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'Also können wir auf deine Unterstützung zählen?', hörte ich den Schwarzhaarigen sagen.

'Aber natürlich...es wird langsam Zeit dass die natürlichen Machtverhältnisse wiederhergestellt werden.', antwortete ihm die Nephilim, die er vorher Linda genannt hatte.

'Sehen das die Engel auch so?', wollte ein Braunhaariger wissen. Zwar schien er nicht das Licht aufzusaugen, weniger unheimlich war er deshalb aber nicht. Ganz im Gegenteil. Seine Nähe schien jegliche Freude zu verschlingen, bis nur noch Trauer, Angst und Wut blieben - Dinge von denen ich ohnehin genug hatte.

'Die wichtigsten schon und der Rest kann nichts dagegen tun.', erwiderte die Frau.

'Sehr gut!' Ein Grinsen schlich sich auf das Gesicht der Dämonen.

Okay, offensichtlich ging hier irgendetwas vor sich. Etwas, das mir ganz und gar nicht gefiel. Ich sollte schleunigst zusehen dass ich zu meinem Treffen mit Lucas kam. Dort konnte ich das Ganze sacken lassen, und dann entscheiden, was ich mit dem Gehörten anfangen sollte.

"Prohibere!", flüsterte ich, während ich vorsichtig die Rune an der Tür wegwischte.

Dann wandte ich mich um, ging Richtung Ausgang. Doch als ich gerade die Tür öffnen wollte, überkam mich ein eigenartiges Gefühl. So, als würde ich beobachtet werden.

Langsam drehte ich mich um.

Oben auf der Treppe stand Raziel. Er sagte nichts. Bewegte sich nicht. Er starrte mich einfach nur an - regungslos.

Ich schluckte. Dann drehte ich mich um und verließ das Gebäude. So schnell wie möglich.

-
Keuchend kam ich schließlich im Stillwater an.

"Sorry für die Verspätung... Ich musste noch was erledigen.", presste ich zwischen zwei Atemzügen hervor.

Lucas saß bereits da, einen Cappuccino vor sich. Das Stillwater war längst unser Stammcafé geworden. Wir hatten dort unser erstes Date - seitdem trafen wir uns regelmäßig hier.

"Hey alles gut." Er stand auf und küsste mich. Die vertraute Wärme breitete sich in meinem Inneren aus. Ich schmiegte mich kurz an ihn.

"Das mit gestern tut mir Leid. Ich wollte nicht mit dir streiten.", sagte ich zögerlich, nachdem er sich wieder gesetzt hatte.

"Schon gut. Ich hab überreagiert. Aber du machst es mir manchmal auch nicht leicht."

Ich ließ mich auf dem Stuhl sinken, senkte meinen Blick. Doch dann nahm er meine Hand, sah mich direkt an.

"Ich liebe dich. Und ich will dich nicht verlieren", sagte ich leise.

"Wirst du nicht." Seine Stimme klang ruhig, sanft. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht.

Wir sprachen über Belangloses - das College, ein paar Neuigkeiten aus Lucas' Zirkel. Immer wieder nippte ich an meinem Kaffee, hielt seine Hand. Aber meine Gedanken begannen zu kreisen.

Die Dämonen. Linda. Raziel.

Mein Blick schweifte ab, ich hörte kaum noch zu.

"Was sagst du? Hast du Lust darauf?"

"Bitte was?" Ich zuckte zusammen. Ich hatte nicht zugehört.

Lucas sah mich mit hochgezogener Augenbraue an.

"Was ist los?"

Hastig berührte ich meine Rune und konzentrierte mich auf ein Bild von uns beiden - ein ganz normales Gespräch. Nichts verdächtiges. Die Engel durften auf keinen Fall erfahren, was ich wusste. Ich konnte nur hoffen, dass Raziel mich nicht bemerkt hatte.

"Dämonen... an der Akademie ...", murmelte ich. Ich konnte es immer noch nicht fassen, "Da geht was vor sich."

"Wie meinst du das? Dämonen bei euch? Ihr seid Halbengel!" Jetzt blitzte Neugier in Lucas' Augen auf.

"Ich weiß nicht genau ... Es wurde etwas von natürlichen Machtverhältnissen gesagt. Und davon, dass die Engel das angeblich so sehen..." Ich versuchte die Gesprächsfetzen zusammenzufügen.

"Und du bist dir sicher, dass du dich nicht verhört hast?" Lucas' skeptischer Blick traf mich hart. Mal wieder glaubte er mir nicht.

"Ich werd's den Vampiren sagen", sagte ich entschlossen.

"Was? Bist du wahnsinnig?! Was, wenn du dich geirrt hast? Dann trittst du etwa los, das du nicht mehr stoppen kannst"

"Das ist mein Job." Ich sah ihm fest in die Augen. "Und wenn ich recht habe... Dann betrifft das uns alle."

"Sam, Schatz, bitte sei doch vernünftig. Du kannst doch nicht einfach losstürmen, nur weil du ein halbes Gespräch mitgehört hast."

Er drückte meine Hand.

"Pass auf. Ich muss für ein paar Tage weg. Aber bis zum 'Tag der Versiegelung' bin ich wieder da. Wir gehen gemeinsam hin - und hören uns um, ja?"

Ich zögerte. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals. Natürlich war es wieder so ein Gespräch. Wieder nahm er mich nicht ernst.

Er wartete.

"Okay",murmelte ich schließlich. Keine Lust auf noch mehr Streit.

Ein zufriedenes Lächeln huschte über sein Gesicht. "Du wirst sehen. Du machst dir völlig umsonst Sorgen."

Ich nickte nur stumm, nahm einen Schluck von meinem Kaffee.

"Und wohin musst du diesmal?"

"Nichts Großes. Ein paar Unregelmäßigkeiten bei einem 'Echo' - irgendwo in South Dakota."

"Also nichts gefährliches?"

"Nein ich denke nicht."

Ich atmete innerlich auf. Es gefiel mir nie, wenn er sich in Gefahr begab.

Eine Weile saßen wir schweigend nebeneinander.

"Hey." Er zog mich sanft zu sich.

"Ich liebe dich."

Er küsste mich. Ich erwiderte den Kuss und schmiegte mich an ihn.

"Und ich dich.", flüsterte ich. Eingehüllt in seine Nähe, seine Wärme. Und doch - tief in mir - blieb dieser Stein im Magen. Die Ahnung, dass etwas auf uns zukam.

Nephilim - Verfluchte HerkunftWo Geschichten leben. Entdecke jetzt