„Du miese Schlampe!" Davids Stimme klang mehr als wütend und keine Sekunde später, wurde mein Kopf an den Haaren zurückgerissen.
Schmerzgepeinigt schrie ich auf und versuchte mich irgendwie auf den Füßen zu halten, während David mich schüttelte und schubste.
„Lass sie los!" Ich musste nicht erst hinzusehen, um zu wissen, dass Darian gerade dabei war durchzudrehen. „NIMM DEINE FINGER VON IHR!!!"
Doch David dachte gar nicht daran. Stattdessen holte er aus und schlug mir mit dem Handrücken ins Gesicht.
Mein Kopf flog zur Seite und der Rest meines Körpers folgte. Schmerzhaft schlugen meine Knie auf dem harten Waldboden auf.
Mit den Händen versuchte ich meinen Sturz abzufangen, aber all das passierte zu schnell.
„ICH BRING DICH UM!! DU BIST TOT, HÖRST DU! DU BIST TOT!!", drang Darian zu mir durch. Aber es war, als stände ich am Ende eines langen Tunnels und er würde mir von draußen etwas zurufen.
Keuchend lag ich auf dem rauen Grund und versuchte zu realisieren, was gerade geschehen war.
Meine Wange pochte heiß. Die Welt drehte sich und versank in einem nebligen Schleier.
Regungslos beobachtete ich, wie David sich umdrehte, sich durch die Haare fuhr und Darian provozierend anlächelte.
„Halt die Klappe!", befahl David drohend. „Ich bin gerade beschäftigt. Das siehst du doch, nicht wahr?"
„Fass sie noch einmal an und..." In Darians Blick lag so viel Wut. So unglaublich viel Wut. Und das alles nur wegen mir?
„Und was?", unterbrach David ihn und lachte. „Was willst du sonst tun? Mich umbringen? Mich leiden lassen? Ich habe keine Angst vor dir."
„Vor mir vielleicht nicht, aber was ist mit ihrem Vater? Oder den Wölfen?", versuchte Darian die Aufmerksamkeit umzulenken. Er wollte mir Zeit verschaffen. Damit ich wieder auf die Füße kommen konnte. Aber ich schaffte es einfach nicht.
So sehr ich auch kämpfte. Alles schwankte und ich versuchte die schwarzen Ränder an meinem Blickfeld zu verbannen.
David grunzte. „Ihr Vater? Der ist nichts weiter als ein alter verweichlichter Mann, der versucht einen Fehler zu korrigieren, unter dem er sein halbes Leben gelitten hat. Und die Wölfe? Glaubst du wirklich an die Magie in ihren Zeichnungen? Ich hatte dich für intelligenter gehalten, Darian. Wirklich. Du enttäuscht mich. Die Tattoos auf ihren Armen sind zwar nicht unbedingt schön, aber das senkt ihren Wert nicht. Ganz im Gegenteil. Liz ist das wertvollste, das diese verkorkste Welt momentan zu bieten hat. Und jetzt ist sie mein."
Eine Hand zog mich hoch und ich wurde fest an eine Brust gedrückt. Doch es war nicht Darians. Natürlich nicht.
Schmerzhaft wurde mir der Hals zurückgebogen und meine Kehle entblößt.
Ich brauchte einen Augenblick um zu begreifen, was für ein Gedanke hinter dieser Bewegung steckte. Doch als mir schließlich bewusst wurde, dass meine Hauptschlagader gerade gut sichtbar für einen Haufen wilder Vampire war, begann ich um mich zu schlagen.
Erreichen tat ich damit jedoch nicht viel. Davids Hände lagen wie Schraubzwingen um mich.
„An deiner Stelle wäre ich ganz artig, wir wollen ja nicht, dass jemand hier leiden muss." Seine Lippen berührten mein Ohr, als er sprach.
Noch bevor ich die Bedeutung seiner Worte begreifen konnte, knallte es einmal laut und Darian schrie laut.
Mit zusammengebissenen Zähnen und geschlossenen Augen hing er in seinen Ketten und atmete tief ein und aus.
An seinen Seiten lief eine rote Flüssigkeit zu Boden.
„Nochmal!", befahl David und ich sah die silberne Peitsche auf Darians Rücken zugeflogen kommen. Sie surrte laut in der Luft.
Als sie dieses Mal auf Darian traf, war ich die Person die laut schrie.
„Hör auf!" Ich versuchte mich loszureißen und zu ihm zu laufen. „Hör auf! Bitte!" Flehend blickte ich zu David und versuchte die Tränen zurückzuhalten. Erfolglos.
Grinsend blickte er zu mir hinab. „Ich muss schon zugeben, dass ich ein wenig eifersüchtig auf deine Gefühle für ihn bin. So wie ihn, hast du mich niemals geliebt."
Er warf einen Blick zu dem Soldaten, der die Peitsche in der Hand hielt und nickte kurz.
„NEIN!!", brüllte ich und musste mit ansehen, wie Darian unter dem nächsten Hieb erzitterte. „David! Ich flehe dich an. Lass ihn in Ruhe. Ich tu alles. Nur bitte: Hör auf ihm weh zu tun!" Meine Stimme war nicht mehr als ein Wimmern.
„Bell!", keuchte Darian im Hintergrund. „Nein. Tu das nicht."
Die Art wie er meinen Namen sagte, brach mein Herz. Es lag so viel Schmerz darin und unwillkürlich wurden meine Tränen mehr.
Davids selbstgefälliges Grinsen wurde breiter. „Schade, dass du so früh einknickst. Das nächste Mal, hätte ich die Hiebe persönlich ausgeführt."
Mit großen Augen sah ich ihn an. „Ich tu alles."
Etwas Undefinierbares blitze kurz in seinen Augen auf. „Ich weiß."
Erleichtert atmete ich auf, als er mich von sich stieß.
„Du hast Glück Darian. Ihr Herz gehört dir schon.", rief David in Darians Richtung und keiner auf der Lichtung konnte die Bitterkeit in seinem Tonfall überhören.
„Du hast zwei Minuten.", sagte er leiser zu mir und nickte nach hinten.
Sofort stürmte ich los und sank vor Darian auf die Knie. „Es tut mir leid. Bitte sei mir nicht böse. Ich weiß, dass du meine Entscheidung nicht nachvollziehen kannst, immerhin steht es sozusagen eine Welt gegen ein Leben. Aber ich... Die Schläge... Der Schmerz... Es ist mir egal, welchen Preis ich zahlen muss, aber ich will nie wieder sehen, dass jemand dir so etwas antut." Langsam rappelte ich mich auf und fuhr mit meinen Händen durch sein verschwitztes dunkles Haar.
„Bell." Sanft sprach er meinen Namen und ich schluchzte. „Sieh mich an."
Tränenunterlaufen ließ ich von seinen Haaren ab, legte meine Hände auf seine Brust und sah ihn einfach nur stumm an.
„Danke.", hauchte er einfach.
Die Erleichterung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Und mir die Überraschung. Ich hatte damit gerechnet, dass er mit mir schimpfen würde. Er würde mich sagen, dass sein eigenes Leben viel weniger wert war als meins. Immerhin müsste ich heil bei meinem Vater ankommen.
Aber stattdessen bedankte er sich einfach nur.
Und dafür liebte ich ihn unglaublich.
„Ich will nicht gehen.", wisperte er und kam mir so nah es ihm möglich war. „Ich will nicht sterben. Nicht jetzt. Vorher war es mir egal. Für meinen König wäre ich sofort in den Tod gesprungen. Aber dann kamst du und mit einem Mal war es anders."
Die Tränen, die mir übers Gesicht liefen, wurden immer mehr.
„Wir schaffen das. Es dauert nicht mehr lange.", flüsterte er in mein Ohr und ich versuchte ihm zu glauben.
Ich versuchte, dieselbe Hoffnung zu haben wie er.
Ich versuchte, zu glauben, dass dieser Albtraum bald ein Ende nahm.
Ich versuchte, zu hoffen, dass man uns rettete.
Aber es war unglaublich schwer.
Die Situation – das alles hier – sah aussichtlos aus. Wer würde uns schon retten kommen? Niemand wusste wo wir überhaupt waren!
Oder ob wir überhaupt noch lebten.
Ich wünschte mir so sehr, dass ich denselben Hoffnungsfunken in meinen Augen tragen konnte, wie Darian gerade. Aber irgendwie klappte es nicht.
Irgendetwas sagte mir, dass wir hier nicht einfach so gerettet werden würden.
„So genug der Zweisamkeit." David schob sich zwischen uns und konnte sich ein doofes Grinsen nicht verkneifen, als er meine verweinten roten Augen sah. „Die gute Liz hat mir nämlich ein paar Wünsche zu erfüllen. Fast schon erschreckend, wie schnell sie kapituliert, wenn man dich als Druckmittel benutzt." Gespielt traurig verzog er das Gesicht, dann schnappte er sich mein Handgelenk und zog mich hinter sich her.
Weg von der Lichtung.
Weg von dem Vampir mit der langen silbernen Peitsche.
Weg von dem blutgetränkten Boden.
Weg von Darian.
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Teufelsherz
FantasiDies ist die Legende über eine verschwundene Prinzessin und eine längst vergessene Welt. Eine Welt, die unter der unseren existiert. Eine Welt in der Blut Macht bedeutet. Elizabell hat alles was sich eine junge Frau wünschen kann: Einen Fre...
