Eine neue Mission

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"Ich muss gehen.", entschied ich, watschelte aus dem seichten Wasser, schnappte mir meine Schuhe und ging in Richtung meiner beiden Leibwächter. 

Das war zu viel für mich. Was glaubte er denn, wer er war? 

Ich ließ meinen Rock wieder fallen und ignorierte dabei, dass der teure Stoff sich klebrig um meine nassen Beine wickelte. 

Ich wollte einfach nur noch weg von ihm. Irgendwohin wo er nicht war. In seiner Gegenwart und mit seinem Geständnis konnte ich nicht atmen. 

Da war irgendetwas an ihm, dass mich erreichte. War es Angst? Ehrfurcht? Anziehung? Nein! Auf keinen Fall! 

Darian! Ich brauche dich! JETZT! 

"Liz, warte!", rief Nathaniel oder Nathan oder Prinz oder Verlobter oder wie auch immer er sich nennen wollte, hinter mir. 

Aber ich hielt nicht an, nein! Stattdessen beschleunigte ich meine Schritte und rannte beinahe in die Richtung der kleinen Tür, die mich wieder ins Schloss führen würde. 

"Vergiss es!", lachte ich bitter und blickte nicht zurück. Ich war mir sicher, dass er mir folgte und ich war mir auch bewusst, dass er mich im Handumdrehen, einholen konnte, wenn er es wollte. Er war eine ganz neue Art Gefahr in dieser Welt und nichts hätte mich darauf vorbereiten können. 

Ziemlich außer Atem kam ich im schützenden Schatten meines Schlosses an. Für die Schönheit der Natur um mich herum, hatte ich nun keinen einzigen Blick mehr übrig. 

"Ich möchte in mein Zimmer!", befahl ich meinen Leibwächtern keuchend. 

Die beiden blickten sich nur unsicher an. 

"JETZT!", brüllte ich beinahe. Gott, waren die schwer von Begriff. Sie sollten doch auf mich aufpassen. Für mich war Nathaniel eine Gefahr, warum reagierten sie denn nicht? "Oder ich sorge dafür, dass ihr nie wieder ein Schloss meines Vaters von innen seht"

Meine Drohung schien endlich zu wirken, denn sie nickten und machten den Weg ins Innere frei. 

Normalerweise hätte ich niemals damit gedroht, jemanden zu feuern oder hätte meinen Titel benutzt um meinen Willen durchzusetzen, aber das hier war eine absolute Ausnahme Situation. 

In dem Moment, in dem ich die Schwelle übertrat und mich barfuß auf den Weg zu meinen Gemächern machte, rief Nathaniel hinter mir nur lachend: 

"Du wirst nicht ewig vor mir weglaufen können, meine Prinzessin! Wir werden schließlich bald verheiratet sein." 

Völlig gehetzt und gestresst rannte ich durch die Flure, erklomm unzählig viele Stufen und atmete erst auf, als ich meine Zimmertür in rettender Entfernung erkannte. 

Gerade als ich meine Tür aufreißen wollte, wurde sie von innen geöffnet und ich fiel praktisch in meine heiligen vier Wände. 

"Elizabell! Alles in Ordnung?", fragte mich Adam. 

"Adam!", rief ich erleichtert und klammerte mich an ihn. "Ich bin so froh dich zu sehen!"

Etwas steif erwiderte er meine Umarmung, während ich an ihm vorbei in mein Zimmer blickte, in der Hoffnung Darian ebenfalls zu erblicken. Aber er war nicht da. 

Enttäuschung kletterte meinen Hals hinauf und ich musste mich mehrfach ermahnen, dass man es mir nicht zu sehr ansah. 

"Liz, geht es dir gut? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.", wiederholte er und hielt mich eine Armlänge entfernt um mich ernst zu mustern. 

Ich keuchte und schluckte. "Kommt ungefähr auf dasselbe raus."

"Soll ich nach Kat rufen lassen? Brauchst du sie? Oder eine Heilerin? Ich glaube am königlichen Hof arbeiten auch Magier, sollte sich ein Geist bei dir eingenistet haben.", zählte er alle Möglichkeiten auf. 

"Nein, nicht nöti... Warte - die Geister-Sache war ernst gemeint? Es gibt hier Geister?" Mein Kopf fühlte sich an, als würde er platzen.

"Nun... Ja. Aber das ist ein anderes Thema. Was ist passiert?", fragte er und machte eine beruhigende Handbewegung, als würde er versuchen ein verschrecktes Reh einzufangen. 

"Ich hab Nathaniel kennengelernt.", spuckte ich aus und begann in meinem Zimmer Kreise zu laufen. "Wusstest du dass er mich in meiner Welt gestalkt hat? Weiß Darian davon? War das Teil des Auftrages, bevor ihr mich geholt habt? Er hat sich in meiner Schule eingeschrieben! Er hat mich beobachtet! In meinem Haus! Er war da! Die ganze Zeit! Und was machst du überhaupt hier? Hat Darian dich geschickt? Wo ist er? Wir haben uns gestritten und jetzt hab ich ihn nicht mehr gesehen! Ich mache mir Sorgen. Weißt du wo er ist? Ich muss mit ihm reden! Ich glaube ich drehe hier gleich durch!"

"Stop! Warte!", unterbrach Adam meinen Redeschwall "Er hat was?"

Behutsam schnappte er meinen Arm und bugsierte mich auf meine Bettkante. Dann befahl er mir, dass ich mich erstmal beruhigen sollte und brachte mir ein Glas Wasser. 

"Jetzt nochmal langsam.", forderte er mich dann auf. "Er hat dich verfolgt? In deiner Welt?" 

Ich nickte übertrieben. "Ja, er wusste sogar dass ich den C10 meiner Mutter gefahren bin."

"Okay, also mit uns hat das nichts zu tun. Wie auch, wir hatten zu diesem Zeitpunkt nichts mit ihm und König Maxim zu tun. Wir unterstehen deinem Vater. Nicht ihm. Ich verspreche dir, dass wir das nicht wussten.", schwor er und ging vor mir in die Hocke. 

Ich glaubte ihm. Adam hatte viele Eigenschaften, mit denen ich nichts anfangen konnte, aber er war immer ehrlich zu mir gewesen. 

"Und ich bin hier, weil ich nach dir sehen wollte. Wir machen uns Sorgen, weißt du?" Sein Blick wurde weicher und ich begann allmählich mich zu beruhigen. "Immerhin bist du ja irgendwie eine von uns."

"Ich bin okay.", versicherte ich schnell. "Ich muss mit Darian reden. Weißt du wo er ist?"

Adam schwieg. 

Sofort war meine Panik wieder da. "Adam, wo ist Darian?", fragte ich forscher. 

"Er ist weg.", sagte er und mir wurde schwarz vor Augen. 

Viel zu zickig fiel ich ihm ins Wort. "Er ist weg? Wie, er ist weg? Er kann doch nicht einfach gehen. Er hat mir nichts gesagt. Ich schaff das nicht ohne ihn. Ich brauche ihn hier."

"Lass mich ausreden!", befahl Adam streng und nahm meine Hände fest in seine. 

Ich nickte nur und merkte, wie Tränen mir in die Augen stiegen. 

"Er musste gehen. Es war nicht seine Entscheidung. Er hat heute morgen einen neuen Auftrag erhalten und musste sofort los. Der König war persönlich bei ihm, da hat man nicht viel Verhandlungsspielraum.", erklärte Adam mir ruhig. 

"Er weiß es oder? Und deswegen hat er ihn weggeschickt.", mutmaßte ich und merkte, dass ich langsam aber sicher in eine Panikattacke abrutschte. 

Mein Körper bebte und würde ich nicht bereits sitzen, hätten meine Beine spätestens jetzt nachgegeben. 

"Ich glaube nicht, dass dein Vater, das tatsächliche Ausmaß eurer Beziehung kennt, aber ich denke er ahnt etwas ja und aus seiner Sicht, war es ein kluger Schachzug, Darian genau jetzt mit Eintreffen von Prinz Nathaniel wegzuschicken. So hast du keine Ablenkung." Wie konnte Adam so ruhig bleiben? Meine ganze Welt geriet aus den Fugen und er saß hier und schien die Ruhe selbst zu sein. 

"Adam...", meine Stimme brach. "Ich brauche Darian. Ich kann nicht... ohne ihn bin ich..."

"Ich weiß Liz." Mitleidig sah er mich an, dann richtete er sich auf und nahm mich in den Arm. "Er kommt wieder - versprochen. Es ist Darian. Und solange er weg ist, passen die Jungs und ich auf dich auf. Wie früher."

"Weißt du wann er wiederkommt?", schniefte ich. 

"Ich würde dir gerne sagen, was du hören willst, aber ich habe selber keine Ahnung. Ich weiß nicht mal, was sein Auftrag ist. Aber er schafft das! Er würde dich nie alleine lassen, wenn er eine Wahl hätte."

"Ich werde meinen Vater umbringen!", schwor ich unter Tränen "Wenn Darian etwas zustößt, ist er die längste Zeit seines Lebens König gewesen."

Adam lachte leise. "Sag das nur nicht zu laut. Das ist Hochverrat und darauf steht die Todesstrafe - auch wenn ich nicht glaube, dass dies auch für dich gilt."


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