Kapitel 20

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Eine halbe Stunde später stieg ich an meiner Zielbushaltestelle aus. Wie gut, dass ich über einen ausgezeichneten Orientierungssinn verfügte, denn so fand ich den Wohnblock, in dem Susanne Andersen wohnte, auf Anhieb. Ich verstaute meine Kopfhörer und postierte mich unauffällig an der Hecke neben dem Bürgersteig. Nervös befingerte ich die Ausdrucke in meiner Jackentasche. Ich wollte nicht mit Thomas über seine Vergangenheit sprechen. Ich wollte, dass er bei mir blieb und es zwischen uns wieder so war, wie bevor ich ihn auf die Nachwelt angesprochen hatte.

Leider machten mir die Vorschriften der Liga einen Strich durch die Rechnung.

Resigniert zog ich meine Hand aus der Jackentasche. „Thomas?", flüsterte ich. „Ich stehe vor dem Haus deiner Schwester. Willst du dich vielleicht zu mir gesellen?"

Es dauerte kaum einen Wimpernschlag, da materialisierte er sich neben mir. Wütend sah er auf mich herab. Nebeltropfen sprühten erregt aus seinem Körper. „Was tust du hier? Ich dachte, wir wären uns einig, diese Angelegenheit vorerst ruhen zu lassen! Es ist meine Vergangenheit. Ich erzähle dir davon, wann es mir passt."

„Wann wäre das denn der Fall?" Unschuldig hob ich meine Hände. „Nur mal so, damit ich planen kann."

„Keine Ahnung", fuhr er mich an. „Es ist eben dann so weit, wenn es so weit ist. Kannst du nicht aufhören, in meiner Vergangenheit herumzuwühlen? Ich möchte nicht darüber sprechen. Es ist sehr persönlich."

„Du kennst die Regeln der Liga, Thomas. Wenn es nach mir ginge, würden wir nicht an diesem Ort stehen, aber meine Meinung ist nicht relevant." Ich verzog mein Gesicht. „Du musst mir sagen, was dich beschäftigt. Es gibt keine andere Lösung."

Verzweifelt schloss er seine Augen. „Ich möchte es dir nicht erzählen. Bitte, lass uns einfach nach Hause zurückkehren, ja?" Er öffnete seine Augen. „Bitte."

Seine offenkundige Qual setzte mir zu. „Wusstest du, dass nur noch eine Woche fehlt, bis du ganze drei Monate beschworen bist?"

Thomas sah weg.

Natürlich hatte er es gewusst. Er war klug.

„Lass uns diese Geschichte mit Würde zu Ende bringen, ja? Lass unsere Freundschaft nicht noch am Ende zerbrechen."

„Ich will nicht mit dir darüber sprechen. Es ist... es würde dein Bild von mir ändern."

„Das würde es bestimmt nicht."

„Doch", flüsterte er. „Du kennst meine Geschichte nicht."

„Dann vertraue sie mir an."

„Bitte nicht, April." Abgekämpft rang er seine Hände. „Bitte zwing mich nicht, dir davon zu erzählen."

Sein Flehen schnitt mir ins Herz wie eines von Mamas scharfen, japanischen Küchenmessern. „Ich verspreche dir, dass ich danach nicht anders von dir denken werde."

„Das kannst du nicht versprechen. Du weißt nicht, was ich zu erzählen habe."

„Mach diese Sache nicht noch schwerer als sie bereits ist." Meine Güte, wackelte meine Stimme eigentlich immer so?

„Es war nicht schön."

„Das ist es nie bei einem Geist. Erzähl mir davon."

Er schaute geschlagen auf seine ineinander verschlungenen Hände hinab. „Gut. Eigentlich ist es sowieso egal, ob du nun davon weißt oder nicht." Seine herabfallenden Nebeltropfen versiegten. „Mach dich auf etwas gefasst. Hier kommt meine beschämende Geschichte."

Irgendetwas an seinem Tonfall ließ mir einen Schauder über den Rücken laufen. „Ich bin bereit."

„Willst du sie wirklich hören?"

Spuk am BaumhausGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt