Kapitel 45

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Ein wenig verunsichert lief ich durch das endlose schwarz. Ich durfte nicht rufen, nicht sprechen, um Nathan nicht auf mich aufmerksam zu machen, bis ich Finja wieder an meiner Seite hatte. Deshalb lief ich, mucksmäuschenstill, ängstlich, durch die endlose Dunkelheit.

Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, bis ich endlich eine andere Gestalt sah. Vorsichtig näherte ich mich. Je näher ich kam, desto mehr konnte ich sehen - schwarzes Fell, helle Pfoten. Das war Finja! So schnell ich konnte, rannte ich zu ihr. Sie saß einfach da und sah sich um. Stürmisch umarmte ich den Hals des Wolfs, der ein wenig größer war als ich. Und das im Sitzen. Finja schmiegte ihren Kopf an meinen und fing an zu schnurren, wie eine Katze.

Gemeinsam suchten wir nun nach unseren Mates. Nathan war relativ schnell gefunden, er saß, gefühlt, ein paar Minuten zu Fuß von der Stelle entfernt, an der Finja saß. Wie ein Häufchen Elend kauerte er auf dem Boden, die Hände an den Seiten seines Kopfes. Er war so mit sich selbst beschäftigt, dass er uns nicht einmal bemerkte, als wir direkt neben ihm standen. Vorsichtig stupste Finja ihn an der Schulter an. Nathan erschrak sich und zuckte zurück. Mit geweiteten Augen, in denen sich die Angst so klar spiegelte, sah er von mir zu Finja und wieder zu mir. Er hatte einen fragenden Blick und so kniete ich mich neben ihm hin, um ihm alles zu erzählen.

Ein paar mal musste er heftig schlucken, riss immer wieder seine Augen ungläubig auf.

"Und dann musste ich uns beiden, bei dem Ritual, einen magischen Dolch, getränkt in unserem eigenen Blut, ins Herz stechen, während meine Mom einen Zauber sprach, damit wir auf diese Bewusstseinsebene gelangen konnten, um Miro zu retten. Finja und ich müssen dabei sein, weil ihr beide zu geschwächt seid um es alleine zu schaffen." Endete ich meine Erzählung.

Ihm hing die Kinnlade förmlich bis zu Boden. Fassungslos sah er mich an, bis sich sein Blick ins liebevolle wandelte.

"Danke. Ich habe dich als Mate, gar nicht verdient. Was du wegen mir durchmachen musstest - und trotzdem hilfst du mir. Wie kann ich das nur jemals wieder gut machen ?"

Schelmisch grinste ich ihn an "Ach, da wird mir schon was einfallen. Jetzt aber müssen wir Miro finden." Somit stand ich auf und half Nathan hoch.

Schon komisch was Menschen machen, wenn sie lieben. Gab Finja leise von sich, was ich mit einem bösen Blick quittierte.

Nathan sah mich verwundert an, sagte aber nichts. Nur ein breites grinsen legte sich auf seine Lippen als wir weiter liefen.

Eine gefühlte Ewigkeit streiften wir, sehr langsam, da Nathan nicht schneller laufen konnte ohne Unterstützung, durch die Ebene, riefen immer wieder nach Miro, doch bekamen keine Antwort. Irgendwann blieb Finja plötzlich stehen.

Spürt ihr das auch?

Fragte sie uns. Ich konzentrierte mich und tatsächlich ich konnte eine weitere Energie spüren, doch sie war überall verteilt. Meine Augen schloss ich, um mich besser konzentrieren zu können.

"Da!" Rief ich voller Freude laut und sprintete bereits in die Richtung, garnicht darauf bedacht, ob die beiden mir folgten. Ich rannte immer weiter, bis ich plötzlich stehen bleiben musste. Vor mir erstreckte sich ein weiter Abgrund, den Boden konnte ich nicht sehen. Grübelnd sah ich nach dort unten, irgendwie müssten wir dort hin. Als die beiden endlich neben mir hielten, Nathan auf Finjas Rücken, wie bei einem Pferd, sahen sie in den Abgrund hinab.

"Da unten?" Fragte Nathan mich misstrauisch, nachdem er von meiner Wölfin abgestiegen war, um sich neben mich zu stellen. Ich brachte nur ein nicken zu Stande und starrte weiter hinunter. Wie nur sollten wir dort hin kommen?

Mate? Werwolf? Bitte was ?!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt