Jonas lauschte an der Zimmertür des Hotels, aber er konnte nichts hören. Vielleicht war Markus ja verschwunden und er würde Zeit haben, seine Gedanken und Gefühle zu ordnen, ohne die ganze Zeit von seinem Geplapper beeinflusst zu werden.
Er schob ein wenig ungeschickt die Karte in das Lesegerät und drückte die Tür auf, wobei die Plastiktüte raschelte, die an seinem Arm hing. Er hatte etwas zu Essen mitgebracht, denn er war sich nicht wirklich sicher, ob Markus daran gedacht hatte. Vermutlich ging er ohnehin davon aus, dass Jonas ihn einlud. Er betrat das Hotelzimmer und bemerkte sofort eine Bewegung im Augenwinkel.
„Hey, da bist du ja endlich!", rief Markus aus, kletterte unbeholfen aus dem Bett und kam auf ihn zugeeilt. Er trug nur eine Unterhose und ein weißes Polo-Shirt, aber er schien vor nicht allzu langer Zeit geduscht zu haben, denn sein Haar war noch feucht.
„Ich... ich habe was zu Essen mitgebracht", sagte er und hielt den Arm hoch, an der die weiße Tüte mit dem Essen vom Asia-Imbiss hing. Sofort leuchteten Markus Augen und er nahm ihm die Tüte ab. Er ging damit zurück zum Bett, wo er sich niederließ und die Tüte auf seinen Schoß stellte. Allerdings sah er anschließend zu ihm und sofort fühlte Jonas sich ein wenig unwohl. Sein musternder Blick schien ihn zu durchdringen und er hatte das Gefühl, dass er seine Gedanken lesen konnte.
„Wie war die Arbeit?", fragte Markus, allerdings entging ihm sein misstrauischer Unterton nicht. Jonas seufzte, ließ seine Umhängetasche auf den Boden gleiten und stieg aus seinen Schuhen. Er fühlte sich klebrig vom Schweiß, denn auch wenn sie in ihrem Büro im Keller recht kühl saßen, war es dort heiß und stickig gewesen.
Er seufzte nur, denn abgesehen davon, dass er ohnehin nicht über die Ermittlungen mit ihm sprechen durfte, wollte er eigentlich nur noch schlafen. Er war müde, denn die letzte Nacht war nicht nur kurz, sondern auch nicht wirklich erholsam gewesen.
Jonas wankte zum Bett, wo er sich neben Markus auf die Bettkante setzte und nahm die Styroporbox entgegen, die er ihm hinhielt. Er öffnete sie und nahm den vertrauten Geruch nach asiatischem Imbiss wahr, der augenblicklich dafür sorgte, dass ihm das Wasser im Mund zusammenlief. Eilig riss er das Papier von den Stäbchen und schob sich eine erste Ladung der gebratenen Nudeln in den Mund. Genüsslich stöhnte er. Markus neben ihm kicherte leise, fing aber auch an zu essen.
„Ist gut, was?", fragte er, was Jonas nicken ließ.
„Ich war heute shoppen", berichtete Markus ungefragt, was Jonas überrascht die Augenbrauen hochziehen ließ. Er sah, dass Markus lächelte und mit dem Kopf hinter sich deutete. Erst da bemerkte Jonas eine Tüte, die auf der anderen Seite des Bettes stand.
„Ich kann es dir gleich mal zeigen, wenn du willst", fuhr er fort und grinste ihn an. Es war klar, dass Markus ihm seine Einkäufe zeigen wollte. Jonas seufzte.
„Ich bin ziemlich geschafft", sagte er und wandte den Blick auf sein Essen. Auf einmal schlichen sich Gedanken in sein Hirn, die er den ganzen Tag über ziemlich gut hatte verdrängen können. Matthias. Was er wohl gerade machte? Versuchte er, ihn zu erreichen? Jonas schluckte schwer, denn er hatte die Blockierung noch nicht wieder rückgängig gemacht, denn er konnte seine Vorwürfe im Moment noch nicht ertragen. Er war absolut noch nicht bereit, sich anzuhören, wie Matthias sich gefühlt hatte, als er von seinem Betrug erfahren hatte.
Ohne es verhindern zu können sah er für eine Sekunde zu Markus, der seinen Blick sofort erwiderte. Wenigstens einer hier schien glücklich zu sein.
„An was denkst du?", fragte Markus, der anscheinend bemerkt hatte, wie sehr er in Gedanken war. Jonas schluckte mühsam den Bissen, den er gerade im Mund hatte herunter, bevor er sprach.
„Ich... ich habe ein ziemlich schlechtes Gewissen", rutschte es ihm heraus, bevor er darüber nachgedacht hatte. Markus Reaktion kam prompt.
„Was willst du damit sagen? Bereust du... ich meine, willst du mir sagen, dass du lieber bei ihm sein willst? Nach allem, was wir besprochen haben? Ich dachte, wir wollen heiraten!", redete er sich an Rage und Jonas wurde klar, dass es im Moment sinnlos war, mit ihm zu diskutieren.
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Slice of Life - L'Affaire
LosoweJonas ist vollkommen gestresst von der Arbeit, worunter nicht nur er leidet, sondern auch sein langjähriger Freund Matthias und dessen Tochter Aaliyah. Bei all dem Stress kommt das bevorstehende Wochenende in Frankreich ganz recht. Ein alter Schulfr...