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Wenig später standen wir in der Küche. Lucien lehnte gegen die Anrichte, die Hände vor der Brust verschränkt, und beobachtete mich. Sein Gesicht war ruhig und ausdruckslos, ganz so, als wäre er die Ruhe selbst.

Ich ließ meinen Blick suchend durch den Raum schweifen.

Zögernd öffnete ich einen der Schränke und betrachtete die darin aufgereihten Cornflakespackungen. Keine davon sah sonderlich verlockend aus. Seufzend schloss ich ihn wieder.

Ein kurzer Seitenblick zu Lucien verriet mir, dass er mich immer noch mit unbeteiligter Miene musterte. Ein nervöses Kribbeln breitete ich auf meiner Haut aus.

"Also was weißt du denn so über Elementarmagie?", brach er schließlich das Schweigen.

Mit hochgezogener Augenbraue sah ich ihn an.
"Soll das jetzt eine Theoriestunde werden?"

Ich griff nach dem Toast, der neben ihm stand. Zwei Scheiben waren noch da und fristeten ihr vernachlässigtes Dasein in der Verpackung. Den Anblick nach schon etwas länger.

"Ey, wenn ich dir schon was beibringen soll dann auch richtig", entgegnete er grinsend und machte den Weg zum Toaster frei, der hinter ihm stand. "Also. Was weißt du darüber?"

Ich steckte die beiden Scheiben in den Toaster und wandte mich dem Kühlschrank zu.
"Elementarmagie ist die Kunst, die vier Elemente zu beherrschen", begann ich und sagte auf, was ich aus dem Buch wusste. Währenddessen öffnete ich den Kühlschrank und versuchte, in dem chaotischen Haufen an Allerlei etwas Essbares zu finden.
"Anwenden können sie Dämonen und Hexen, die ja von Dämonen abstammen"

Langsam nahm ich eine Packung Frischkäse heraus und betrachtete sie prüfend.
"Und aus welchem Grund auch immer ich."

Ich legte ihn zurück und griff stattdessen zu einer Packung Butterkäse.

"Vielleicht stammst du ja von Hexen ab?", warf Lucien mit leisen Lachen ein.

Ich stockte und sah ihn stirnrunzelnd an.
"Verarsch mich nicht", erwiderte ich trocken.

"Angst dass es so sein könnte?"

Mit einem Schnauben holte ich den Toast aus dem Toaster.
"Mach dich nicht lächerlich."
Allein der Gedanke war absurd. Oder? Unwillkürlich zog sich mein Magen zusammen.

Lucien sagte nichts. In seinen Augen lag ein Funkeln, das ich nicht deuten konnte. Oder nicht deuten wollte.

"Jedenfalls", fuhr ich fort, belegte die Toasts lieblos mit dem Käse und betrachtete sie skeptisch, " ist Luft das einfachste Element und Feuer das schwerste."

"Gut auswendig gelernt", entgegnete der Dämon und klatschte dabei leise in die Hände. "Aber falsch."

Irritiert starrte ich ihn an.
"Wie falsch?"

Er verlagerte sein Gewicht von dem einen Bein auf das andere.
"Grundsätzlich falsch. Die Elemente sind alle gleich schwer zu kontrollieren. Es kommt nur darauf an, welche Affinität man hat." Seine Augen blitzen triumphierend. "Aber zugebenermaßen ist Luft die häufigste."

"Affinität?" Das Wort hatte ich in diesem Zusammenhang noch nie gehört. Sein Blick bestätigte mir, dass ich etwas Wichtiges verpasst hatte. Hitze stieg mir in die Wangen.  Mit einem genervten Seufzen wandte ich mich dem Kühlschrank zu und begann erneut darin zu kramen.

Lucien ignorierte das.
"Sie bestimmt, welches Element man vollständig kontrollieren kann", erklärte er knapp.

"Mh, und weiter?" Ich fixierte den Schinken, den ich gerade in der hintersten Ecke entdeckt hatte.

"Die meisten haben eine Stärke für ein Element, aber es gibt auch Ausnahmen" Er trat einen Schritt näher. "Den würde ich übrigens nicht nehmen, der liegt hier schon ewig." Das Schmunzeln in seiner Stimme war unüberhör.

Nephilim - Verfluchte HerkunftWo Geschichten leben. Entdecke jetzt