Locker stieß er sich von dem Baum ab.
„Wie hast du mich gefunden?", fragte ich und stellte mich vor Chris, der offenbar in eine Art Schockstarre gefallen war.
„Wir haben dich nie verloren.", behauptete er eingebildet. „Es war nur einfacher für uns, wenn dir jemand anderes die ganze Geschichte erzählt."
Seine Augen waren kalt, aber als sein Blick auf Chris Hand fiel, die noch immer in meiner lag, wurden sie noch ein wenig ausdrucksloser. Wenn das überhaupt möglich war.
Hinter Chris nahm ich eine Bewegung wahr. Peter schlich mit gezückten Schwert auf Darian zu. Das fahle Licht spiegelte sich auf der silbernen Klinge. Das was Peter jedoch nicht sah, war das wenige Meter vor ihm Adam stand und nicht aus den Augen ließ. Auch er war bewaffnet. In seinen Händen hielt er zwei Dolche. Mir wurde flau im Magen. Peter tapste immer weiter auf Adam zu. Er sah ihn nicht! Wieso sah er ihn nicht?! Wenn er weiterlief würde er in Adams Falle laufen. Ich wusste ich musste etwas tun. Irgendetwas. Sonst würde es hier Tote geben.
Peter hatte vielleicht noch zwei Schritte. Dann geschah alles ganz schnell:
Adam sprang mit gezückten Dolchen aus seinem Versteck. Im gleichen Moment schrie ich. "Pass auf, Peter!"
Aber es war zu spät.
Adam holte aus, warf und traf. Peter sackte in sich zusammen.
„Nein!", brüllte ich und wollte zu ihm laufen, aber Darian fing mich auf halbem Wege ab. Seine Arme legten sich um meine Mitte, während ich schrie und um mich schlug. Tatsächlich erzielte ich sogar einige Treffer. Aber es schien ihn kalt zu lassen.
Als ich mich beruhigt hatte musste ich allerdings feststellen, dass es noch lange nicht vorbei war. Chris stand mit erhobenen Händen und eingezogenem Kopf noch immer an der gleichen Stelle. Allerdings lag von hinten eine Klinge an seinem Hals. Ich erstarrte als ich sah wer das Schwert führte.
„Lucas tu das nicht! Bitte!", flehte ich und rutschte in Darians Griff auf den Boden. Lucas blickte mich unsicher an.
„Bitte!" Meine Stimme brach. Hinter mir spürte ich wie Darian sich nach unten beugte und versuchte mich wieder hochzuziehen.
Aber ich machte mich so schwer wie ein Felsen und stemmte mich mit meinem ganzen Gewicht gegen ihn.
Ich hörte wie er stöhnte und kurz darauf nahm mich jemand hoch und trug mich fort.
Laut schrie ich auf und wehrte mich so gut ich konnte. Aber John war zu stark. Als wir außerhalb der Gefahrenzone waren, ließ er mich runter und drehte mich um. Seine Hände legten sich wie Schraubzwingen um meine Arme und fixierten mich auf der Stelle. Nervös blickte ich zu Lucas. Sein Blick war wieder hart geworden und ich wusste, dass er Chris sofort umbringen würde, wenn er den Befehl dazu erhielt.
„So Prinzessin, weil du dich so rührend um deinen kleinen Freund hier sorgst, werde ich ihm eine Chance geben.", beschloss Darian und grinste hinterhältig. Egal was er nun vorschlug, es würde Chris das Leben kosten.
Ich schloss die Augen und atmete tief ein.
„Er wird um sein Leben kämpfen dürfen. Bis er mich anfleht, dass ich es beenden soll." Seine Stimme war mir plötzlich ganz nah. Ich öffnete meine Augen wieder und blickte geradewegs in seine.
„Ich finde, das ist ausgesprochen großzügig und gütig von mir.", flüsterte er und strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr. Seine sanfte Berührung erweckte etwas in mir. Aber ich schluckte dieses etwas schnell wieder hinunter.
„Ich finde du bist ein elender Bastard, der sich am Leid anderer ergötzt.", zischte ich leise.
Er lachte lautlos. „Denk immer dran, dass dies alleine um deinetwillen geschieht."
Dann drehte er sich ruckartig um und marschierte wieder auf die Lichtung.
Er sah Chris an und sagte: „Die Prinzessin gewährt dir dies. Als letzten Wunsch."
Chris bekam von Lucas dessen Schwert gereicht und spuckte auf den Boden.
„Eine Prinzessin die in ihr Schicksal gezwungen wird ist keine.", sagte er tapfer. Aber man sah, dass er Angst hatte.
Darians Grinsen rutschte ihm aus dem Gesicht und er stieß ein bedrohliches Knurren aus.
„Sie sollte frei sein. Nicht in eine Welt gezogen werden, die nicht die ihre ist." Seine Worte berührten mich und eine Träne lief mir über das Gesicht.
Er kannte mich kaum und ergriff trotzdem Partei für mich. Obwohl er wusste, dass es sein Todesurteil war.
Eine üble Ahnung beschlich mich, als ich Darians Blick sah und ich wandte mich schnell ab.
Keine Sekunde später hörte ich ein widerliches Geräusch und wusste ohne hinzusehen, dass Chris tot war. Wegen mir. Weil ich war, wer ich war.
Weil er mich schützten wollte.
Ich hörte Schritte und kurz darauf umklammerte Darian mein Kinn und zog mich zu sich.
„Sieh mich an!", befahl er. Ich schloss die Augen und versuchte ihm zu entkommen.
„Ich habe gesagt du sollst mich ansehen!", zischte er gefährlich leise und schlug mir, nachdem ich immer noch nicht reagierte, mit dem Handrücken ins Gesicht. John hatte mich losgelassen, so dass ich auf den Boden geschleudert wurde.
Mit Tränen in den Augen fasste ich mir auf die geschundene Stelle. Aber mehr Zeit zum Erholen blieb mir nicht. Denn Darian vergrub seine Hand in meinen Haaren und schleifte mich zu der Leiche.
„Geh weg! Lass mich los!", brüllte ich und versucht irgendwie ihm zu entkommen. Aber er dachte offensichtlich nicht einmal daran.
Jetzt wurde es ihm wohl zu anstrengend mich über den Boden zu schleifen, denn er schob seine Hand in meinen Nacken und drückte zu. Es tat weh. Verdammt weh. Ich biss mir auf die Lippe um nicht vor Schmerz aufzuschreien.
Diese Genugtuung wollte ich ihm nicht geben. Auf keinen Fall. Aber es brachte mich an meine Grenze der Erträglichkeit.
Plötzlich schubste er mich und ich fiel.
Etwas Nasses war unter meinen Händen. Ich sah hinter auf den Boden. Er war rot! Meine Hände ebenfalls. Überall war Blut! Es war schrecklich rot. Und kalt.
Ich schrie! Versuchte wegzukriechen. Doch Darian stieß mich weiter hinab. Das einzige Geräusch was zu hören war, war mein ersticktes Keuchen.
„Siehst du das?", fragte er mich. „Er musste sterben! Wegen dir!"
„Es ist doch nicht meine Schuld, wenn er sich für mich einsetzt!", entgegnete ich mit brüchiger Stimme. Mir wurde schlecht.
Offensichtlich hatte ich die falsche Antwort gegeben, denn Darian drückte mich noch weiter hinab.
Meine Hände lagen auf einem toten Brustkorb und glasige Augen blickten mir entgegen. Dieser eine Moment würde sich für immer in meine Erinnerungen einbrennen. Tränen suchten sich unaufhaltsam ihren Weg über mein Gesicht.
„Sieh genau hin!", wisperte er an meinem Ohr. „Er ist für dich gestorben. Weil er an eine Freiheit geglaubt hat. Eine Freiheit die du seinem Volk vielleicht hättest geben können. Aber wir sind nicht dazu erschaffen um frei zu sein. Wir sind erschaffen worden um zu herrschen und zu beherrschen. Freiheit gibt es für uns nicht. Lediglich der Tod ist eine rosige Aussicht für uns aus diesem Albtraum. Ich habe Chris also praktisch noch einen Gefallen getan, in dem ich ihn so getötet habe. Merk dir eins Prinzessin, das hier ist meine Welt. Du stehst hier in der Nahrungskette ganz unten. Ganz weit unten." Und mit diesen Worten ließ er mich los und ich kroch langsam von dem Toten.
Benebelt stand ich auf.
Die Welt um mich herum drehte sich und ich schwankte. An meinen Händen klebte Blut. An meiner Kleidung. An meinem Hals. Überall. Sogar an meiner Seele.
Chris hätte Leben können, wenn ich nicht weggelaufen wäre. Wäre ich nicht weggelaufen, hätten wir uns niemals getroffen. Hätte ich ihn und die Jungs nicht getroffen, hätte Chris mir niemals die Informationen geben können, die ich jetzt hatte und wenn ich daraufhin nicht gesagt hätte, mit wem ich hier war, wäre Chris niemals in Panik geraten.
Ich hätte es verhindern können. Doch als ich weggelaufen war, hatte ich nur in meinem eigenen Egoismus gehandelt. Es war also wirklich meine Schuld.
Mein Blick wanderte an mir hinab. Alles war blutdurchtränkt.
Galle schoss meinen Hals hinauf. Ich drehte mich um und rannte ins Gebüsch.
Dort blieb ich solange, bis ich nur noch trocken würgte. Es wollte einfach nicht in meinen Kopf, dass das Blut auf meinem Körper nicht mein eigenes war.
„Hier.", hörte ich eine Stimme neben mir. Lucas hielt mir einen Wasserschlauch hin und blickte mir mitleidig entgegen. Mit zitternden Händen griff ich danach, führte ihn mir langsam an den Mund und spülte ihn aus. Der schale Geschmack blieb allerdings.
„Danke.", flüsterte ich und wischte mir über den Mund.
„Ist schon gut.", winkte er ab und half mir beim Aufstehen.
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Teufelsherz
FantastikDies ist die Legende über eine verschwundene Prinzessin und eine längst vergessene Welt. Eine Welt, die unter der unseren existiert. Eine Welt in der Blut Macht bedeutet. Elizabell hat alles was sich eine junge Frau wünschen kann: Einen Fre...
