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Der heruntergekommene Anblick des Clangebäudes formte mich vor meinen Augen. Eine kühle Brise fuhr mir durchs Haar. Die Straße lag ruhig und verlassen da, erhellt nur von flackernden Laternen und dem sternenklaren Himmel.

Man konnte fast vergessen, dass wir eben noch um unser Leben gerannt waren.

Lucien löste seine Hand von meiner Taille und trat einen Schritt zurück. Die angenehme Wärme, die mich bis eben umhüllt hatte, wurde sofort von der nächtlichen Kälte verdrängt, die nun ungehindert durch mein dünnes Kleid drang. Ein Schauer lief mir über den Rücken.

Einen Moment lang stand ich einfach nur da, versuchte mich zu sammeln. Die Erschöpfung hing immer noch an mir, wie ein bleierner Umhang, doch ich konnte mich wieder selbstständig auf den Beinen halten.
'Dank ihm ...'

Der Dämon ging mit federnden Schritten zum Eingang, die Hände tief in den Taschen seiner Lederjacke.

'Als käme er gerade von einem Stadtbummel zurück ...'

"Kommt ihr?", fragte er, ohne sich umzudrehen.

Ich sah zu Lucas. Seine blonden Haare klebten ihm verschwitzt im Gesicht, seine Haut war so blass, dass das Blau seiner Adern hindurchschimmerte. Sein Blick jedoch war hart, der Kiefer angespannt, die Fäuste so fest geballt, dass die Knöchel weiß hervortraten.

Vorsichtig nahm ich seine Hand und zog ihn mit mir, Lucien hinterher.

Kaum hatten wir den Unterschlupf betreten, fiel mir Lis um den Hals. Sie drückte mich so fest, dass mir für einen Moment die Luft wegblieb.

"Oh Gott sei Dank, dir geht es gut", murmelte sie in meine Haare. Ihre Stimme zitterte.

"Wenn du so weiter machst, dann nicht mehr", krächzte ich und klopfte ihr auf den Rücken.

Lis ließ sofort los. Ihre Haut war noch blasser als sonst, die Augen voller Sorge.

"Wir hätten dich da nicht hinschicken dürfen", flüsterte sie.

"Ihr habt was?!" Lucas' Stimme war schneidend. Er trat langsam auf Lis zu, jeder Muskel angespannt. Seine Fäuste zitterten. Nur noch Zentimeter trennten ihn von der Vampirin, die ihm unbeeindruckt entgegensah. Die Luft knisterte.

"Lucas",sagte ich leise und legte meine Hand auf seine Schulter. Ich spürte, wie er zitterte. "Wir wären da doch sowieso hingegangen. Und ich hätte mich auch so nicht zurückhalten können. Sie hat keine Schuld."

"Natürlich hat sie Schuld. Sie hat dich angestachelt, dich zu Dummheiten animiert."

"Hat sie nicht! Das war ganz allein meine Entscheidung."
Ich ließ die Hand sinken. Wut stieg in mir auf.

Er wirbelte herum, funkelte nun mich wütend an. Sein Mund öffnete sich - doch Lucien kam ihm zuvor.

"Wäre es möglich, uns mal kurz auf das Wesentliche zu konzentrieren?", fragte er trocken. Lässig an die Wand gelehnt, die Hände immer noch in den Taschen, betrachtete er uns mit einem gelangweilten Blick. 

Alle Augen richteten sich auf ihn.

"Das Wesentliche?", knurrte Lucas.

"Irgendwas wird der Nephilim wohl erfahren haben, sonst wäre das Fest kaum so eskaliert." Lucien legte den Kopf leicht schief, seine Augen glitten zu mir.

"Da waren zwei Dämonen. Sie haben mit Gabriel geredet...", begann ich.

"Wer?" Lucien wurde aufmerksam, stieß sich von der Wand ab und kam auf mich zu.

"Ich weiß es nicht. Die Frau hatte rote Locken und ... irgendetwas an ihr erinnerte mich an eine Schlange. Sie war es auch, die mit Gabriel sprach. Der andere war männlich, sah aus wie ein Banker."

Nephilim - Verfluchte HerkunftGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt