-45-

21 4 1
                                        

Vergeblich versuchte ich, den Kloß hinunterzuschlucken, der sich in meiner Kehle gebildet hatte und mir das Atmen schwer machte. Mein Herz stolperte.

Ein hämisches Funkeln lag in den Augen des Dämons, als er sich noch einen Schritt näher wagte.

Die Waffe zitterte immer stärker in meiner Hand, die mittlerweile so schwitzig war, dass sie mir beinahe entglitt. Schwarze Punkte tanzten vor meinen Augen.

'Jetzt hat er mich.'

Plötzlich spürte ich etwas hinter mir. Einen sanften Hauch, wie einen leichten Wind. Dann eine Präsenz, die sich hinter mir aufbaute wie ein Bollwerk.
Eine Hand legte sich um meine, stabilisierte sie.

Der Dämon hielt in der Bewegung inne. Erstarrte. Das Grinsen verschwand, ebenso seine siegesgewisse Haltung.

"Aber ich kann es", drang Luciens Stimme an mein Ohr. Bestimmt. Dunkel.

Er stand nun so dicht hinter mir, dass ich seinen Herzschlag spüren konnte. Schnell, stolpernd. Keine Spur von der üblichen Ruhe, die er sonst ausstrahlte.

Lucien spannte den Hahn. Die Waffe begann erneut zu leuchten. Diesmal schneller, heller. Meine Hand begann zu kribbeln, fast schon zu brennen, als seine Energie an mir vorbeirauschte.

Mein Atem stockte. Gänsehaut zuckte über meinen Körper, als hätte mich ein elektrischer Schlag getroffen.

Der Dämon drehte mit einem Satz um und begann zu rennen. Doch Lucien drückte ab. Eine Energiekugel löste sich vom Lauf und raste auf den Flüchtenden zu. Er beschleunigte seinen Lauf, aber vergeblich. Das Geschoss traf ihn direkt zwischen den Schulterblättern.

Er schrie auf, als sein Körper die Energie aufnahm. Risse begannen sich über ihn auszubreiten. Ein helles Licht strömte unaufhaltsam daraus hervor. Panisch betrachtete der Dämon seine Hände, wie sie sich langsam auflösten.

Ich schirmte meine Augen mit der Hand ab. Das Licht breitete sich immer weiter aus, bis es ihn vollkommen einhüllte. Eine hell strahlende Kugel bildete sich. Sie weitete sich aus, bis sie fast die Breite der Straße erreichte. Dann fiel sie in sich zusammen. Nichts blieb von dem Dämon übrig. Nur seine Jacke lag noch einsam und verloren im Regen.

Zitternd stand ich da und versuchte zu begreifen, was ich da gerade gesehen hatte.

Lucien atmete schwer und musste sich einen Moment an mir festhalten. Seine Finger klammerten sich an meine Jacke, suchten nach Halt.

Bilder schossen mir durch den Kopf. Wie er dort gestanden hatte. Von Dunkelheit umhüllt. Das Monster, das mich in meinen Träumen verfolgt hatte. Er war das. Er.

Ich zog meine Hand unter seiner hervor und riss mich los. Taumelnd wich ich ein paar Schritte zurück und wandte mich zu ihm um.

"Wer zur Hölle bist du wirklich?", rief ich mit zittriger Stimme. "Bist du auch einer von denen?" Dabei zeigte ich auf die Stelle, an der sich der Dämon gerade in Licht aufgelöst hatte.

Er schüttelte den Kopf. So heftig, dass sich Tropfen aus seinen Haaren lösten und kalt auf meiner Haut landeten.
"Nein, ich bin kein Ritter der Hölle" Empörung schwang in seiner Stimme mit, als wäre die Frage selbst schon eine Beleidigung.

"Sondern?", knurrte ich und starrte in seine nun wieder blauen Augen. Die Welt um mich herum flackerte, trotzdem erkannte ich die Mischung aus Härte und Verzweiflung in seinem Blick.

Seine Schultern verspannten sich, sein Kiefer knackte.
"Glaub mir, es ist besser, wenn du das nicht weißt."

Hitze stieg in mir hoch. Der Puls rauschte durch meine Ohren.

Nephilim - Verfluchte HerkunftWo Geschichten leben. Entdecke jetzt