Krank

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Zuhause angekommen haben sich meine Eltern wie erwartet wieder gestritten. Es nervte einfach. Egal wie es mir geht, wenn ich Zuhause komme, geht es mir automatisch schlechter. Wenn man es noch ein "Zuhause" nennen darf.

Ich verstehe unter Zuhause eben etwas anderes. Alles, aber nicht das hier.

Es ist schwer. Sicher, ich könnte versuchen mit meinen Eltern klarzukommen aber es wird immer erfloglos enden. Ich weiß einfach, dass ich sie gar nicht leiden kann, besonders meinen Vater nicht. Er sieht immer so aus, als wäre er vor einem cholerischen Anfall. Wirklich, es ist so unangenehm wenn sie mich meist wegen Kleinigkeiten anschreien.

Ich bin wirklich nicht gerne zu Hause. Am liebsten wäre ich den ganzen Tag irgendwo draußen.
Denn Zuhause, wie ich festgestellt hatte, war Lucy aktiver.
Draußen konnte ich mich wenigstens ablenken. Mich mit jemanden treffen oder so.

,, Wo warst du jetzt?" , schrie mich mein Vater energisch an. ,, Ich war draußen." ,antwortete ich ruhig. ,, Aha. "

Draußen. Sie wäre fast gestorben aber es interessiert dich ja nicht. Arschloch.

Ich war verwundert über Lucy's Kommentar zu dem Gespräch.

Er ist genauso wie immer. Er wird sich nie ändern.

Das war mir klar.

,,Was kannst du eigentlich außer den ganzen Tag spazieren? Andere Jugendliche haben Talente und machen irgendwas. Du läufst den ganzen Tag irgendwo herum und machst irgendeinen Mist. "

Talente. Was hast du für ein Talent? Ach stimmt. Du hast das Talent dazu, ein schlechter Vater zu sein.

Lucy redete wild los.

Fick dich doch.

Andauernd beleidigte sie ihn. Aber ich blieb ruhig. Es brachte mich nicht weiter.

Meine Eltern gingen weg. Zum Glück. Es war immer das beste Gefühl wenn sie weg waren. Mich interessierte herzlich wenig was sie jetzt taten. Lucy war immer noch sauer.

Eine Schande. Einfach nur... Ich könnte mich jedes Mal aufregen.

' Kannst du mal leise sein?' , bat ich sie.

Nein verdammt! Ich hasse ihn. Ich hasse ihn einfach! Und du sitzt da mitten drinnen! Du musst da weg. Du musst weg da!

Ich verstand ihre Aufregung nicht. Ohne weiter drüber Nachzudenken nahm ich ein Messer und schnitt mir eine Scheibe Brot ab.

Dieses Arschloch!

Plötzlich wurde ich auch wütend.
' Jetzt sei ruhig verdammt!'

Ah verstehe. Du bist also auf seiner Seite! Schäm dich.

Ich nahm das Messer und stach vor Wut in den Stuhl rein, auf dem mein Vater vor ca. 10 min drauf saß. Erschrocken blickte ich auf den Riss in ihm.

Schade dass er schon weg ist.

'Du bist so krank!'

Krank? Krank?! Ich bin nicht krank! Du bist krank.

Jetzt war es endgültig vorbei. Mein Kopf schien zu platzen.

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