"Ich bin doch kein kleines Kind." Aufgebracht lief ich im Raum auf und ab und fuhr mir immer wieder durch die Haare. "Er kann doch nicht einfach für mich entscheiden."
Ich blieb stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und sah Lis und Marcus an, die mir gegenüber saßen. Ungeduldig wartete ich auf eine Reaktion, doch die beiden hüllten sich in angespanntes Schweigen.
"Jetzt sagt doch was", forderte ich.
Die beiden wechselten einen vielsagenden Blick. Marcus räusperte sich leise, Lis wich meinem Blick aus.
Ich seufzte.
"Ich weiß, er macht sich nur Sorgen", sagte ich leise. "Aber so geht das doch nicht ... oder?"
Hilfesuchend glitt mein Blick zwischen den beiden hin und her.
"Setz dich erstmal", sagte Lis schließlich. "Du machst mich ganz nervös."
Zögernd ließ ich mich auf einen Stuhl sinken und trommelte nervös mit den Fingern auf meinem Oberschenkel herum. Ihr Schweigen brachte meinen Magen unangenehm zum Krampfen. Hatte ich wirklich so überreagiert?
"Also", begann Marcus, " was ist draußen denn genau passiert?" Er legte den Kopf leicht schief und musterte mich abwartend.
"Also ..." Ich presste die Lippen fest aufeinander. Meine Kehle fühlte sich trocken an. "Mal davon abgesehen, dass er mich hier lassen wollte. Und nicht mal gefragt hat was ich will -"
"Sam, da war ich dabei", schnitt Lis mir das Wort ab. Ungeduld lag in ihrer Stimme. Kein Wunder. Sie hatte sich schon so viele Streits zwischen mir und Lucas miterleben müssen.
Ich sah sie einen Moment an und kaute auf meiner Unterlippe.
"Ja, aber draußen war es dann nicht besser", erwiderte ich. "Er wollte mich absichtlich von allem fernhalten. Wir waren praktisch an der Barriere."
Marcus lehnte sich leicht zurück.
"Und wenn es keine Absicht war? So gut kennt er sich im Süden ja auch nicht aus", meinte er.
Meinte er das jetzt wirklich ernst?
"Natürlich war das Absicht!" Meine Stimme überschlug sich leicht. So zielgerichtet wie er marschiert war, konnte das kein Zufall sein. "Und deshalb hab ich ihn dann auch stehen lassen und bin in den alten Südpark."
Jetzt war es Lis die seufzte.
"Und, wenn er dich einfach nur beschützen wollte?", fragte sie. "Ist ja nicht so, dass es nicht fast schief gegangen wäre."
"Als wäre ich absichtlich in ein Echo gerannt", erwiderte ich scharf und verengte die Augen. "Und ohne mich hätte es für ihn auch nicht gut ausgesehen."
Genervt ließ ich die Luft aus meinen Lungen. Warum fühlte sich dieses Gespräch so an, als säße ich auf der Anklagebank?
Lis beugte sich leicht vor.
"Das ist nicht der Punkt", sagte sie kühl. "Sondern, dass du dich in Gefahr gebracht hast. Und das in letzter Zeit tatsächlich oft tust. Er will dich da raushalten."
Ein dicker Kloß bildete sich in meiner Kehle.
"Mein halbes Leben war ich außen vor", fauchte ich. "Seit ihr mich aufgenommen habt, bin ich endlich mal Teil von etwas. Und da draußen ist es gefährlich. Das lass ich mir von ihm nicht wegnehmen."
Tränen brannten in meinen Augen. Mit gesenktem Blick kämpfte ich dagegen an. Warum verstand das keiner?
Lis stand auf, ging zu mir rüber und legte mir sanft die Hände auf die Schultern.
"Hey", sagte sie sanft. "Niemand will dir etwas wegnehmen. Aber deine Alleingänge sind wirklich riskant. Und das weißt du selbst."
Ich schwieg und versteifte mich. Ja sie waren riskant. Das wusste ich. Aber ich wollte auch etwas beitragen, etwas Nützliches.
"Und Lucas hat einfach nur Angst, dich zu verlieren", fuhr sie leise fort.
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Nephilim - Verfluchte Herkunft
FantasyDie Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
