"Darian!", keuchte ich, als ich seine markanten Gesichtszüge erkannte. "Du bist wieder da."
Es kostete mich ungeheuer viel Kraft nicht alles um mich herum zu vergessen und zu ihm zu stürmen. So viele Tage hatte ich ohne ihn auskommen müssen und nun stand er hier. Im Rahmen meiner Balkontür, als hätte ich nicht vor wenigen Minuten noch dort gestanden und gebetet, dass er zu mir zurückkam.
"Nathaniel, darf ich vorstellen?", wandte ich mich an den zweiten Mann im Raum. "Das ist Darian."
Nathaniels Gesichtszüge verdunkelten sich, ehe er nur sagte: "Man kniet vor seinem zukünftigen König."
Darian zischte nur und trat einige Schritte näher ins Licht und auf einmal sah ich die klaffende Wunde an seiner linken Schulter.
"Ich knie nur vor meiner Königin und auch nur, wenn sie es verlangt.", spukte er aus.
"Ich bin ihr Verlobter und somit dein zukünftiger Boss.", bellte Nathaniel und baute sich vor Darian auf.
"Ein Scheiß bist du.", fluchte Darian und erwiderte Nathaniels Blick mindestens genauso wütend.
Die Luft in meinem Schlafzimmer stand in Flammen und die Anspannung war beinahe mit den Händen zu greifen.
"Es reicht.", fuhr ich dazwischen und stellte mich zwischen Darian, der aussah, als würde er jeden Moment zusammenbrechen und Nathaniel, der Darian den Kopf abreißen würde, sobald er auch nur die Chance dazu bekommen würde.
"Nathaniel du solltest jetzt gehen. Wir reden morgen.", befahl ich mit fester Stimme und versuchte ihn mit beiden Händen in Richtung meiner Tür zu schieben.
"Und dich mit diesem dreckigen Hund alleine lassen?", keifte er und wandte den Blick nicht von Darian ab. Schwarz loderte der Hass in seinen Augen.
"Dieser dreckige Hund wird dir gleich zeigen, was passiert wenn man ihn provoziert.", knurrte Darian und ging einige Schritte auf uns zu.
"Ach ja?" Nathaniel wollte sich an mir vorbeidrücken, aber ich versperrte ihm den Weg. "Ich freu mich schon drauf, dir den Kopf vom Hals zu reißen."
Darian lachte nur. "Du willst mich umbringen? Deine Hände können doch gar nichts anderes, als deine Huren zu beglücken und das auch nur weil sie Angst vor dir haben."
"Stop!", schrie ich und atmete schwer. "Ich habe genug von euren Testosteron-gesteuerten Egos!"
Beide verharrten in ihren Positionen, konnten allerdings nicht aufhören sich gegenseitig hasserfüllt anzustarren. Im Stillen war ich dankbar, dass keiner dieser Blicke mir galt.
"Nathaniel.", zog ich seine Aufmerksamkeit auf mich. "Bitte geh jetzt. Wir reden morgen und ich verspreche dir, dass ich mir Zeit nehmen werde. Du kannst eine Verabredung planen und ich werde da sein."
Als er sich nicht bewegte, fügte ich hinzu "Versprochen!" Um meine Worte zu untermauern, drückte ich seine Hand.
"Ich nehme dich beim Wort." Er beugte sich zu mir herunter und küsste mich auf die Wange. Dann wandte er sich ab und verließ den Raum, ohne uns eines weiteren Blickes zu würdigen.
Während seine Schritte im Flur wiederhallten, schloss ich die Tür und holte tief Luft.
Gerade als ich mich umdrehen wollte, wurde ich herumgewirbelt und mit dem Rücken gegen den kalten Stein gepresst.
Ein Knurren drang aus Darians Kehle und keine Sekunde später, fanden seine Lippen meine. Ich schmeckte seine Verzweiflung, die Trauer und die Hilflosigkeit der letzten Tage.
Sein Kuss löste etwas unbeschreibliches in mir aus. Die vergangenen Tage waren egal. Er war hier. Bei mir. Er hatte mich nicht verlassen. Es fühlte sich an, als würde mein Herz endlich wieder heilen.
"Ich habe dich so vermisst.", stöhnte er atemlos und vergrub seine Hand in meinen Haaren.
Ich wünschte ich könnte ihm sagen, dass seine Abwesenheit mich beinahe umgebracht hatte, aber sein Kuss war so leidenschaftlich. So begehrend.
"Du bist verletzt.", versuchte ich ihn abzulenken, damit er nicht sah, wie mir Freudentränen in die Augen stiegen.
"Nicht der Rede wert.", winkte er ab und barg mein Gesicht zwischen seinen Händen. Sein Blick sog förmlich jede meiner Konturen ein. Als hätte er Angst, dass dies nicht real war. Als könnte ich mich jederzeit in Luft auflösen.
"Lass mich zumindest einen Blick darauf werfen.", bat ich ihn atemlos.
"Es geht mir gut." Er lächelte sein typisches leichtes Darian-Lächeln und ich fühlte mich, als würde der Boden sich unter meinen Füßen auftun und mich verschlucken. "Jetzt da ich wieder bei dir bin."
"Was ist passiert?" Ich verschränkte meine Hände hinter seinem Nacken und ertrank in dem Blau seiner Augen.
"Sagen wir mal so:", begann Darian und ich merkte ihm an, dass es ihm nicht ganz so gut ging, wie er es behauptete. Tiefe Schatten lagen unter seinen Augen. Seine Haare hatten ihren Glanz verloren. Seine Stimme war rau und kehlig, als hätte er tagelang kein einziges Wort gesagt, von der Wunde an seiner Schulter mal ganz abgesehen. "Mein Auftrag wäre besser verlaufen, hätte ich Verstärkung gehabt."
Die Tränen in meinen Augen wurden mit jedem seiner Worte mehr, bis ich sie schlussendlich nicht mehr wegblinzeln konnte und sie begannen mir über das Gesicht zu laufen.
"Es tut mir so leid.", flüsterte ich und zog wieder zu mir. Ich klammerte mich an ihn und wenn ich könnte, würde ich ihn nie wieder loslassen, denn jedes Mal wenn ich es tat, passierte einem von uns beiden etwas unschönes.
"Es ist nicht deine Schuld, Bell." Sanft drang seine Stimme an mein Ohr. "Es gab schon immer Leute, die mich loswerden wollten, allerdings habe ich das Gefühl, dass ich aktuell noch einen weiteren Namen auf diese Liste setzen kann."
Schuldbewusst erwiderte ich seinen Blick. "Er macht mir Angst."
"Das habe ich gesehen." Darians Stimme verriet sein Missfallen und als sein Blick durch den Spiegel auf die unzähligen Geschenke fiel, verschwand auch das letzte bisschen Licht aus seinen Augen.
Bevor ich jedoch etwas erwidern oder erklären konnte, zog er scharf die Luft ein und verzog das Gesicht.
"Setz dich!", kommandierte ich ihn auf mein Bett und half ihm dabei sein ehemals helles Hemd auszuziehen.
Als ich seinen nackten und von Dreck befleckten Oberkörper sah, schweiften meine Gedanken kurz ab, aber als ich den tiefen Schnitt an seiner Schulter sah, war jegliche Form der Begierde verschwunden.
"Wie lange ist das her?" Warum war die Wunde noch nicht verheilt? Ich wusste inzwischen, dass er nicht mehr als ein paar Stunden brauchte, um gebrochene Knochen oder Ähnliches zu heilen. Aber das hier sah aus, als wäre es erst vor wenigen Augenblicken entstanden.
"Einen halben Tag etwa." Tapfer biss er die Zähne zusammen, als ich die Wunde vorsichtig mit einem feuchten Tuch, welches ich aus meinem Badezimmer geholt hatte, reinigte.
"Einen halben Tag?", wiederholte ich. "Warum hast du dich nicht in Sicherheit gebracht, bis alles wieder zusammengewachsen ist?"
Die Antwort fand ich in seinem Blick, der mir tief in die Augen stach und abertausende von Schmetterlingen durch meinen Bauch sandte.
"Darian.", sanft sprach ich seinen Namen aus. "Bitte versprich mir, dass du, egal wie sehr du zu mir zurückkommen willst, dir die Zeit zum heilen nimmst. Ich brauche dich mehr denn je und weder dir noch mir ist geholfen, wenn du irgendwo zusammenbrichst."
"Bell." Da war es wieder: Dieses wohlige Gefühl, wenn er meinen Namen so aussprach. "Ich würde alles dafür geben, um dich nur für wenige Sekunden zu sehen. Ich würde durch das gesamte verfluchte Königreich laufen, wenn das heißen würde, dass ich dich in meinem Arm halten könnte. Ich würde mir das Herz rausschneiden, um deine Lippen auf meinen zu spüren. Ich würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um dein Lachen zu hören."
Eindringlich sah er mich an. "Du musst langsam mal verstehen, dass ich mein Leben für dich geben würde. Das hier..." Er deutete auf den Schnitt, den ich mit einem sauberen Stück Stoff verbunden hatte. "ist nichts. DU bist alles."
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Teufelsherz
FantasyDies ist die Legende über eine verschwundene Prinzessin und eine längst vergessene Welt. Eine Welt, die unter der unseren existiert. Eine Welt in der Blut Macht bedeutet. Elizabell hat alles was sich eine junge Frau wünschen kann: Einen Fre...
