Mein Kopf tat weh.
Das war das Erste, was ich spürte, als ich aufwachte. Es war ein unangenehmer, pochender Schmerz in meiner rechten Schläfe. Stöhnend öffnete ich meine Augen.
Thomas hörte auf, meine Schulter anzustupsen. „Alles okay bei dir?"
„Ich weiß nicht." Mein schmerzender Kopf machte es mir unmöglich, eine Bestandsaufnahme meiner Schäden vorzunehmen. Blinzelnd betrachtete ich Thomas' über mir schwebendes Gesicht und die durch ihn hindurchschimmernde weiße Wand. „Bei dir?"
„Geht schon wieder." Tapfer deutete er auf den undurchdringlichen Nebel an seinem rechten Ellenbogen, aus dem auf grausiger Weise ein neuer Unterarm hervorwuchs. „Er kommt zurück."
„Gut." Obwohl ich mich fühlte, als wenn jemand mit einem Presslufthammer in meinen Schädel zu gelangen versuchte, hievte ich meinen Oberkörper auf. Erst dabei fiel mir auf, dass die Hand, mit der ich mich auf den Fliesen abstützte, in dichten Schatten verschwand.
Verwirrt riss ich sie zurück.
Der gesamte Boden war von einem wallenden Schattenmeer bedeckt. Meine Beine verloren sich vollständig in der schwarzen Masse, nur die Stiefelspitzen ragten noch heraus. Der fliegende Tumult im Zimmer hatte nachgelassen. Kein einziger Gegenstand bewegte sich mehr.
Besorgt sprang ich auf. Thomas tat es mir zum Glück gleich, sonst wäre ich rückwärts wieder zu Boden gesunken, als plötzlicher Schwindel in meinem Kopf explodierte. So stolperte ich nur gegen seine Brust.
„Oh, scheiße", stöhnte ich. Schwarze Sterne stürmten wie die Flocken eines Schneesturms durch mein Sichtfeld.
Thomas legte seinen gesunden Arm um meine Taille, um mich zu stützen. Hektisch blinzelte ich gegen die Sterne vor meinen Augen an.
Jochen war nicht in die weite Welt hinaus verschwunden, wie ich erst befürchtet hatte. Stattdessen schwebte er vor meinen Schreibtisch und beobachtete misstrauisch den Schattennebel, der sich in meinem Zimmer ausbreitete.
Jonathan stand nach wie vor im Türrahmen. Er beachtete weder mich noch Thomas, sondern nur die beiden Löcher im Schattenmeer, wo sich Jochens Beine für ihn abzeichneten.
Offenbar ahnte Jochen Unheilvolles, denn er schwebte abrupt zur Zimmerdecke hinauf. Jonathans Schatten folgten ihm. Sie umschlangen seine Füße, kletterten seine Oberschenkel hinauf, breiteten sich über seine Brust aus. Sie türmten sich vom Boden immer weiter an seiner Silhouette auf.
„Nimm das fort!", fluchte er. Zappelnd versuchte er die Schatten wegzuschlagen, aber immer wenn er eine Schattenfaser zerteilte, setzte sie sich sofort wieder neu zusammen. Sein wildes Treten war ebenso vergeblich. „Ich warne dich! Hör auf mit diesem Hokuspokus."
Unaufhaltsam webten die Schatten ihr dunkles Netz um ihn.
Jonathan ballte seine Hände zu Fäusten. Seine Kiefermuskeln spannten sich an. Immer mehr Schatten flossen aus dem Empfangsraum an ihm vorbei ins Zimmer, um sich in das Netz um Jochens Körper einzufügen. Sie machten den Geist für alle sichtbar. Jochens silbernen Nebel konnte nur ich wahrnehmen, aber das galt nicht für die dunklen Schatten, die sich wie eine zweite Haut um ihn legten.
Ich war viel zu fassungslos vom Geschehen, als dass ich etwas anderes tun könnte, als an Thomas gelehnt zuzusehen. Jochen schlug weiter um sich, ließ Schattenfetzen wie Regen durch mein Zimmer trudeln. Er konnte trotzdem nicht verhindern, dass sie ihn bald wie einen Kokon vollständig umschlossen.
Dann wurden die wabernden Schatten auf ihm plötzlich starr. Jochens abwehrend ausgestreckter Arm blieb mitten in der Bewegung stehen. Steif schwebte er unter der Zimmerdecke.
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Spuk am Baumhaus
Teen FictionFortsetzung von Spuk im Keller. Über den Umgang mit Geistern: 1.: (Sei auf der Hut.) Das hilft gar nichts. 2.: (Lege, wenn möglich, Schutzweste und Helm an.) Sich an einem sicheren Ort anzuketten, ist noch besser. 3.: (Sei auf der Hut.) Siehe oben. ...
