Pulsstunde

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Es war nicht leicht. Ich wollte mich mit ihm treffen, hatte aber fast nie die Gelegenheit dazu. Durch E-mail schrieben wir, doch auf Dauer ging das ja nicht. Ich vermisste ihn und es war ein wirklich schreckliches Gefühl, dass er weit weg war.

Das schlimmste war, wenn wir uns stritten. In der Zeit war es sehr stressig für mich. Ich hatte das Gefühl ich würde versagen und mich nicht genug anstrengen. Und wenn wir uns dann stritten weil irgendwelche Mädchen aus der Klasse nur Schwachsinn rumerzählten und er es glaubte, war es besonders schlimm.

Er schrieb wütend wie enttäuscht er war. Er dachte ich würde wieder rauchen wollen, was er mir verboten hatte. Ich fiel aus alles Wolken als ich laß, dass er es wirklich ernst meinte. Einen Test wollte er machen, damit ich es beweisen kann.

Er glaubte mir nicht und das verletzte mich.

Immer wenn wir uns stritten, schoss mein Puls in die Höhe. Mir wurde schwindelig und ich konnte kaum schreiben. Mein Herz schien aus der Brust zu hüpfen. ,Was passiert jetzt?'
Langsam fing ich an, Panik zu kriegen.

,Was ist das?' Die Frage schoss mir durch den Kopf. Ich war gerade bei meiner "Oma" und teilte ihr mit dass etwas nicht stimmte. ,,Wir müssen ins Krankenhaus." , meinte sie.

Also fuhr mein Opa mich dahin, meinte Mutter stürmte sofort in den Notaufnahme rein und zog mich auf einen Stuhl in das "Wartezimmer".

Neben mir saßen zerbrechliche Gestalten die mich anstarrten und wahrscheinlich versuchten rauszufinden warum ich da war. Ihre Blicke richteten sich wie üblich auf meine vernarbten Arme. Hasserfüllt sahen sie mir in die Augen und lächelten schief.

Mein Herz schien sich nicht beruhigen zu wollen. Ich versuchte mich abzulenken und holte mein Buch aus meiner Tasche. Das Tagebuch der Anne Frank. Ich tat so, als würde ich lesen um alles auszublenden. Dann kam die Kollegin von meiner Mutter. ,,Ich bin gekommen so schnell ich konnte. Hallo Yuno. Was ist passiert??" , aufgeregt begrüßte sie uns. ,,Ihr.. Ihr Puls ist zu hoch." Ihre Stimme klang bitter und fast ein bisschen verzweifelt. ,,Achwas geht schon." ,stieß ich raus. Diese komische Kollegin starrte auf mein Arm als hätte sie noch nie in ihrem Leben Narben gesehen. Ich kann nicht beschreiben wie sehr ich das hasste.

Sie nahm meine Hand und legte 3 Finger auf die Stelle, wo man den Puls spürte.
,, Arrythmien... " , stellte sie fest. Meine Mutter nickte stumm. ,Was? Meinen die etwa Herzrhythmusstörungen?'

Sie führten ein EKG durch. Gaben mir eine Infusion. Meine Mutter sah mich an, als hätte ich was getan. Bestimmt dachte sie, ich hätte mir irgendwas gegeben.

Im Zimmer beruhigte sich mein Herz. Es ging wieder. Ich und meine Mutter warteten eine halbe Ewigkeit auf den Arzt mit den Ergebnissen. Genervt und sehr gelangweilt lief ich durch die Gegend und beschloss auf die Toilette zu gehen um mir etwas kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen. Auf dem Gang saß so eine alte Dame herum, die mich mit ihren Blicken wohl durchlöchern wollte. Augenrollend ignorierte ich sie und versuchte ich den Infusionstab durchzuzwängen, der fast runterfiel. Ich war echt tollpatschig. ,,Brauchen Sie Hilfe?" ,hörte ich hinter mir eine Frau fragen. ,,Ehm nein. Danke."

Als alles fertig war und ich nach Hause gehen durfte, kam auch schon mein Vater in Arbeitskleidung ins Krankenhaus gestürmt.
,,Was ist passiert??"

Ich wurde heim gefahren, wo ich mich erst mal auf das Sofa legte um ein bisschen zu schlafen.
,,Denkst du sie hat was genommen?"
,,Ich weiß nicht..."
Meine Eltern flüsterten ganz leise. Doch ich verstand sie. Wütend schlief ich ein.

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