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Die dunklen Dolche schossen auf die Dämonen zu. Sie verschwanden, tauchten kurz darauf wieder auf. Die Geschosse gingen ins Leere. Bei alle bis auf einen.

Azazel flackerte nur kurz auf. Mehr brachte er nicht zustande. Die Waffe hatte ihn zu sehr geschwächt.

Ein Dolch traf ihn am Bein, ein weiterer bohrte sich tief in seine Schulter ein. Fleisch gab nach. Dunkles, rotglänzendes Blut quoll aus den Wunden und tränkte seine Kleidung. Metallischer Geruch erfüllte die Luft.

Azazel sank mit einem Keuchen auf die Knie. Seine Finger kratzten über den steinernen Boden. Suchten verzweifelt nach Halt. Nach irgendetwas, an das er sich noch klammern konnte.

Die Schatten verflüssigten sich, flossen zurück zu Lucien und verbanden sich wieder mit seiner Rüstung. In seiner Hand formte sich ein Schwert.
Die Klinge war lang, schmal und scharf genug, um selbst Stein zu schneiden.

Er betrachtete die Schneide, ließ sie prüfend durch die Luft gleiten.

Dann fiel sein Blick wieder auf Azazel, der mit weit aufgerissenen, flehenden Augen vor ihm kniete. So schwach. Lucien setzte sich in Bewegung, Schritt für Schritt.

Er wusste längst nicht mehr, wo er aufhörte und die Dunkelheit begann. Es spielte keine Rolle. Nicht in diesem Moment.

Am Rande seines Sichtfelds flackerte etwas auf. Flammen. Getrieben von einem heftigen Windstoß schossen sie auf ihn zu.

Er hob die freie Hand. Ein Schwall an Schatten brach hervor, prallte gegen dass Feuer und die dahinter stehenden Dämonen. Sie wurden mehrere Meter weit weggeschleudert.

Ohne sie eines weiteren Blicks zu würdigen, ging Lucien weiter. Jeder Schritt hallte wie eine Drohung.

Azazel wimmerte, als Lucien das Schwert hob. Tränen glitzerten in den weit aufgerissenen Augen.
"Bitte...", flüsterte er.

Lucien legte den Kopf leicht schief.
"Ich dachte, du hättest dich längst damit abgefunden, heute zu sterben." Seine Stimme war so kalt, dass dem Dämon ein Schauer den Rücken hinabfuhr.

Wie ein verängstigtes Tier klammerte Azazel sich an dem Rest seines viel zu langen Lebens fest.

'Los bring es zu Ende', flüsterten die Schatten. Unzählige Stimmen, deren Klang sich jeder Beschreibung entzog.

Lucien schloss die Finger fester um den Griff. Dann stach er zu. Direkt in Azazels Herz. Der Ritter würgte einen Schwall Blut hervor, die Augen wurden leer.

Lucien drehte die Klinge und zog sie heraus. Azazel kippte nach vorne, wäre fast in ihn gefallen. Lucien wich aus. Der Körper schlug dumpf auf dem Boden auf und tat seinen letzten Atemzug.

Hinter ihm ertönten Schritte. Lucien drehte sich um und riss das Schwert hoch. Ein Klirren. Metall traf auf gehärtete Schatten.

Zeradorn, der dritte Ritter, presste seine geschwungene Klinge gegen Luciens Schwert. Sein Kiefer war angespannt, der Blick voller Verbissenheit. Die grauen Augen funkelten kalt. Seine Schultern waren fast doppelt so breit wie Luciens, und trotzdem hatte er Mühe standzuhalten.

Eine Bewegung rechts. Lucien trat Zeradorn gegen das Knie und schaffte Abstand. Er duckte sich im selben Moment, gerade rechtzeitig, um einem Feuerball auszuweichen, den Rhamel - Ritter Nummer vier - geworfen hatte.

Zeradorn hob die Klinge für einen mächtigen Hieb. Lucien war schneller. Sein Schwert glitt über den ungeschützten Bauch des Dämons und hinterließ eine klaffende Wunde. Zeradorn ließ seine Waffe fallen und presste verzweifelt die Hände auf das Loch. Blut rann dick zwischen seinen Fingern hindurch, während er verzweifelt versuchte, seine Innereien zurückzuhalten.

Nephilim - Verfluchte HerkunftWo Geschichten leben. Entdecke jetzt