"Motiviert bin ich nicht.", stellte ich klar und ließ zu, dass Kat ein letztes Mal über meinen Rock strich.
"Das verstehe ich, aber was für Alternativen hast du?", fragte Kat und musterte mich kritisch.
Es durfte kein Haar falsch liegen, kein Fussel auf meinem Gewand kleben, kein Staubkorn mein Äußeres schmälern. Alles musste perfekt sein und das hasste ich!
Ich war viel, aber von Perfekt war ich Kilometerweit entfernt.
Meine Locken waren trocken und standen normalerweise in alle Richtungen ab. Tiefe Augenringe waren mein Markenzeichen und erzählten davon, dass ich normalerweise nächtelang wach lag und las. Früher zumindest. Heute erzählten die dunklen Schatten unter meinen Augen, dass meine Gedanken mich regelmäßig um den Schlaf brachten.
Meine Lippen waren kratzig und es half nicht, dass ich bei jeder ungeplanten Herausforderung bis zum Bluten darauf kaute.
Ich machte den Mund auf und sagte was mir durch den Kopf kam, bevor ich Gelegenheit hatte, darüber nachzudenken, was ich da überhaupt von mir gab.
Also nein, ich war vieles, aber perfekt gehörte definitiv nicht zu meinen Top-Eigenschaften.
"Durchs nächste Fenster springen, mich in meinem Zimmer einsperren, von meinem Balkon klettern und zurück in meine Welt flüchten, mir mit Alkohol Mut antrinken... Ich bin kreativ, ich find schon eine Alternative.", scherzte ich matt und zuckte nur mit den Schultern.
Kats tadelnder Blick wischte mein Grinsen aber sofort wieder aus meinem Gesicht.
"Okay, okay okay!", kapitulierte ich. "War ja nur ein Scherz."
"Kein Guter Prinzessin." Sie schüttelte den Kopf. "Überhaupt kein guter."
Am liebsten hätte ich ihr eine garstige Erwiderung entgegengeschleudert, aber sie konnte ja auch nichts dafür, dass ich mich dieser Situation stellen musste.
Es war ihr Job dafür zu sorgen, dass ich nett aussah und es mir an nichts fehlte. Auch wenn sie inzwischen viel mehr für mich war, als nur eine Angestellte. Sie war zu einer Freundin geworden und ich sollte zumindest versuchen, sie nicht auch noch mit meiner Art zu vertreiben. Jeder Freund war aktuell gut für mich und so viele hatte ich davon auch nicht mehr.
Unwillkürlich wanderten meine Gedanken zu Darian. Wo er wohl gerade war? Ob er an mich dachte? Tat es ihm leid, was er alles gesagt hatte?
Ein Klopfen an meiner Zimmertür ließ Kat und mich aufhorchen.
"Prinzessin es wird Zeit. Man erwartet euch.", tönte eine Stimme gedämpft durch das Holz.
Ich warf einen Blick in den Spiegel. Der schwarze Samtrock ging mir bis zu den Knöcheln und floss in unzählig vielen Wellen von meiner Taille hinunter.
Goldene Samtfäden durchzogen den Stoff und gaben ihm eine bemerkenswerte Tiefe.
Das Korsett-Top, welches ich dazu kombiniert hatte, vollende meine Erscheinung mehr als perfekt. Schwarzer Samt schmiegte sich um meine Brust und der tiefe Ausschnitt wäre beinahe gefährlich, würde das alles nicht durch zwei dünne Träger gehalten.
Kat hatte mal wieder ihr Bestes gegeben und meine Haare zu einem strengen Dutt gebunden, nur zwei kleine Strähnen umrahmten mein Gesicht und verrieten, wie meine Naturhaare sonst aussahen.
Auf meinem Kopf thronte eine wunderschöne Krone. Sie war aus feinem Silber gefertigt und glich eher einer Tiara, als einer wirklichen Krone. Es sah aus als würden unzählig viele silberne Fäden aneinander gekettet worden und gelegentlich teilte ein roter kleiner Rubin das dünne Material.
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Teufelsherz
FantasyDies ist die Legende über eine verschwundene Prinzessin und eine längst vergessene Welt. Eine Welt, die unter der unseren existiert. Eine Welt in der Blut Macht bedeutet. Elizabell hat alles was sich eine junge Frau wünschen kann: Einen Fre...
