"Im Prinzip muss ich nur noch die Runen an der geplanten Grenze der Barriere anbringen und aktivieren", beendete Lucas seinen Bericht.
Wir saßen vor ihm und lauschten mit angespannter Miene. Nachdem Lucas geendet hatte, breitete sich Schweigen aus.
"Gut, du wirst tagsüber gehen, da ist es am sichersten", sagte Marcus schließlich. "Aber nicht allein."
Sofort richtete ich mich auf.
"Ich komme mit", rief ich wie aus der Pistole geschossen.
Wenn ich helfen konnte, würde ich das tun.
Lucas' Blick schnellte zu mir und verfinsterte sich.
"Vergiss es. Du bleibst hier", sagte er scharf.
Und schon wieder. Ich schnaubte und öffnete den Mund, um etwas zu erwidern.
"Dann komm ich eben mit", kam mir Lucien zuvor. Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah Lucas gelangweilt an.
Der Kiefer des Hexers spannte sich. Für einen Moment sah es so aus, als wollte er Lucien anspringen.
"Eine andere Option gibt es nicht", fügte er unbeteiligt hinzu und zuckte mit den Schultern.
Lucas sah Marcus durchdringend an.
"Das kann doch nicht dein Ernst sein", knurrte er.
Unwillkürlich musste ich schlucken. Die beiden allein irgendwohin zu schicken, konnte nur schiefgehen.
Lucien wechselte einen schnellen Blick mit mir und verdrehte leicht die Augen, während Lucas Marcus immer noch wartend ansah.
"Und was wäre dein Vorschlag?", fragte Marcus trocken.
Lucas seufzte.
"Notfalls gehe ich halt alleine."
Lucien schnaubte belustigt und auch mir entglitten kurz die Gesichtszüge. Ich hatte nicht erwartet, so etwas von dem sonst so vorsichtigen und bedachten Lucas zu hören. Von demjenigen, der mir einen Vortrag nach dem anderen wegen meiner Alleingänge hielt.
"Mach dich doch nicht lächerlich", kam von Lucien. Er machte sich gar nicht erst die Mühe, den Spott in seiner Stimme zu verbergen.
"Die Runen zu aktivieren kostet sicher nicht wenig Energie. Da würden selbst Menschen dir Probleme bereiten. Und der ein oder andere Dämon, könnte dir auch begegnen."
Lucas' Hände ballten sich zu Fäusten. Er setzte zu einer Antwort an, wurde aber jäh von Marcus unterbrochen.
"Lucien hat Recht", sagte er und sah Lucas scharf an. "Am besten geht ihr einfach alle drei. Ihr müsst ohnehin zu den Barrikaden. Dann könnt ihr die Waffen gleich mitnehmen."
Der Hexer zog eine Augenbraue hoch.
"Warum zu dritt?", fragte er.
Marcus seufzte.
"Lucien ist wohl der Diplomatische von euch. Du musst die Barrikade errichten. Und Sam ist im Notfall eine zusätzliche Verstärkung."
Er ließ seinen Blick durch die Runde schweifen.
"Und bevor noch jemand etwas sagt: Das ist mein letztes Wort."
Er stand auf und sah uns erwartungsvoll an. Wir nickten stumm. Allerdings konnte ich Lucas seinen Unwillen deutlich ansehen.
Angespannte Stille breitete sich unter uns aus. Jeder ging für einen Moment seinen eigenen Gedanken nach. Wie würden die Menschen wohl auf uns reagieren? Waren sie uns freundlich gesinnt? Oder waren wir auch Feinde für sie? Ein flaues Gefühl zog sich durch meine Magengegend.
"Wir sollten uns noch etwas ausruhen. In zwei Stunden ist die Sonne ganz aufgegangen, da sollten wir los", sagte ich schließlich.
Lucas murrte, während Lucien schon aufstand.
"Gut, wir treffen uns am Ausgang", sagte er und ging.
Zwei Stunden später hetzte ich die Treppe zur Tür hinauf. Ich hatte mich noch einmal hingelegt und prompt verschlafen.
DU LIEST GERADE
Nephilim - Verfluchte Herkunft
FantasiDie Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
