Ich stand vorm Spiegel und betrachtete mich. Ich trug eine enge schwarze Bluse mit tiefem Ausschnitt, dazu eine enge schlichte, figurbetonte Jeans. Das Make-Up war dezent, aber elegant. Meine Haare fielen in dunkeln Locken über meine Schultern. Marcus hatte mich gestern noch zusammengeflickt - von meinem Aufeinandertreffen mit Lis war äußerlich nichts mehr zu sehen. Nur die Erinnerung blieb.
Lucas hatte mich angerufen. Er sagte, dass er auf dem Rückweg sei und fragte , ob wir uns am Abend treffen wollen.
Natürlich hab ich ja gesagt. Und er sollte ruhig sehen, was ihm die letzte Woche entgangen war.
Wenig später stand ich vor seiner Tür. Er wohnte in einer kleinen Wohnung, relativ zentral. Sie gehörte zum Hexenzirkel.
Mein Herz pochte gegen meine Rippen, als ich klingelte. Nicht nur aus Freude ih wiederzusehen - auch aus Nervosität. Ich betete, dass dieser Abend ruhig verlaufen würde. Ohne Streit nur in trauter Zweisamkeit. So wie früher.
Dann öffnete sich die Tür. Lucas stand da - die Haare leicht zerzaust, müder Blick, Drei- Tage- Bart.
"Hey", begrüßte er mich mit einem schiefen Lächeln, zog mich zu sich und küsste mich sanft. Ich schmiegte mich an ihn, schlang die Arme um seinen Hals. Die Nervosität wich langsam der vertrauten Wärme.
"Hey", hauchte ich, als wir uns schließlich voneinander lösten. Ich strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
"Wie war dein Flug?"
"Bis auf die Verspätung ganz okay", antwortete er, während er mich in die Wohnung zog.
"Schön dich endlich wieder hier zu haben", sagte ich und zog meine Jacke aus.
Er antwortet nicht, ließ nur seinen Blick über mich schweifen. Amüsiert und mit hochgezogener Augenbraue musterte ich ihn.
"Typisch Mann. Nur das eine im Kopf", lachte ich.
"Ich hab dich jetzt eine Woche nicht gesehen... Ich hab da was nachzuholen." Schmunzeln zog er mich wieder zu sich und küsste mich.
"Ich hab dich vermisst."
"Ich für meinen Teil hab jetzt aber erstmal Hunger", erwiderte ich und ging in die Küche.
"Trifft sich gut. Was hälst du davon, wenn wir Pizza machen." Er hatte sich lässig in den Türrahmen gelehnt.
Gegen Pizza hatte ich absolut nichts einzuwenden.
Die nächsten zwei Stunden verbrachten wir also damit Teig auszurollen, Sauce zu machen und Belag kleinzuschneiden.
Irgendwo zwischen Lucas' Umarmungen, Küssen und kleinen Sticheleien schaffte ich es tatsächlich, für einem Moment alles um mich herum zu vergessen.
"Ey!", rief Lucas auf als ich ihn mit Käse bewarf. Er hob schützend die Hände vor das Gesicht und lachte.
Zuvor hatte mich damit aufgezogen, dass ich den Käse auf und nicht neben der Pizza verteilten sollte. Das war meine Rache.
Schließlich saßen wir auf der Couch. Die Pizza war gegessen, zwei Gläser Wein standen auf dem Tisch vor uns. Er hatte einen Arm um mich gelegt, während ich mich an ihn lehnte.
"Also wie war's in South Dakota?"
"Ach ganz entspannt soweit",sagte Lucas, während er mit einer meiner Haarsträhnen spielte.
"Cool, mit deiner lebhaften Erzählung, fühlt es sich fast an als wäre ich dabei gewesen", erwiderte ich scherzhaft und griff nach meinem Wein.
Er schmunzelte.
"OK dann hier die ausführliche Version: das Echo war eine Frau so um die Mitte vierzig. Sie konnte Geister sehen und hatte Versionen."
"Und weiter?"
"Vor ein paar Monaten ist ihr Sohn bei einem Autounfall gestorben. Sie gab sich die Schuld daran, konnte nicht loslassen."
"Warum das denn?", fragte ich neugierig und richtete mich etwas auf.
"Er war wohl auf einer Feier und sie hatte versprochen ihn abzuholen. Leider ist sie eingeschlafen, und er hat sie nicht erreicht. Also ist er mit einem Freund mitgefahren."
Er nahm einen Schluck Wein, betrachtete kurz sein Glas.
"Er war betrunken und ist von der Straße abgekommen. Beide sind gestorben."
"Und vor lauter Schuldgefühlen ist die Mutter dann durchgedreht?" Nachdenklich kaute ich auf meiner Unterlippe.
"So ähnlich. Sie hat angefangen ihren Sohn zu sehen. Als Geist. Dachte er wollte sich rächen. Und jedes mal, wenn er erschienen ist hat sie die Kontrolle verloren." Seine Stimme klang brüchig.
"Und dann habt ihr was gemacht? Ghost Whisperer gespielt?", fragte ich, versuchte sie Stimmung wieder aufzulockern.
Er lachte.
"Kann man so sagen. Er wollte sich eigentlich nur verabschieden."
"Also ein Happy End?"
Ich kuschelte mich enger an ihn.
"Ja"
Er strich mir sanft über die Seite.
"Und zum Abschied hab ich sogar noch eine Weissagung bekommen", sagte er und kicherte.
"Aha, lass hören", sagte ich und sah ihn neugierig an.
"Wenn du dich der Eifersucht hingibst, wirst du neue Höhen erreichen, aber auch alles verlieren"
Ich zog eine Augenbraue hoch.
"Was besseres ist ihr wohl nicht eingefallen.", schob er hinterher.
"Meinst du nicht, dass da was dran ist?"
"Ach komm der Spruch könnte in einem Glückskeks stehen. Worauf sollte ich bitte eifersüchtig sein?", lachte er.
Obwohl diese Worte ein ungutes Gefühl in mir weckten, ließ ich das so stehen. Vielleicht hätte ich diese Worte ernster nehmen sollen, genauer drüber nachdenken. Aber ich hatte meine eigenen Probleme. Durch seine Erzählungen, waren meine Gedanken wieder zu Lis gewandert. Zu dem Moment, an dem sie die Kontrolle verloren hatte. Und an die Worte von Markus. Sie konnte wohl auch nicht loslassen.
"Alles ok?"
Lucas sah mich fragend an.
"Hm?" Ich zuckte leicht zusammen, als er mich aus meinen Gedanken riss.
"Alles gut ich bin nur müde. Du weißt schon... die Prüfungen." Dabei biss ich mir leicht in die Innenseite der Wange - eine dumme Angewohnheit, wenn ich jemanden anlog.
Er runzelte die Stirn.
"Hast du dir das Zeug überhaupt schonmal durchgelesen? Das ist verdammt schwer", entgegnete ich.
"Ich hatte eigentlich gehofft du erklärst es mir", grinste er.
"Idiot!"
Ich stieß ihn leicht in die Seite.
"Was denn?", fragte er mit gespielter Unschuld und küsste mich.
Seine Hand wanderte an den Rand meiner Bluse , schob sich langsam darunter.
Er küsste meinen Hals und brauchte in mein Ohr: "Was hälst du dann von ein bisschen Ablenkung?" Ich legte meinen Kopf in den Nacken, ließ ihn gewähren. Ich ließ mich fallen - für einen Moment wollte ich vergessen.
'Ein bisschen Ablenkung kann nicht schaden...', dachte ich, während ich mit der Hand über seine Brust fuhr.
Er zog mich auf seinen Schoß, fuhr mit den Händen meinen Rücken hinauf, öffnete meinen BH. Meine Lippen fanden seine - erst ganz sanft, dann immer fordernder. Und langsam -mit jeder weiteren Berührung - begann die Welt um mich herum immer weniger Rolle zu spielen.
Später lag ich neben ihm. Unsere Kleider waren überall im Wohnzimmer verteilt. Er schlief längst tief und fest.
Aber ich war wach. Starrte an die Decke. Dachte an die letzte Woche, daran was war und daran was wohl noch kommen wird. An meinen Kampf mit Lis. An ihre Augen, in denen etwas zerbrochenes lag. An ihre Wut, ihre Verzweiflung. Ich fuhr mir langsam über den Hals.
Ob sie je bereit war, mir zu erzählen was sie verfolgte?
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Nephilim - Verfluchte Herkunft
خيال (فانتازيا)Die Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
