Achtung dieses Kapitel könnte triggern. Sollte jemand von euch da Probleme haben überspringt das Kapitel am besten. Trigger : Promorbide Gedanken, Selbstverletzung
Zuhause angekommen war das Abendessen natürlich längst vorbei. Ich war zu spät. Mal wieder. In der Küche herrschte Stille.
Ich durchwühlte die Küche und fand tatsächlich noch ein paar Halbwärme Reste auf einem Teller im Kühlschrak. Mikrowelle auf, Knopf gedrückt. Während das Summen den Raum erfüllte, fragte ich mich zum wiederholten Mal, warum ich eigentlich überhaupt noch versuchte pünktlich zu sein. Um Ärger zu vermeiden?. Für wen denn? Jetzt war es doch eh schon egal.
Wenig später, saß ich in meinem Zimmer, den Laptop auf dem Schoß, die Gabel in der Hand. YouTube war wie immer ein Meer voll Krach. Schließlich blieb ich bei einem Reaction- Stream hängen. Irgendein Typ sah sich dumme Clips an, während zwanzigtausend Leute zusahen. So ganz konnte ich den Hype nicht nachvollziehen. Aber egal. So war ich wenigstens nicht mit meinen Gedanken alleine.
Das Essen war - okay. Nicht gut, nicht schlecht, aber essbar. Ich aß auf, brachte meinen Teller zurück in die Küche und setzte mich widerwillig an meine Hausaufgaben. Oder zumindest versuchte ich es. Letztlich schlug ich das Buch auf, verstand absolut gar nichts und warf es in die Ecke. Irgendeine Ausrede würde mir morgen schon einfallen. Tat es doch immer. Und einmal Nachsitzen mehr oder weniger spielte jetzt auch schon keine Rolle mehr.
Seufzend zog ich meine Knie an, legte den Kopf drauf und starrte an die Wand. Einfach starren. Das war irgendwie meine Spezialität. Ich konnte Stunden damit verbringen einfach nichts zu tun - solange meine Gedanken mich in Ruhe ließen.
Nur taten sie das selten.
Und natürlich kamen sie. Früher oder später kamen sie immer.
'Warum bringst du dich nicht einfach um?'
'Dich vermisst doch eh keiner!'
'Wäre besser du wärst tot!'
'Du bist ein Monster sonst nichts!'
Gedanken wie Hammerschläge. Nicht laut aber durchdringend. Sie krochen unter meine Haut, nahmen mir den Atem. Ich schüttelte den Kopf, versuchte den Kloß in meinem Hals runterzuschlucken. Vergeblich.
Selbstmord war keine Lösung, aufgeben keine Option. 'Ich muss mich ablenken! Egal wie...' , schoss es mir durch den Kopf.
Mein Blick wanderte durchs Zimmer. Irgendwas, irgendetwas...Da! Meine Boxhandschuhe lagen unterm Bett. Ohne groß nachzudenken, zog ich mich um, schnappte mir die Handschuhe und schlich die Treppe hinunter zum Trainingsraum. Glücklicherweise war dieser leer, die meisten bereiteten sich wohl ohnehin auf die nächste Jagd vor. Der Raum wurde vom grellem Neonlicht geflutet, als ich den Lichtschalter betätigte.
Ich schmiss meine Playlist an.
Slipknot - All out Life
Perfekt.
Die ersten Takte dröhnten aus den Boxen. Ich schlüpfte in meine Boxhandschuhe, und stellte mich vor den Sandsack. Kurz ließ ich den Moment kurz auf mich wirken. Das grelle Licht, der Geruch von Leder und Schweiß, der Bass der durch meinen Körper dröhnte. Dann brach alles aus mir heraus. Die Wut. Die Verzweiflung. Der Schmerz. Ich trat, schlug, rammte meine Fäuste in das Kunstleder, bis meine Fäuste brannten.
'We are gathered here today to get it right
Repeat after me:
I will not celebrate mediocrity'.
Meine Schläge wurden schneller. Jeder Takt ein Hieb, bis ich mich völlig vergaß.
'I will not worship empty shells
I will not listen to worthless noises
I will not subject myself to selected predictable choices.'
Ein Hook von links - einer von rechts. Der Sandsack schwang wild hin und her.
'My time, my attention
My quality should not be bought and sold
For convenience's sake, ever!'
Ich packte das Ding mit beiden Armen, rammte den Ellenbogen immer wieder hinein. Ich spürte das Schmerzen meiner Muskeln, dem Schweiß der mir über das Gesicht in meine Augen lief. Dann das Knie. Mit dumpfen Knall traf es auf. Immer wieder. Kraftvoll. Gezielt. Das Blut rauschte durch meine Ohren.
Ich war bereits völlig außer Atem, als ich eine Stimme hörte. 'Na ist das kleine Monster am trainieren?"
Mit einem Augenrollen drehte ich mich um. Elena. Natürlich wer sonst.
"Sieht wohl so aus, oder?", knurrte ich."
Und was zur Hölle willst du hier?!"
"Ruhig Brauner, ich suche nur meine Jacke. Immerhin wird es kalt draußen. Du weißt schon die Jagd und so"
Mit stolzen Schritten, hoch erhobenen Haupt und einem überheblichem Grinsen ging sie quer durch den Raum zu ihrer Lederjacke. Man konnte ihre Arroganz förmlich spüren.
'Wir wissen alle das dein Vater Michael ist. Du brauchst es uns nicht mit jedem Atemzug zeigen", dachte ich, ballte dabei die Fäuste.
"Du schaffst das hier ohne Zerstörung?", warf sie mir mit gespielter Sorge über die Schulter zu - mit einem Lächeln, das Gift war.
Ich schwieg. Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss.
Ich riss mir die Handschuhe vom Leib , trat gegen den Sandsack, ließ ihn zurückschwingen - und drehte mich zur Wand. Dann schlug ich zu. Ohne Schutz. Ohne Kontrolle.
Ein Schlag, noch einer. Immer wieder.
Der Putz färbte sich rot doch ich hörte nicht auf. Meine Knöchel brannten. Ich spürte, wie das Blut floss, mein Herz gegen meinen Brustkorb hämmerte. Das war mir egal. Ich war mir egal. Schließlich sackte ich gegen die Wand. Tränen liefen mir in warmen Bächen über die Wangen.
'Gut gemacht, Sam. Großartig! Jetzt hast du wieder alles kaputtgeschlagen - inklusive dir selbst!'
Ich duschte, zog mir frische Klamotten an und irrte durch das leere Haus. Alles wirkte leblos, kalt, unbedeutend. Die Stille erdrückte mich. Ich konnte machen, was ich wollte - keinen interessierte es. Und genau das fühlte sich beängstigend an. Beängstigend befreiend.
Ich musste raus hier. Weg von allem.
Niemand war da um mich aufzuhalten - außer Raziel. Aber der schien in manchen Momenten seltsam nachsichtig zu sein. Vielleicht möchte er mich doch. Vielleicht hatte er aber auch einfach Mitleid.
Zehn Minuten schlurften meine Stiefel über den Asphalt. Meine Lunge füllte sich mit der kalten Nachtluft. In den verwinkelten Gassen und kleinen Nebenstraßen, die ich einschlug, war alles leer. Alles ruhig. Genauso wie ich es wollte. Endlich ein Moment der Ruhe.
Ziellos streifte ich umher. Immer weiter, Richtung Süden. Wind kam auf, ich begann zu frösteln. Eine Straßenlaterne flackerte. Ein mulmiges Gefühl überkam mich.
'War es schon immer so dunkel hier?' Zögernd blieb ich stehen. Lauschte. Nichts. Totenstille.
Ich ging weiter. Schneller. Meine Schritte hallten laut durch die Nacht. Aber da war noch etwas. Nicht nur meine Schritte. Erneut blieb ich stehen, drehte mich um. Nichts. Stille.
Dann rannte ich. Prallte gegen etwas - oder jemanden. Erschrocken sah ich auf und blickte direkt in blutrote Augen.
Ein Vampir.
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Nephilim - Verfluchte Herkunft
FantasyDie Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
