"Die natürlichen Machtverhältisse? Die klingen ja wie diese Spinner, die vor ein paar Jahren die Aufstände angezettelt haben...", meinte Lis nur ,nachdem ich meinen Bericht beendet hatte.
Mit "ein paar Jahren" meinte sie so um die 200 - als eine Gruppe Vampire beschlossen hatte öffentlich auf die Jagd zu gehen, um zu demonstrieren, wie überlegen sie den Menschen doch seien. Glücklicherweise schlossen sich ihnen nur wenige an, sodass sie ziemlich schnell ausgeschaltet wurden. Trotzdem hatte es Folgen: Seitdem war es Vampiren verboten Blut direkt von Menschen zu trinken - zumindest in der Theorie.
Auch wenn Lucas mich darum gebeten hatte erstmal abzuwarten, ließ mich das ungute Gefühl nicht los. Deshalb beschloss ich doch mit den Vampiren zu reden.
Ich war vor knapp einer Dreiviertelstunde bei Lis angekommen. Als sie hörte ,was ich gesehen und belauscht hatte, brachte sie mich sofort zu Marcus. Jetzt saßen wir in einem Raum der Vampirresidenz, beide gegenüber von mir, und starrten mich ernst an.
"Wir brauchen auf jedenfall mehr Informationen", kommentierte Marcus trocken. "Sollte es tatsächlich wieder auf so eine Spinneraktion hinauslaufen haben wir kein Interesse daran... Ganz im Gegenteil."
"Dann versuch ich eben, mehr herauszufinden?", stellte ich mit fragendem Blick fest. Irgendwie wunderte es mich. Sollte so ein Aufstand nicht sogar in ihrem Interesse sein? Wenn sich sowohl Engel als auch Dämonen daran beteiligten, stünden die Chancen doch gar nicht schlecht. Und wenn die magischen Wesen wieder an der Macht wären, würde das doch auch für den Clan vieles erleichtern.
Lis schien meinen Blick zu bemerken."Es gibt einen Grund warum die Menschen an der Macht sind - und nicht wir."
Ich runzelte die Stirn. Ich wusste, dass es vor etwa tausend Jahren einen Umbruch gegeben hatte. Aber an der Akademie war mir jeglicher Unterricht vorenthalten worden -deshalb wusste ich so gut wie nichts. Also fragte ich: "Und was für einen Grund?"
Eigentlich kam ich mir dabei dumm und naiv vor - aber die beiden Vampire sahen mich nur ruhig an. Offenbar war das eine berechtigte Frage.
Im Anschluss erzählten sie mir die Geschichte: Früher hatten die magischen Wesen über die Welt geherrscht. Jede Art hatte ihr eigenes Reich - Vampire, Hexen, Dämonen... Die Menschen hingegen wurden eher wie Nutzvieh behandelt. Sie arbeiteten als Sklaven oder wurden als Futter gehalten. Natürlich gefiel ihnen das nicht. Immer wieder leisteten sie Widerstand - und fanden schließlich Verbündete unter den Hexenzirkeln. Irgendwie logisch, immerhin ähnelten sie den Menschen noch am meisten.
Die Reiche waren untereinander ebenfalls zerstritten, und so kam es zu einem gewaltigen Krieg. Die Menschen nutzten diesen Moment der Schwäche. Als sich die Reiche gegenseitig beinahe ausgelöscht hatten, schlugen sie zu - mit Unterstützung ihrer Verbündeten. Sie siegten. Und von da an Ordneten sich die magischen Wesen den Menschen unter.
"Und ganz ehrlich", meinte Marcus anschließend", wenn wir es nicht mal hinkriegen uns nicht gegenseitig zu vernichten, dann haben wir es halt auch nicht anders verdient."
"Na ja... Die Menschen machen's aber heute auch nicht gerade besser",wandte ich ein.
"Mag sein", entgegnete Lis. "Aber so weit wie damals sind sie noch nicht gegangen. Glaub's mir."
War sie... Damals dabei gewesen? Ich wusste, dass sie schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel hatte - aber tausend Jahre? Das konnte ich mir irgendwie nicht vorstellen.
Eine Weile saßen wir schweigend da. Als ich langsam begann mich unwohl zu fühlen, erhob sich Lis.
"Ich werde selbst ein paar Informationen einholen"
"Aha und wo?", fragte Marcus misstrauisch.
"Ich kenne da jemanden...",antwortete sie knapp und verschwand ohne ein weiteres Wort nach draußen.
"Na toll und weg ist sie", dachte ich leicht enttäuscht. Ich hatte eigentlich gehofft, wenigstens ein bisschen trainieren zu können. Das half mir immer, den Kopf freizubekommen.
Seufzend stand ich auf.
"Nimm's ihr nicht übel die Sache ist wichtig", sagte Marcus und musterte mich nachdenklich. Offenbar hatte er meine Enttäuschung bemerkt.
"Aber wenn du trainieren willst, könnten wie auch einen kleinen Übungskampf abhalten."
Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
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Nephilim - Verfluchte Herkunft
FantasyDie Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
