„Wirst du wieder zurück gehen?" Es ist das Erste, was sie seit einer Woche sagt. Dass sie überhaupt spricht. Amir's Mundwinkel zuckt. Aber er lächelt nicht. Tut er nie. Fast nie. Er lässt sich Zeit mit der Antwort, obwohl er sie bereits weiß. „Nein"...
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Die Kugeln fliegen nur so um die Ohren der Männer. Amir duckt sich und hört im selben Moment, wie eine Kugel an seinem Ohr vorbei rauscht. Ein paar Sekunden lang hat er ein Piepen im Ohr, doch er sammelt sich auch genauso schnell wieder und zielt auf den Mann, der ihn um einen Hauch erwischt hätte. Nach zwei Sekunden fällt dieser auch bereits zu Boden und Amir ignoriert den roten Blutfleck, der sich auf dem Hemd des Mannes verbreitet. Doch augenblicklich kommt es ihm so vor, als könnte er das Blut riechen. Er schluckt und zwingt sich mit ruhiger Hand auf die Situation zu konzentrieren.
Drei Männer von Dimitrij liegen bereits angeschossen auf dem Boden und bewegen sich nicht mehr, so dass sich Amir und seine Männer so langsam an das Haus nähern können. Rasul und er sind vorne und gehen mit vorsichtigen Schritten die Treppen hoch, während Amirs Männer ihnen Rückendeckung geben. Das komplette Haus ist umzingelt und einige von Amirs Männern nehmen die Hintertür, um in das Haus zu gelangen. Der Kugelhagel hört nach zehn Minuten vollständig auf und Amirs Männer kommen ihnen am Eingang entgegen. Es liegen weitere Männer von Dimitrij auf dem Boden und Amir schickt einige seiner Männer nach oben, während er und die anderen die Zimmer im Erdgeschoss durchsuchen.
Nach 15 Minuten sind bereits alle Zimmer durchsucht und wie erwartet ist nichts von Dimitrij oder Deste zu finden. Amir könnte durchdrehen. Dimitrijs Arbeitszimmer wurde gründlich durchgewühlt, allerdings war nichts mehr zu finden. Keine Dokumente, kein Safe. Anscheinend hat Dimitrij geahnt, dass sie früher oder später sein Haus stürmen würden. Und er hat dafür gesorgt, dass sie hier nicht weit vorankommen.
Was jetzt? Wo sollten sie weiter suchen? Als würde Rasul Amirs Unruhe spüren, legt er seine Hand an Amirs Schulter und drückt zu. „Wir werden sie finden Akhi. Du darfst dich jetzt nicht verlieren." Amir nickt, doch er kann das Zittern seiner Hände trotzdem nicht verhindern, ebenso das laute Dröhnen seines Herzens. Was ist, wenn er zu spät ist? Wenn sie Deste etwas angetan haben? Er möchte nicht einmal daran denken, denn er hat absolut keine Ahnung, was er dann tun würde. Das einzige was Amir weiß, ist es, dass er keinen lebend zurücklassen würde, der ihr auch nur ein Haar gekrümmt hat.
„Seht mal was ich gefunden habe Leute?" Amir schaut auf und sieht Yunis, der einen Mann am Kragen festhält und zu ihnen schleift. „Den haben wir geschnappt, als er durch die Hintertür verschwinden wollte. Vielleicht kann er uns ja ein wenig auf die Sprünge helfen!" Yunis schmeißt den Mann direkt vor Amirs Füßen und blickt ihn wütend an.
Eine dünne Blutspur läuft von seiner linken Augenbraue bis zu seiner Wange hinunter. Dicke Schweißperlen haben sich auf seiner Stirn gebildet und Amir kann die große Angst von dem Mann sehen. Er hat Angst, dass er ebenso draufgehen würde, wie die anderen Männer von Dimitrij, die leblos auf dem Boden liegen. Jedoch hat Amir nicht vor ihn umzulegen, auch wenn sein innerer Schweinehund beinahe danach schreit, jeden zu töten, der in irgendeiner Weise mit Dimitrij Orlow in Verbindung steht. Doch er braucht diesen Mann, um heraus zu finden wo Dimitrij, aber vor allem Deste steckt.