sich durch die Haare.
Es würde Wochen dauern, bis er sie wieder zum Schweigen brachte. Vorausgesetzt, er würde ihre Kräfte nicht brauchen.
Er seufzte. Bis dahin würde er sich ihren Unsinn wohl anhören müssen.
Sam war wertvoll. Tief in ihr war mehr Macht verborgen, als es den Anschein hatte. Man müsste sie nur hervorlocken. Ihr beibringen, sie einzusetzen.
Gleichzeitig war Leviathan hinter ihr her. Nur warum? Ihm war nur eine Sache bekannt, wofür man Luzifers Blut brauchte. Doch das grenzte schier an Wahnsinn.
Er legte den Kopf leicht schief und strich sich die Haare aus dem Gesicht.
Seine kleine Schwester hatte schon immer einen Hang zur Übertreibung. Aber dass sie so etwas ernsthaft planen konnte, schloss er aus.
Also musste es noch etwas anderes geben. Und das galt es herauszufinden. Vielleicht konnte er selbst einen Nutzen daraus ziehen.
Lucien zog an der mittlerweile fast heruntergebrannten Zigarette, inhalierte den Rauch tief.
Das war alles, was zählte.
Er drückte die Zigarette aus und stand auf. Für einen Moment blieb sein Blick an Sam hängen. Er machte einen Schritt auf sie zu, strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, dann wandte er sich ab.
Alles andere war Spielerei. So wie es immer war.
-
Es war kalt. Furchtbar kalt. Und nass. Er sollte im Versteck sein, auf Sam aufpassen. Stattdessen war er hier draußen und sie war alleine. Mit ihm.
Lucas ballte die Hand zur Faust, bohrte die Nägel tief in seine Handflächen.
Stundenlang hatte er mit Lucien diskutierert, bis Lis ihn einfach nach draußen gezogen hatte. Mit finsteren Blick beobachtete er sie dabei, wie sie ihr Messer aus der Brust eines Dämonen zog.
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Nephilim - Verfluchte Herkunft
FantasyDie Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
