Kapitel 6

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Die Haustür fiel ins Schloss. Sofort zuckte ich gewaltig auf. Ich hörte meinen Vater unten reden. Wieso zum **** war er schon da? Hatte er was vergessen?
Er fragte was, es kam jedoch keine Antwort. Er redete also am Handy. Ich sprang vom Bett runter und schloss meine Tür ab.
Ich hoffe so sehr dass er nicht nach oben kommt. Ich nahm meine Tasche und wühlte rum. Dann fand ich mein Geldbeutel. Chanel. Ich nahm einen Zwanziger und rollte ihn. Ich seufzte kurz. Ging zu meinem Bett, fasste in meinen Kissenbezug und spürte schon eine kleine Plastiktüte.

Mit meiner Kreditkarte formte ich 1 Line auf der Rückseite meines Handys. Ich bückte mich und zog. Eine Welle der Erlösung und Euphorie überströmte mich. Ich fühlte mich wieder lebendig.

Ich hatte den Drang mit jemanden zu reden, aber mein Akku war leer. Und ich wusste, dass es bald vorbei gehen würde.

Trotzdem hatte ich gute Laune. Sehr gute sogar.
Aber dass sollte sich bald ändern.

,,Yuno?! Wo steckst du?", schrie mein Vater von unten. Ich riss meine Augen weit auf. Ich hörte , wie er langsam die Treppen hochstieg. Irgendwann blieb er stehen. Genau vor meiner Tür. Er drückte die Türklinke runter. Ich hatte so eine Panik dass ich Herzrasen bekam, nicht mehr normal atmete. Mein Herz schlug mir zum Hals.
,,Yuno , mach sofort die Tür auf!"
Ich versteckte schnell alles , machte noch Reste von der Nase weg und bewegte mich langsam zur Tür. Vielleicht würde er mich ja gar nicht schlagen sondern will mir nur Hallo sagen? Ich lächelte. Vielleicht bin ich ja paranoid geworden. Wieso sollte er mich schlagen. Er hätte keine Gründe. Mit diesem Gedanken schloss ich die Tür auf.

Naives, dummes, Mädchen.
Ich würde mit einer Backpfeife begrüßt. Reflexartig tat ich meine Hand auf die pochende warme Stelle. Er schubste mich und ich fiel zu Boden.
Oh Nein.
Er war schlecht gelaunt.

Immernoch hielt ich meine Hand auf die pochende Stelle. Mein Vater sah mir in die Augen. Sie waren rot. Es machte mir so unglaublich Angst, dass ich die Augen schloss. Er schlug auf mich ein und traf mich am Handgelenk und an die Schulter. Irgendwann, nach einer kleinen Ewigkeit hörte er auf und ging schnell und hektisch aus dem Zimmer.
Ich hörte ihn die Treppen runterstrampeln. ,, Fuck " schrie er aus Wut, vermutlich gegen sich selbst. Ich hörte noch, wie seine Faust gegen die Treppenwand schlug. Eine Träne kam kullerte meine immer noch heiße Wange herunter. , Heul nicht. Du hast es verdient.' Ich erschrak. Wer redet da mit mir. Sind das meine Gedanken? Ich schaute mich hektisch um. Niemand da, natürlich. Ich hab sie doch gehört. Eine Mädchenstimme.
, Sie hassen dich doch alle' sagte plötzlich eine andere. ,,Wer seid ihr??" , ich musste mir das schreien verkneifen.
Keine Antwort. Werde ich verrückt?

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