5.
Mayada
Es war einige Zeit vergangen, dass Mayada die Tore Lörrachs passiert hatte. Und sie hatte immer noch nicht einen von den Soldaten sichten können, die ihr, nach ihrem Gefühl, auflauern würden. Die Anspannung der letzten Tage und Wochen war so groß geworden, dass sie mürrisch und nachdenklich sich immer mehr zurückzog. Daher entschied sie am frühen Morgen, als sie erwachte und die ersten Sonnenstrahlen durch ihr kleines Fenster hereinscheinen sah, dass sie sich nicht verstecken konnte. Auch wenn sie dies nicht tat, kam es ihr so vor, als wäre sie die Maus und die Soldaten die hungrigen Katzen.
Mit einem Seufzen erhob sie sich in ihrem langen Nachthemd aus dem Bett und öffnete die Fenster, damit sie das Zwitschern der Vögel hören und die frische Morgenbrise hereinlassen konnte. Mit geschlossenen Augen stand sie einige Sekunden da und sog tief die saubere Luft ein. Ein Lächeln erhellte ihr Gesicht, und bei diesem wundervollen Beginn des Tages hob sich sofort ihre Stimmung. Noch kurz über die halb schlafende Stadt geschaut, wandte sie sich ab und zog sich, nach ihrer Morgentoilette, für einen Spaziergang schnell um.
Entgegen ihrer normalen Angewohnheit seit der Flucht, ließ sie ihr langes feuerrotes Haar heute mal wieder offen. Sie liebte es, wenn der Wind zwischen die Strähnen fuhr und ihren Nacken umschmeichelte. Voller Tatendrang trat sie vor die Tür und wich schnell zurück. Ein Karren, gezogen von einem Maultier, hätte sie fast überfahren. Aber der Schrecken konnte ihre Stimmung nicht trüben. Der Mann, der den Karren begleitete, schaute nur kurz und ging dann weiter, nachdem er sich vergewissert hatte, dass ihr nichts geschehen war.
"Ein schöner Morgen, der direkt mit einem Fast-Unfall anfängt. Mal sehen was noch kommt.", murmelte sie vor sich her und folgte dem Karren in einiger Entfernung. Die Waren die er aufgeladen hatte, waren sicher für den Markt bestimmt. Und bei dem, was sie sah, würde sie den Mann sicher nochmal sehen, da sie ihm einige Äpfel abkaufen wollte. Sie dufteten so sehr, dass Maya nicht einmal hinschauen musste, in welche Straße der Karren abbog. Sie folgte einfach ihrer Nase und dem leichten Menschenstrom.
Am Markt angekommen schaute sie sich hier und da um. Befühlte einige Stoffe und lauschte amüsiert feilschenden Händlern. Nachdem sie den Markt umrundet hatte, kam sie an den inzwischen aufgebauten Stand des Mannes, der sie fast umgefahren hatte. Oder dem sie fast unter die Räder gelaufen wäre. Man konnte es so oder so sehen, aber es war ihr egal. Immerhin war nichts passiert. Sie schaute die dargebotene Ware an und ging dann einige Schritte weiter um zu den duftig roten Äpfeln zu gelangen. Sanft hob sie einen Apfel aus dem Korb und strahlte den Mann an.
"Ich hätte gerne 2 Äpfel bitte."
Nachdem sie ihn dafür entlohnt hatte, steckte sie einen Apfel in ihre Umhangtasche und rieb die andere an ihrem Umhang ab. Es roch zu köstlich und sie wollte den süßen Saft der Frucht kosten. Vergessen waren in dem Moment die Gefahren, die auf sie lauerten. Diesen Augenblick genießend, befreit von allen Sorgen und Ängsten, all der Rache und der Wut, leuchteten ihre Graublauen fröhlich und ein Lächeln zierte ihre rosigen Lippen. Ein leises Summen war zu hören, als sie sich an die Melodie aus dem Palast erinnerte, die manchmal gespielt wurden.
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Schicksalhafte Rache
Ficción históricaMayada Eine junge Frau in der Blüte ihres Lebens. Auf der Flucht vor ihrem Vater, dem sie so eine große Schande bereitet hat, dass er sie tot sehen will. Schwere Schicksalsschläge hat sie zu verkraften,  und das in einer Zeit, wo di...
