Egal

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Rumgekreische. Laute Schritte. Knallende Türen.

Wie sehr ich es liebte, mich mit meiner Mutter zu streiten. Sie machte mich krank. Ich hasste sie für das, was sie sagte und für das, was sie tat.

An einem Abend beschloss ich, am nächsten Tag nicht zu Hause zu schlafen. Mit Tränen in den Augen schrieb ich ihm, in der Hoffnung er würde mir irgendwie helfen können. Ich lag nichtsahnend ihm Bett, bis mein Vater reinkam. ,,Wir müssen reden."
Wirklich, das schlimmste was mir jemals jemand sagen konnte war :
,,Wir müssen reden."
,,Wir reden später."

Ich drehte mich auf die andere Seite und sah das Modeschild von Prada, was meiner Zimmerwand das Gewisse etwas gab. Ich schluckte und wartete, was er zu der Sache sagen würde. Er war eigentlich meistens auf ihrer Seite, keine Frage.

,,Du solltest aufhören so mit ihr zu reden. Das ist deine Mutter."
,, Sie interessiert mich nicht."
,,Wie kannst du sowas sagen?"
Aufgebracht setzte er sich auf mein Bett und schnaufte.
,, Du entschuldigst dich. Ihr geht es richtig schlecht. Sie schluckt irgendwelche Tabletten und geht um so eine Uhrzeit noch raus."
Es war 23 Uhr. Und mir war es egal.
,,Mich interessiert das nicht mehr. Fertig."
Man sah ihm an dass er innerlich explodierte, aber er verbarg das.
Dann kam mir eine Idee.
,,Weißt du was?" Er sah verwundert auf.
Meine Hand verschwand kurz unter meinem Kissen. Ich kramte mein Handy raus und fragte ihn, ob ich vielleicht bei ihm schlafen könnte. Für eine Nacht.
,,Morgen schlaf ich bei meiner Freundin. Ich muss nachdenken. Nach der Schule komme ich nicht heim. Erwartet mich nicht."
,,Aber..."
,,Du wirst mich nicht dran hindern können."
Aufgeregt wartete ich auf eine Antwort von ihm. Das online unter seinem Namen änderte sich auf schreibt...

Es ginge. Ich könnte eine Nacht lang meine scheiß Eltern vergessen und würde bei meinem Schwarm schlafen.

Mein Vater stellte mir ein paar Bedingungen, ich auch.
,,Eine Freundin! Kein Freund.
Und mach keinen Mist."
,,Wenn ihr mich einmal anruft, block ich euch sofort. Und wenn die Kranke auf die dumme Idee kommt die Polizei zu rufen, weißt du was passiert."
Mein Vater schluckte. Er hatte Angst. Große Angst. Mir gefiel der Gedanke sehr gut. Ich hatte Macht über ihn.
,,Sie ist nicht krank... Hör auf sowas zu sagen."
,,Wir wissen beide dass es stimmt. Und jetzt lass mich in Ruhe."
Im war die Trauer ins Gesicht geschrieben. Er litt drunter, aber mir war das herzlich egal. Mir war alles egal.

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