-48-

23 5 0
                                        

Ich drehte mich um und kuschelte mich noch etwas tiefer in meine Decke. Eine wohltuende Wärme hüllte mich ein. Ein Seufzen entwich mir. Kein Vergleich zu dem kalten Regen, in dem ich gestanden hatte.

Moment mal.

Erinnerungen prasselten auf mich ein. Lucien. Die Schatten. Der Dämon. Gleisendes Licht. Streit. Dunkelheit.

Ich riss die Augen auf und schoss hoch. Viel zu schnell. Alles drehte sich. Mein Kopf fühlte sich an wie in Watte gepackt. Der Raum um mich herum lag in dämmrigem Licht. Der Geruch von kaltem Rauch hing in der Luft. Etwas zog sich in mir zusammen. Ich krallte mich in die Decke. Wo war ich?

Suchend ließ ich meinen Blick durch den Raum gleiten. Neben mir entdeckte ich die Umrisse eines Nachttisches. Darauf befand sich offenbar eine Lampe. Ich streckte die Hand aus, tastete nach dem Schalter und fand ihn.

Die Lampe blitze einmal auf und leuchtete dann hell. So hell, dass ich für einen Moment die Augen zukneifen musste.

Erleichtert stellte ich kurz darauf fest, dass ich in meinem Zimmer im Versteck war. Mein eben noch hektischer Atem beruhigte sich wieder.  Aber wie war ich hierher gekommen?

Das letzte woran ich mich erinnerte, war mein Streit mit Lucien. Meine Erschöpfung. Die Schmerzen in meinem Arm.

Mein Arm... 

Erst jetzt bemerkte ich, dass der Schmerz verschwunden war. Nur noch ein leichtes Kribbeln an meinem Oberarm war zu spüren. Es fühlte sich fremd an.

Hastig schob ich den Ärmel meines schlichten schwarzen Oberteils hoch. Ein anderes, als ich zuvor anhatte, wie ich irritiert feststellte.

Mit weit aufgerissen Augen und gerunzelter Stirn starrte ich auf meinen Arm. Dort war nichts. Keine schwarzen Linien. Keine ausgefranste Rune.

Mein Blick wanderte nach oben, dorthin, wo das seltsame Kribbeln seinen Ursprung hatte. Feine, geschwungene Linien zierten meinen Oberarm, formten eine Rune. Sie glänzte in einem matten Dunkelrot, wie die Glut eines ausgehenden Lagerfeuers. So eine Rune hatte ich noch nie gesehen.

Ich hielt den Atem an und strich vorsichtig darüber, als könnte ich mich daran verbrennen. Doch Haut war glatt, die Rune nicht zu fühlen. 

War das Lucien?

Das unmissverständliche Knurren meines Magens riss mich aus meinen Gedanken, genauso wie das widerspenstige Brennen meiner staubtrockenen Kehle. Gott, wie lange hatte ich geschlafen?

Langsam stand ich auf und huschte ins Bad. Dort drehte ich den Wasserhahn auf und trank hastig, bis das Brennen in meiner Kehle nachließ.

Der Hunger meldete sich sofort wieder. Also zog ich den Ärmel runter und machte mich auf den Weg in die Küche.

Kaum hatte ich den Gang betreten, drang leise Musik an mein Ohr. Eine Gitarre.

Meine Schritte verlangsamten sich.

Er war also hier.

Der Hunger war wie verflogen. Gebannt folgte ich der Musik. Je näher ich kam, desto mehr meinte ich Paint it Black darin zu erkennen. Nur dunkler.

Die Tür zum Gemeinschaftsraum stand einen Spalt offen. So leise wie möglich drückte ich sie ganz auf und blieb im Türrahmen stehen.

Lucien saß auf der Couch. Den Blick fest auf die Saiten gerichtet, spielte er die Melodie. Wieder und wieder. Er schien mich gar nicht zu bemerken.

Bei diesem Anblick, würde man nicht vermuten, wozu dieser Mann im Stande war. Die Schatten blitzen vor meinem inneren Auge auf. Unwillkürlich schoss mein Puls in die Höhe.

Nephilim - Verfluchte HerkunftWo Geschichten leben. Entdecke jetzt