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Teil VI

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Du schaffst das, Lina. Du bist eine starke Frau. Riley hat sich für die entschieden, obwohl er jede andere Frau auf diesem Planeten mit einem Augenzwinkern bekommen könnte. Gesprächsfetzen von dem Telefonat mit Cassandra schießen mir in den Kopf. Du musst nicht um seine Aufmerksamkeit kämpfen, weil DU bist seine Freundin.
Ich schaue in den Spiegel und richte mir noch eine Strähne, die scheinbar nicht mehr in meinem Pferdeschwanz bleiben will. "Das fängt ja schon mal super an", murmle ich und versuche, die widerspenstige Strähne mit einem Kamm wieder in die richtige Position zu bringen.
Ich sehe ein weißes Hemd von Riley, das auf dem Sessel im Schlafzimmer liegt und gehe hinüber. Ich hebe es hoch und rieche daran. Der Duft seines Parfums steigt mir sofort in die Nase und ich schmeiße es schnell wieder auf den Sessel. Wie bescheuert bin ich eigentlich?
Mit klackenden Absätzen gehe ich zu dem Aufzug und fahre ganz nach unten.
Ich brauche unbedingt ein Auto. Dieses ständige Taxi-Angerufe geht langsam echt ins Geld, auch wenn ich, seit ich Rileys Assistentin bin, deutlich mehr verdiene. Diese unnötigen Kosten braucht es einfach nicht.

"Könnten Sie mich zu Billingsley fahren, bitte?", frage ich den Taxifahrer, während ich mich anschnalle. Dieser nickt nur und fährt los.
Die ganze Fahrt über lege ich mir zurecht, was ich ihm sagen kann, wie ich mich entschuldigen soll, aber was macht man sich eigentlich Gedanken, am Ende kommt es eh immer alles anders raus, als man es wollte.
Ich bedanke mich beim Taxifahrer mit einem großzügigen Trinkgeld und stehe direkt vor dem Gebäude.
Wieso bin ich so nervös? Es ist nur Riley, mit dem ich reden will und das hab ich weiß Gott schon oft genug getan.
Der Weg fühlt sich länger an als sonst, bis ich endlich an meinem Arbeitsplatz sitze.
Ich zupfe mir meinen Rock zurecht und klopfe an seiner Bürotür. "Herein", höre ich Riley und atme nochmal tief durch. Keep cool, Lina.
Schon während ich zur Tür reinkomme, fange ich an, zu reden. "Riley, ich muss mit dir reden. Das mit gestern Abend ...", stocke ich mitten im Satz, weil ich Melody sehe, die mal wieder in seinem Büro sitzt. Ich schlucke den Kloß, der sich gebildet hat, runter und starre ungläubig zwischen den beiden hin und her.
Riley sieht mich nicht einmal an. "Lina, ich habe jetzt keine Zeit. Ich habe einen Geschäftstermin, wie du sehen kannst." Geschäftstermin? Nennt man das wohl neuerdings so? Ich schlucke.
Er redet einfach weiter mit Melody, als wäre ich gar nicht da.
Als ich mich nicht bewege und keine Anstalten mache, den Raum zu verlassen. Schnaubt Riley. "Ich sag dir Bescheid, wenn ich dich brauche."
Als ich gerade die Tür schließe, höre ich Melodys ätzende Stimme. Sie lacht. "Seit wann duzt du deine Assistentinnen? Ich dachte, du wärst professioneller?" Falsche Schlange.
Zu meiner Überraschung entgegnet Riley ihr: "Sie ist meine Freundin, Melody. Ich glaube, da kann ich sie schon duzen, denkst du nicht auch?" Jetzt lacht er auch.
"Du bist immer noch der gleiche Spinner wie früher."
"Oh, es gibt Sachen, die ändern sich niemals."
"So so", höre ich sie und mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter, als ich die Tür leise schließe.

Sie sind jetzt schon seit einer Stunde in seinem Büro und mittlerweile weiß ich nicht mehr, was ich denken soll. Er macht es mir aber auch verdammt schwer, wenn er mal wieder das distanzierte Arschloch raushängen lässt.
Endlich geht die große Tür mit einem Knarzen auf und ich höre das Lachen von Melody. "Jetzt hör auf, Ri. Ich bin ja schon weg. Wir sehen uns."
Sie sieht mich kurz an mit einem Lächeln, das ich schon zur Genüge kenne. Komisch nur, dass ich mit allen Leuten, die mich so angelächelt habe, keinen Kontakt mehr habe. Man wundert sich wieso.
Ich werfe ihr das gleiche falsche Lächeln zu, bis sie endlich verschwunden ist. Jetzt kann er sich nicht mehr rauswinden.

UnmoralischGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt