Überraschung in der Dunkelheit

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"Runter von der Lichtung!", zischte Adam mich an und zog mich kurz darauf in den Schatten der Bäume.  "Wir sind noch immer auf der Flucht. David muss ja nicht gleich bemerken, dass sein kleiner Goldschatz nicht mehr da ist."
"Tschuldige.", flüsterte ich und ließ mich auf das feuchte Moos sinken. Nachdenklich ließ ich meinen Blick über die Umgebung schweifen. "Er wird leiden müssen, richtig?" Wenn David bemerkte, dass ich weg war, würde er seine Wut an Darian auslassen. Daran gab es keine Zweifel.
Vor meinem inneren Auge tauchte das Bild von ihm auf, wie er gefangen zwischen den Bäumen hing, während das Blut über seinen Körper lief und er mich aus seinen glanzlosen Augen anblickte.
Unwillkürlich wurde mir schlecht.
Adam nickte nur leicht.
"Wir müssen ihn retten, ich werde ihn hier nicht einfach so zurücklassen!", stellte ich klar und blitzte Adam böse an. Neben ihm nahm John Stellung und sah mitfühlend auf mich hinab.
"Liz es tut mir leid, aber wie bereits gesagt, musst du erstmal hier weg. Alles andere besprechen wir danach.", erklärte er und half mir hoch.
Resignierend ließ ich die Schultern hängen. "Okay. Aber bitte versprecht mir, dass ihr ihn da rausholt."
Die beiden tauschten einen schnellen Blick. "Wir würden ihn niemals zurücklassen.", versicherte Adam mir dann. "Dafür kennen wir uns zu lange."
John stimmte ihn zu. "Und ohne Darian, sind wir gar nichts."
"Das glaube ich sofort.", murmelte ich und ließ zu, dass der Hüne mich stützte, als wir uns in Bewegung setzten.
Immer und immer tiefer in den Wald.
Wie lange wir liefen konnte ich nicht sagen. Mein ganzer Körper schmerzte und mit jedem Schritt bohrte sich der Waldboden in meine nackten Füße.
John hatte inzwischen mehrfach angeboten mich zu tragen, aber ich lehnte jedes Mal ab. Der Schmerz half mir wach zu bleiben. Sonst wäre ich wahrscheinlich schon längst zusammengebrochen.
Die Dunkelheit lag auf uns während wir bergauf marschierten. Ich stellte fest, dass es mir egal war wohin wir liefen. Ebenso war ich mir sicher, dass die drei alles dafür tun würden, Darian zu befreien. Ich hatte wohl angefangen ihnen zu vertrauen. Und ich war mir sicher, dass ich es nicht bereuen würde.
Irgendwann - ein paar Stunden später - kroch mir auf einmal der Geruch von Feuer in die Nase und neben mir seufzte Adam entspannt. Es konnte also nicht mehr allzu weit bis zum Lager sein.
Tatsächlich tat sich ein paar Schritte weiter eine große Höhle auf, vor welcher ein Lagerfeuer brannte. Eine einzelne Person saß davor und wärmte sich die Hände.
John pfiff einmal leise durch die Zähne und der Schatten fuhr herum.
"Lucas!", rief ich, als ich ihn erkannte und keine Sekunde später fingen mich seine großen Arme auf. Ich schmiegte mich an seine warme Brust und atmete tief durch.
Er lachte leise und schob mich dann ein wenig von sich weg. "Du siehst schrecklich aus. Hast du Schmerzen? Natürlich hast du Schmerzen, dass sieht man dir an."
Ich gluckste. "Halb so schlimm, dafür siehst du um so besser aus." Und das meinte ich tatsächlich so. Das letzte Mal als ich ihn gesehen hatte, waren die Spuren des Schattenwolfes noch immer zu sehen. Jetzt jedoch, sah er aus wie neu.
"Danke!" Er grinste, dann ging er zu seinen Kameraden und die drei wechselten ein paar Worte, in der Sprache die ich nicht verstand.
Das Feuer zog mich magisch an und ich sehnte mich nach Wärme. Etwas zu essen wäre vielleicht auch nicht schlecht. Aber solange ich nicht mehr in dem dunklen Keller ausharren musste, war mir alles Recht.
Fasziniert starrte ich ihn die Flammen und fragte mich wie lange ich dort unten eingesperrt war.
Eine Stimme riss mich schließlich aus meinen Träumereien.
"Da drüben in der Höhle sind Wasser und Kleidung für dich. Wir dachten uns schon fast, dass wir dich in so einem Zustand finden würden.", erklärte Adam und nickte Richtung Höhleneingang. "Nimm dir was immer du brauchst. Wir sind hier, also wenn etwas sein sollte, schrei einfach."
Aufmunternd lächelte er mir zu. Ich nickte nur, kämpfte mich auf die Füße und tapste in die Richtung der Höhle.
Ich musste nicht lange suchen bis ich die besagten Kisten fand. Mein erster Griff galt einem der großen Wasserkanister, die aufgereiht an der Steinwand standen.
Mit Sicherheit trank ich mehr, als gut für mich war. Aber es musste einfach sein. So lange hatte ich dort unten gewartet und meinem Körper dabei zugesehen, wie er langsam anfing auszutrocknen. Also würde ich die verpasste Menge gleich hier und jetzt nachholen. Selbst wenn ich dann als Konsequenz die ganze Nacht in den Wald rennen um meine Blase zu entleeren.
Als mir das Wasser bis zum Hals stand, genehmigte ich mir einen Moment der Ruhe, ehe ich mich auf die Kiste daneben fokussierte.
Ich zog einen groben Stickpullover hervor und eine schwarze Hose.
Seufzend tauschte ich meine Kleidung und wusch mich mit ein wenig Wasser.
Danach schnappte ich mir das Kleid, von dem nicht mehr viel übrig war und ging zurück ans Feuer.
Adam sah mich fragend an, als er das Knäul unter meinem Arm entdeckte.
"Verbrennen, richtig?", fragte ich und warf alles ins Feuer, als er erstaunt nickte.
"Sie lernt schnell.", meinte John und ich musste gestehen, dass ich ein wenig stolz auf mich war.
Stumm beobachtete ich wie die Flammen sich durch den Stoff fraßen und nicht mehr viel übrig ließen. Es war ein wunderschönes Kleid gewesen, dass musste ich zugeben. Aber es war bedeutungslos. Darian war es jedoch nicht. Wir mussten ihn befreien. So schnell wie möglich. Bevor David und seine Männer weiterzogen. Denn dann hatten wir keine Chance mehr. Und jeder der hier Anwesenden wusste das!
"Also...", fragte ich nach einiger Zeit in die Runde. "Wann gehts los?"
Drei fragende Gesichter blickten mir entgegen.
"Na was ist der Plan um Darian zu holen? Was kann ich tun?", formulierte ich es neu.
"Du wirst gar nichts tun!", grummelte Adam, der wohl Darians Posten übernahm wenn letzterer abwesend war.
"Ich werde etwas tun, ob es dir passt oder nicht!", knurrte ich und massakrierte das Gras unter meinen Fingern. Nacheinander zog ich einzelne grüne Halme heraus und rupfte sie in kleine Stücke.
"Prinzessin, ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.", pflichtete Lucas Adam bei.
"Warum?", wollte ich wissen und streckte meinen Rücken ein wenig durch, um zwischen ihnen nicht ganz so klein zu wirken.
"Es kann nicht gut enden, wenn du und er am selben Ort seid. Dafür seid ihr beide zu stur und zu emotional eingebunden. Wirst du dich an den Plan halten können, wenn du siehst, wie es ihm geht?" Scharf sah Adam mich an.
Im Stillen gab ich ihm ja Recht. Wenn es um Darian ging, waren mir alle Pläne der Welt egal.
Mein Schweigen interpretierte der Grauhaarige wohl als Zustimmung.
"Ich werde also hierbleiben.", entschied ich seufzend. Es gefiel mir gar nicht, aber es war das Beste.
"Ich leiste dir Gesellschaft und hab ein Auge auf dich." Zwinkernd blickte John über das Feuer und unwillkürlich lächelte ich zurück.
"Dann wäre das also beschlossen." Adam richtete sich auf und ließ seine Knöchel knacken. "Ich werde essen gehen."
Kurz darauf war er im Wald verschwunden.
Langsam lehnte ich mich zurück, bis ich schließlich den Himmel über mir sehen konnte. Mein Körper schmerzte, aber ich wusste, dass es bald besser werden würde. Spätestens wenn Darian wieder bei mir war.
Mit den Gedanken bei ihm rollte ich mich zur Seite und blickte zwischen die Bäume.
"Wie habt ihr mich eigentlich gefunden?", fragte ich leise und blickte zu Lucas.
"Wir hatten Hilfe...", antwortete er und reichte mir eine Decke, in welche ich mich direkt einrollte.
"Hilfe von wem? Ich war allein, als David mich geschnappt hat.", erinnerte ich mich und zog die Stirn kraus.
Da sah ich plötzlich einen Schatten an einer der großen Tannen in der Nähe.
Aufmerksam beobachtete ich ihn. Ich war mir sicher, dass John und Lucas ihn gesehen hatten. Es war nicht Adam. Dafür war die Person zu klein. Aber wer war es dann? Und warum blieben die zwei so gelassen?
Dann trat er ins Licht des Feuers und ich sprang auf.
"DU!?"

TeufelsherzGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt