„Ich verpasse wegen diesem Unsinn meinen Tutorkurs in anorganischer Chemie", fauchte Jonathan, als ich vor Herrn Kopenaus Tür zu ihm stieß. „Glaub bloß nicht, dass ich irgendetwas an dieser Aktion gutheiße!" Er marschierte zum Treppenhaus hinüber.
„Natürlich nicht. Ich hätte niemals etwas anderes angenommen." Seufzend passte ich mich seinem strammen Tempo an. „Bist du sicher, dass du wegen des verpassten Kurses wütend bist und nicht etwa, weil du schon wieder dazu gezwungen wirst, dich mit Geistern zu befassen?"
„Das trägt durchaus seinen Teil dazu bei. Herr Kopenau weiß ganz genau, dass ich mit Geistern nichts zu tun haben will." Jonathan jagte das Treppenhaus hinab. Meine Güte, hatte dieser Junge Siebenmeilenstiefel an? Ich kam kaum hinterher. „Wahrscheinlich probiert er sich wieder an irgendwelchen psychologischen Spielchen, damit ich meine Vergangenheit akzeptiere und die beschissene Gabe meines Vaters, die uns allen nichts als Unglück gebracht hat! Nur deswegen zwingt er mich doch ständig in deine Nähe." Er stürmte durch die Eingangstür in die beginnende Dunkelheit des Nachmittags hinaus.
Schweigend rannte ich ihm hinterher. Meine Gabe war also beschissen. Außerdem war er nur in meiner Nähe, weil man ihn dazu zwang... Herzlichen Dank.
Jonathan stoppte an einem schwarzen Golf. Beinahe wäre ich an ihm vorübergelaufen.
„Fahren wir nicht mit dem Bus?", erkundigte ich mich ausgesucht höflich, um zu verbergen, dass er mich verletzt hatte.
„Nein, ich fahre." Er glitt auf den Fahrersitz.
„Oh." Wenig angetan von dieser Aussicht öffnete ich die Beifahrertür. „Ich hoffe, du hast einen vernünftigen Fahrstil. Meine Mutter würde durchdrehen, wenn ich zu einem Raser ins Auto stiege."
„Ich rase nicht." Er pflückte mir das Informationsblatt über den spukenden Geist aus der Hand.
Missfallend schlug ich die Autotür hinter mir zu.
„Die Adresse kenne ich." Er warf mir das Blatt in den Schoß. „Ist nicht allzu weit entfernt." Er startete den Motor und fuhr vom Parkplatz der Liga herunter.
Zunächst: er raste tatsächlich nicht. Soweit ich das erkennen konnte, hielt er sich exakt an die Geschwindigkeitsbegrenzung.
Trotzdem gestaltete sich die Autofahrt als sehr unangenehm. Jonathan schwieg hartnäckig. Ich schaute abwechselnd aus dem Fenster, auf die Straße und auf Jonathans Hände. Jedes Mal, wenn er den Blinker betätigte, wirbelte ein Schwarm Magiefunken übers Lenkrad.
Das Risiko einer Magieentladung, von der Herr Kopenau mir erzählt hatte, beunruhigte mich. Ich wollte nicht die Person sein, die sich zu diesem Zeitpunkt in einem Raum mit Jonathan aufhielt. Ich hoffte sehr, die Magieentladung würde nicht in seinem Auto stattfinden.
Unauffällig rutschte ich etwas weiter zur Tür. Am besten wäre es natürlich, wenn es überhaupt niemals zu einer käme. Ich konnte Jonathan zwar nicht besonders gut leiden, aber dass er Schmerzen litt, wollte ich dann auch wieder nicht.
„Ist nicht mehr weit", grummelte er.
„Aha."
Erneut versanken wir in angespanntem Schweigen. Um mich irgendwie zu beschäftigen, sah ich auf das Informationsblatt in meinem Schoß herab. Dort war detailliert beschrieben, was die Nachbarin gesehen hatte: ‚Ab der Dämmerung erscheint im benachbarten Haus ein schwaches silbernes Licht. Es wandert hinter den Fenstern des Erdgeschosses entlang, bevor es um circa 20 Uhr spurlos verschwindet. Frau W. hat es erstmals vor einigen Monaten bemerkt. Tagsüber erscheint an manchen Tagen eine Dampfsäule hinter den Fenstern. Keine Geräusche oder andere Auffälligkeiten.'
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Spuk am Baumhaus
Teen FictionFortsetzung von Spuk im Keller. Über den Umgang mit Geistern: 1.: (Sei auf der Hut.) Das hilft gar nichts. 2.: (Lege, wenn möglich, Schutzweste und Helm an.) Sich an einem sicheren Ort anzuketten, ist noch besser. 3.: (Sei auf der Hut.) Siehe oben. ...
