Da saß ich nun also alleine auf meinem Thron und überlegte, was ich mit der freien Zeit anfangen sollte.
Nachdem meine Nacht mit einem lautstarken Wortgefecht geendet war und mein Tag ursprünglich im Minutentakt durchgeplant war, hatte ich nun plötzlich frei.
Langsam raffte ich mich auf und ließ mich einfach von meinen Füßen leiten. Ohne wirkliches Ziel tapste ich also durch das Schloss. Immer dicht gefolgt von meinen beiden Beschützern.
Insgeheim hoffte ich, dass hinter jeden neuen Ecke Darian stand und auf mich wartete. Oder John. Oder Lucas. Sogar Adam wäre eine angenehmere Gesellschaft als diese beiden.
Irgendwann führte mich ein kleiner Flur an eine schmale Tür und ich konnte die kraftvollen Sonnenstrahlen durch das dünne Holz spüren.
Als ich kurz darauf im Freien stand, hatte ich allmählich das Gefühl, wieder ein normaler Mensch zu sein. Keine Könige, keine Heirat, kein Druck - nichts.
Nur ich und der klare blaue Himmel.
Es war ein schöner Tag. Die Sonne stand weit über meinem Kopf und es war angenehm warm.
Tief atmete ich die klare Luft ein und genoss den leichten Wind, der vom Meer rüberzog.
Der Schlossgarten war wunderschön. Überall waren Beete angelegt, in denen wunderschöne Blumen verschiedenster Sorten blühten und wuchsen. Es wirkte ordentlich und auf seine eigene Art trotzdem wild und unbezwungen.
Schmale Kieswege führten labyrinthartig durch die verschiedenen Bereiche.
Irgendwo auf meiner linken Seite erkannte ich eine große dichte Hecke, hinter welcher die Dächer der Stallungen gerade so erkennbar waren. In der anderen Richtung befand sich die Schlossmauer und irgendwo gerade voraus mündete der grüne Rasen in einen feinen Kiesstrand. Es war wunderschön. So voller Leben.
Gelegentlich war eine Bank oder ein kleiner Sessel in den Park gestellt worden, so dass man auch die Möglichkeit hatte, sich auszuruhen oder innezuhalten und die Schönheit der Natur zu genießen.
Vorsichtig zog ich mir die Schuhe aus und genoss das Gefühl, des kühlen Rasens unter meinen Füßen.
Langsam begann ich den Wegen zu folgen und versuchte mir jede Blüte einzuprägen. So bunt so voller Leben.
Einige Zeit später, erreichte ich den Kiesstrand und freute mich wie ein Kleinkind, als ich mit kleinen Schritten durch das Wasser waten konnte.
Das Wasser war kalt und klar. Den langen Rock hatte ich zu einem großen Klumpen geballt und hielt mit einer Hand fest, während ich inzwischen bis zu den Waden im Wasser stand.
Meine Schuhe hatte ich in den Kies geworfen und sie keines Blickes mehr gewürdigt.
Meine beiden Aufpasser standen ein gutes Stück hinter mir im Schatten des Schlosses und beobachteten jede meiner Bewegungen ganz genau. Am liebsten hätte ich den doofen Rock schon ausgezogen und wäre hüpfend durch das Wasser gesprungen.
Aber ich war eine Prinzessin und musste zumindest den Anschein dessen wahren, dass mir das nicht komplett egal war.
In meinem Kopf notierte ich mir, dass ich unbedingt mit Darian hier her musste. Er würde diesen Ort lieben!
"Da hat wohl jemand das Gefühl von Freiheit geschnuppert.", ertönte eine unbekannte Stimme hinter mir.
Augenblicklich fuhr ich herum und hielt inne.
Ich kannte ihn.
Woher kannte ich ihn.
Ein großer junger Mann stand mir gegenüber. Die Hose bis zu den Knien hochgekrempelt. Die Schuhe baumelten an seiner Seite. Ein weißes weites Hemd, dass ein wenig zu weit aufgeknöpft war, betonte seine hellbraunen Augen sehr gut. Fast ein wenig zu gut. Der Wind hatte seine schokoladen-farbenen Haare zerzaust und sein strahlend weißes Lächeln hätte auch aus einer Zahnarzt-Werbung sein können.
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Teufelsherz
FantasiaDies ist die Legende über eine verschwundene Prinzessin und eine längst vergessene Welt. Eine Welt, die unter der unseren existiert. Eine Welt in der Blut Macht bedeutet. Elizabell hat alles was sich eine junge Frau wünschen kann: Einen Fre...
