jemanden

766 52 11
                                        

"Nein", sagte ich und meine Hand glitt sofort zu dem kleinen Mond, der um meinen Hals hing. "Das ist mein Glücksmedaillon. Aber du kannst eine andere Kette haben, wenn du willst"
Hochnäsig und hinterhältig grinste sie mich an. "Gib es mir."
"Ambar, das geht..."
Doch Ambar hatte anscheinend genug davon, dass ich ihr widersprach. Sie kam mir einen Schritt näher, umgriff mein Medaillon und bevor ich wusste, was geschah, zog sie daran und riss es mir von Hals.
Panik breitete sich in mir aus.
"Was soll das, Ambar? Gib es mir wieder!" Entsetzt starrte ich sie an. Mir blieb die Luft weg. Was passierte hier?

Ich wusste nicht, was ich tun sollte. In meinem Erschrecken griff ich einfach nach dem Medaillon, doch Ambar zog gleich ihre Hand weg, sodass ich nicht ran kam. Verzweifelt und mutlos strich ich mir die Locken aus dem Gesicht. Denk nach, Luna, dachte ich. Denk nach!
Ambar starrte mich gut eine Minute einfach nur an, dann brach sie entstandene Stille. "Vielleicht lernst du jetzt mal endlich, was es heißt, das zu verlieren, was einem so furchtbar viel bedeutet. Du hast mir Matteo genommen und nun ich nehme dir dein dummes Medaillon"

Sie lief einfach davon und ich hatte nicht mehr die Kraft ihr nachzulaufen. Meine Gefühle überwältigten mich einfach. Ich nahm gar nichts mehr um mich herum war, da waren nur die Tränen, die meine Wangen herunterliefen. Ich fühlte mich so verloren. Es lief alles schief. Nichts war mehr so wie vor ein paar Wochen. Es schien als wäre ich immer nur höher und höher geflogen und jetzt stürtzte ich auf einmal ab. Tiefer und tiefer. Ich schluchzte und lehnte mich vollkommen erschöpft gegen meinen Spind.
Ich wollte jetzt nicht alleine sein. Ich wollte den Trost und die Geborgenheit, die ich von meinem besten Freund immer bekam. Zum Glück wusste ich, wo ich ihn finden konnte.

Die ganzen Tränen ließen meine Sicht verschwimmen und ich torkelte mehr vor mich hin als das ich lief. Ich dachte nicht einmal darüber nach, ob ich die anderen bei ihrer Probe stören würde. Ich lief einfach auf die Bühne und fiel in Simons Arme.

"Luna", sagte er. "Was ist denn..." Doch als er bemerkte, dass ich weinte, unterbrach er sich selber.
Ich bekam gar nicht richtig mit, wie er blitzschnell seine Gitarre beiseite legte, die anderen um eine Pause bat und mich mit sich zog.

"Luna", vollkommen besorgt starrte mich Simon an, als er endlich stehen blieb. "Was ist passiert?"

Ich wollte ihm antworten, aber meine Kehle war wie zugeschnürt. Ich versuchte die Tränen zu stoppen, aber ich schaffte es nicht, stattdessen wurden es nur immer mehr. Ich konnte nicht fassen, dass sie mir tatsächlich mein Medaillon gestohlen hatte. Ambar hatte wahrscheinlich nicht Mal eine Ahnung, wie viel es mir wirklich bedeutet. Ich konnte nur weinen, nur schluchzen. Warum passierte mir das? Gerade mir?

"Luna", eindringlich redete Simon auf mich ein. "Sieh mich an. Siehst du mich an?" Benommen nickte ich. "Du schaust mir jetzt in die Augen und sagst mir, wer oder was dir dein wunderschönes Lächeln genommen hat."
"Mein Medaillon", schluchzte ich und griff ein weiteres Mal automatisch an die Stelle, wo es normalerweise hing. Aber natürlich war es nicht mehr da.
"Was ist damit, Luna?", fragte Simon angespannt.
"Ambar hat es mir gestohlen!"
"Was?!", das war nicht die entsetzte Stimme von Simon. Nein, es war die Stimme des Jungen, der wohl der Grund all meiner Probleme war. Ich drehte mich um und sah in Matteos Gesicht, das er bedrückt und schockiert zugleich verzogen hatte.
"Sag, dass das nicht wahr ist", forderte er mich auf. War das Verzweiflung in seiner Stimme?
"Luna, weinst du etwa?"
Was für eine lächerliche Frage. Das sah Simon anscheinend auch so. "Das siehst du doch, du Idiot", fuhr er Matteo an.

Ich legte meinen Kopf an seine Brust und Simon zog mich enger in seine Arme.
"Sie hat einfach daran gezogen und dann ...", schluchzte ich und zeigte mit meinen Händen wie die Kette gerissen war. Ich realisierte gar nicht wirklich, dass Matteo hinter mir stand und es auch hören konnte. "Ich versteh das nicht, Simon. Alles geht schief in letzter Zeit"
"Luna", sagte Matteo betroffen und legte seine Hand auf meine Schulter. Am liebsten würde ich sie sofort wieder wegstoßen, schließlich war er in gewisser Weise der Grund, wieso Amber mich so hasste, aber ich konnte nicht. Es ging einfach nicht. Ich hätte mich von Anfang an von Matteo fern halten sollen. Dann wäre mir das alles vielleicht erspart geblieben.

Seine Nähe machte mich verrückt. Ich konnte es ja nicht mal abstreiten. Ich wollte nur, dass das alles aufhörte. Dass ich aus diesem Alptraum erwachte.

"Bring mich nach Hause", flüsterte ich niedergeschlagen und furchtbar gekränkt.

"Ich hol nur eben deine Skates, Luna", sagte Simon und führte mich zu einer Bank auf die ich mich dann setzte. "Warte hier kurz." Er sah auf. "Und du, Matteo, lass sie in Ruhe"

Aber was erwartete Simon? Kaum war er weg, kniete sich Matteo vor mich und sah mich besorgt an.

"Was hat Amber genau gemacht? Luna?", fragte er.

"Was hast du ihr erzählt?", schluchzte ich aufgebracht. Da war plötzlich dieser klitzekleine Funken Wut in mir entflammt. Doch bevor er etwas hätte anrichten können, war er wieder erloschen. "Was hast du ihr erzählt, dass sie solche Sachen behauptet?"

Verwirrt sah er mich an und griff nach meiner Hand. "Luna, ich weiß nicht, was los ist. Ehrlich, das musst du mir glauben. Aber ich flehe dich an, erzähl mir was genau passiert ist"
Ich wollte ihm nichts erzählen, eigentlich wollte ich nur noch nach Hause. Aber selbst jetzt, wäre mir das zu unhöflich gewesen.
"Sie droht mir doch schon seit Tagen", schluchzte ich und verschwendete keinen Gedanken an die Konsequenzen, die diese Worte haben könnten. Wahrscheinlich war das eine meiner Schwächen. Ich dachte nie an irgendwelche Konsequenzen.
"Und jetzt kommt sie zu mir und sagt, ich würde dich ihr wegnehmen. Ich weiß nicht, was passiert ist, Matteo, dass sie das denkt.
Dann das mit meinem Medaillon. Kannst du dir überhaupt vorstellen, wie viel es mir bedeutet?"
Ich presste meine Augen zusammen. Sie brannten höllisch von den ganzen Tränen. "Es ist das einzige, was mir von meinen leiblichen Eltern geblieben ist."
Ich stand auf. Keine Sekunde würde ich noch hier bleiben.
"Luna!", hielt mich Matteo auf. "Ich hol es dir wieder." Ich glaube, ich hatte ihn noch so ernst gesehen. "Versprochen. Wirklich, ich verspreche es dir. "
Ich denke, eigentlich sollte ich gerührt sein, weil er sich für mich gegen seine Freundin auflehnen wollte, aber etwas anderes ging in mir vor. Ich konnte nur daran denken, was passiert war, als ich ihn gebeten hatte, nicht zu erzählen, dass Nina verliebt war. Ganz leise lachte ich.
"Ich habe schon gemerkt, wie du mit deinen Versprechen umgehst Matteo."
Ich lief los, ließ mich diesmal nicht von ihm aufhalten, doch kurz bevor ich um die Ecke war, drehte ich mich noch einmal zu ihm um. Matteo sah enttäuscht aus, vielleicht auch niedergeschmettert. Wirklich deuten konnte ich seinen Blick nicht. Wollte ich denn überhaupt wissen, ob ich ihn verletzt hatte?

"Ich glaube deinen Versprechen nicht mehr, Matteo", sagte ich mit einem Hauch Verbitterung in der Stimme. "Bitte Snob, versprich mir nichts, was du so wieso nicht hältst. Noch mehr Enttäuschungen ertrage ich im Moment einfach nicht."

Gerade als Matteo antworten wollte, kam Simon wieder. "Komm, wir gehen"

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen.
"Simon, warte Mal", hörte ich Matteo rufen und dieser blieb stehen.

Selbst jetzt, wo ich hier weinend hinter der Ecke stand, konnte ich meine Neugier nicht zurückhalten und hörte den beiden zu.

"Ich habe jetzt keine Lust auf irgendwelche Spielchen, Matteo. Du siehst doch selber wie es Luna geht."

"Was hast du, was ich nicht habe?" Mein Herz erstarrte. Was?

Vorsichtig lugte ich zu den beiden. Matteo sah emotionslos zu Simon. Diese Frage konnte ich mir absolut nicht erklären.
Simon selbst brauchte keine Zeit zum Überlegen. Er wusste es sofort.

"Ihr Vertrauen", antwortete er.

Look behind you #LutteoWo Geschichten leben. Entdecke jetzt