'Hey. Treffen wir uns im Stillwater? In zwei Stunden?' - Lucas' Nachricht ploppte auf dem Display auf.
Ein Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus. Mein Herz setzte kurz aus, dann begann es schneller zu schlagen. Ich fühlte mich wie jemand, der nach Tagen unter Wasser endlich wiede atmen durfte.
Mit zitternden Fingern tippte ich: 'Gerne. Ich freu mich!'
Ich raste förmlich die Treppe hoch in mein Zimmer. Nach so einem Streit konnte ich nicht im Gammel-Look auftauchen. Aber zu sexy wäre auch irgendwie falsch. Es war ein schmaler Grat zwischen ich hab mich ins Zeug gelegt und ich will dich zurückerobern. Und genau dazwischen wollte ich landen.
Ich riss die Schranktüren auf. Nichts schien zu passen. Alles wirkte zu gewöhnlich oder zu bemüht. Genervt ließ ich mich aufs Bett fallen.
'Stopp. Durchatmen, Sam. Er ist dein Freund. Du musst ihn nicht verführen. Nur ehrlich sein.'
Ich fuhr mir durch die Haare. Vielleicht half Musik.
Ich griff nach meinem Handy und startete eine Playlist. Lucien Cross lief an - seine neue Single. Die drückende Energie, die schweren Gitarren, seine Stimme... wie Dämonen aus den Lautsprechern. Ich liebte es. Lucas nicht. Er wurde fast schon eifersüchtig, wenn ich Lucien in Dauerschleife hörte. Aber warum eigentlich?
Klar, der Mann war heiß. Halblangen schwarz - blaue Haare, eisblaue Augen, Tattoos, Lederjacke - das ganze Rockstar - Paket. Doch was mich wirklich an ihm faszinierte, war diese Präsenz. Düster. Fast übernatürlich.
Aber egal.
Trotzdem - Lucien Cross war nur Musik. Mehr nicht. Und mehr wollte ich auch nicht.
Ich schüttelte den Kopf.
'Fokus. Lucas. Stillwater.'
Ich sprang schnell unter die Dusche, wusch mich in Rekordzeit. Dann ging ich wieder am meinen Schrank - diesmal mir klarem Kopf.
Ich entschied mich für ein enges, tief ausgeschnittenes Top und eine schwarze Jeans mit einem Riss am Oberschenkel. Lässig, aber nicht schlampig. Ein bisschen provokant, aber nicht billig. Perfekt.
Vor dem Spiegel trug ich dezenten braunen Lidschatten auf, umrahmte die Augen mit schwarzem Kajal. Noch ein Hauch Lipgloss - fertig.
Ich betrachtete mich kritisch von allen Seiten. Zupfte eine Strähne zurecht, zog mein Top ein kleines Stück runter - dann atmete ich tief durch, schnappte meine Lederjacke und verließ das Zimmer.
Gerade als ich die Treppe hinabging, blieb ich wie erstarrt stehen.
In der Eingangshalle standen mehrere Gestalten - nicht menschlich. Ich spürte es sofort. Ihre Präsenz war schwer, wie dunkler Rauch, der sich sofort in jede Ritze legte. Mein Atem stockte. Gänsehaut zog sich über meinen Rücken.
Dämonen.
Ich ging instinktiv in die Knie und drückte mich an die Wand. Von hier aus konnte ich alles beobachten. Zwei Nephilim - voll ausgebildete Halbengel, die offenbar nur zu Besuch hier waren - begrüßten die Dämonen. Ich kannte sie nicht.
"Guten Tag, Linda. Schön, dass es so kurzfristig möglich war, uns zu empfangen", sagte einer der Dämonen mit einer Stimme wie schwarzes Samt. Seine Haare wirkten so dunkel, dass sie jedes Licht zu verschlucken schienen.
Linda?
Wenn der Dämon sie mit Namen begrüßte, schienen sie sich wohl zu kennen...
Die Gruppe setzte sich in Bewegung - direkt in Richtung des Beschprechungsraumes, in dem ich einst mit Raziel gesprochen hatte.
Ich hätte einfach gehen sollen, es ignorieren. Wirklich. Aber meine Neugier war stärker. Ich folgte ihnen - leise wie ein Schatten - und blieb vor der Tür stehen.
Ein kurzer Moment des Zögerns.
Dann griff ich in meine Jackentasche, holte ein Stück Kreide hervor und zeichnete eine Runde an die Tür. Verstohlen schaute ich mich um. Hoffentlich erwischte mich keiner. Sonst würde ich meinen Unterricht bei Lis nicht mehr verbergen können.
Danach flüsterte ich: "Videam et audiam!" 'Lass mich sehen und hören!'
Was zur Hölle taten Dämonen an der Akademie? Was hatten sie zu besprechen?
Ich würde es herausfinden.
DU LIEST GERADE
Nephilim - Verfluchte Herkunft
FantasyDie Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
