Und dann brach die Hölle über uns herein. Ich zerrte Lucas hinter mir her. Er wirkte benommen, bewegte sich wie eine Marionette, doch seine Füße gehorchten.
Wir hetzten Richtung Eingang. Das Blut rauschte durch meine Ohren, das Adrenalin pumpte heiß durch meine Adern.
Ein Griff nach meinem Arm- ich riss mich los. Ein Dolch schoss dicht an mir vorbei.
'Das wars jetzt..'
"Bringt sie mir lebend!", donnterte Gabriels Stimme durch den Saal, so gewaltig, dass sie einem aufziehenden Gewitter glich.
Ich erstarrte mitten in der Bewegung. Vor mir hatten sich mehrere Nephiim und Hexer aufgestellt, versperrten mir den Weg. Was nun? Uns nach vorne hin durchzukämpfen war unmöglich - es waren zu viele. Aber wohin sonst? Durch den Garten vielleicht... nur wäre der Fluchtweg dort deutlich länger.
Ich wirbelte herum, prallte dabei fast gegen Lucas.
"Durch den Garten", keuchte ich, ohne zu warten, ob er verstand.
Er stolperte mir hinterher, endlich wieder im hier und jetzt angekommen.
Ein Nephilim versperrte mir den Weg. Ich schlug ihm mit der Handkante gegen die Kehle. Damit hatte er offensichtlich nicht gerechnet. Seine Augen weiteten sich vor Schock, dann sackte er röchelnd zusammen.
Ich warf mich zu Boden, rutschte über die glatten Fliesen - direkt zwischen zwei weiteren Angreifern hindurch. Trotz der Pumps kam ich halbwegs elegant wieder auf die Beine.
Aus den Augenwinkeln sah ich, wie der Hexer, der die ganze Zeit an Elena geklebt hatte, die Hände hob. In meiner Panik zog ich meinen Schuh aus und warf ihn. Noch bevor er seinen Zauber wirken konnte, traf er ihn am Kopf. Das richtete zwar kaum Schaden an, brachte ihn aber aus dem Konzept.
Den anderen Schuh schleuderte ich ebenfalls von meinem Fuß. Ohne war ich ohnehin schneller.
Schließlich erreichten wir den Garten und bahnten uns unseren Weg hindurch. Wir hatten gerade die Mitte erreicht, als sich erneut Nephilim vor uns aufbauten. Ich wollte nach rechts ausweichen, doch auch dort war der Weg blockiert.
Wir waren eingekreist, standen Rücken an Rücken. Trotz seiner Erschöpfung errichtete Lucas ein Schutzschild um uns ,um die Angreifer fernzuhalten.
Blitze zuckten, Windstöße krachten gegen die flackernde Barriere. Bald zeigten sich Risse darin. Lucas keuchte, Schweiß rann ihm über die Stirn. Uns musste schnell etwas einfallen - lange würde er den Schild nicht halten können.
Ich versuchte meine Energie mit der Luft zu verbinden, um ihn irgendwie zu unterstützen. Doch es gelang mir nicht. Ich war dazu viel zu aufgewühlt. Das zischen der Magie, ließ meine Ohren schmerzen, störte meine Konzentration. Stattdessen rauschte die Energie durch meinen Körper, brannte wie Lava, die durch meine Adern floss.
Die Barriere schrumpfte. Ich hörte Lucas' schwere Atemzüge, spürte, wie sein Körper an meinem Rücken zu zittern begann.
Immer wieder versuchte ich, die Luft zu kontrollieren, uns mit einem Windstoß einen Weg zu bahnen - und scheiterte jedes Mal.
Dann aber nahm eine Idee in meinem Kopf gestalt an. Riskant. Verdammt riskant. Doch vielleicht unsere einzige Chance.
"Lucas",flüsterte ich, " zieh die Barriere enger. Schütze dich selbst!"
"Wieso?", keuchte er.
"Mach es einfach!"
Er gehorchte.
Nun war ich ohne Schutz. Ich atmete tief durch. Und dann ließ ich los. Die aufgestaute Energie in meinem Körper entlud sich als unkontrollierte Druckwelle.
Ich hatte damit gegen so ziemlich alle Regeln der Magie verstoßen. Aber es war wirksam. Überall waren Körper verteilt. Manche regten sich, andere nicht. Auch Lucas wurde einige Schritte weit geschleudert. Eine Hecke stand in Flammen. Der kratzige Geruch der verbrennenden Blätter stieg mir in die Nase, verteilte sich in meinen Atemwegen.
Röchelnd und erschöpft sank ich auf die Knie. Viel Energie war mir nicht mehr geblieben.
"Wir müssen weiter!" Drang Lucas' Stimme wie durch Nebel an mein Ohr.
Er zog mich hoch, schleppte mich mit.
Wir erreichten die Eingangshalle - und wurden bereits erwartet. Raziel stand da, reglos. Langsam hob er die Hand, die zu leuchten begann.
Ich erstarrte. Das war's jetzt. Wir waren so weit gekommen, nur um jetzt hier zu sterben.
Der Engel betrachtete uns nachdenklich. Und dann, als hätte er es sich plötzlich anders überlegt, ließ er die Hand wieder sinken und trat einen Schritt zur Seite.
Verwundert riss ich die Augen auf. Doch Lucas zerrte mich schon weiter.
Die kühle Nachtluft schlug mir entgegen, als wir die Straße entlang stürmten.Ich legte zwei Finger auf meine Rune - sicher war sicher. Mehr als ein Bild völliger schwärze konnte ich allerdings nicht erzeugen. Die Zeit der Spielchen war aber ohnehin vorbei.
Die Haut um die Rune begann zu kribbeln, als sie an meinen letzten Energiereserven zerrte. Ich taumelte, stieß gegen jemanden.
Erschrocken sah ich auf. Meine Sicht verschwamm, schwarze Punkte tanzen durch die Luft. Dennoch erkannte ich diese eisblauen Augen. Lucien.
"Lucien?", brachte ich hervor.
Ich bekam keine Antwort. Stattdessen legte er den Arm um mich, um mich zu stützen. Eine seltsame Wärme ging von ihm aus, zog sich durch meinen Körper. Meine Beine wurden wieder fest, der Nebel in meinem Kopf verschwand .
Ich starrte ihn überrascht an, doch er schüttelte nur kaum merklich den Kopf.
"Was machst du hier?", fragte ich leise.
"Denkst du es bleibt unbemerkt, wenn du die halbe Akademie in Schutt und Asche legst?"
Sein Grinsen war gefährlich und spöttisch zugleich. Mir wurde heiß im Gesicht.
"Wir müssen hier weg", sagte Lucas kühl, während er Lucien, der immernoch den Arm um mich gelegt hatte, mit einem eisigen Blick fixierte.
Der Dämon packte einfach wortlos den Arm des Hexers und im nächsten Moment verschwand die Straße vor uns.
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Nephilim - Verfluchte Herkunft
FantasíaDie Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
