Die Männer führten uns die Straße entlang. Der mit der teuren Kleidung lief vorne. Er hatte die Tasche mit den Waffen, die Lucien ihm vor die Füße geworfen hatte, über die Schulter geworfen. Seine Schritte waren zielgerichtet, aber nicht hastig.
Fast schon schien es, als wäre er die Ruhe selbst, wenn seine Finger nicht hin und wieder nervös zucken würden. Zum Glück war nicht er derjenige, der mit einer Pistole auf uns zielte.
Das war nämlich der Typ in der abgetragenen Jeans hinter uns. Er und der dritte Mann liefen dicht hinter uns her, mit den restlichen zwei Taschen.
Ich lief dicht neben Lucien und hatte den Blick stur geradeaus gerichtet. Die Blicke der Männer fühlten sich an wie Stacheln auf meiner Haut. Gänsehaut kroch meinen Nacken hoch und meine Hände wurden unangenehm schwitzig.
Lucien dagegen sah aus, als ginge ihn das alles nichts an. Seine Miene war ausdruckslos, die Hände wieder in seinen Taschen verschwunden. Fast hätte man meinen können, er würde gleich anfangen zu pfeifen.
Die Lage war nach wie vor alles andere als entschärft. Wie konnte ihn das alles so kalt lassen? Oder tat er nur so?
"Warum hast du ihnen gesagt, dass wir keine Menschen sind?", raunte ich ihm zu.
Lucien ging einfach mit unbewegtem Ausdruck weiter. Als hätte er mich nicht gehört.
Ich seufzte leise und ließ den Blick zu meiner anderen Seite gleiten.
Auch Lucas hatte seine Augen stoisch geradeaus gerichtet. Konzentriert setzte er einen Fuß vor den anderen. Seine Haut war unnatürlich blass. Ein dicker Schweißfilm bedeckte sie und vermischte sich mit den Resten des Weihwassers. Er schien vollkommen in seinen eigenen Gedanken versunken. Wie er so die restlichen Runen für die Barriere aktivieren sollte, war mir ein Rätsel.
"Weil es offensichtlich ist", kam es plötzlich von Lucien. Mein Kopf schnellte herum, und ich traf kurz seinen Blick.
"Schau uns doch mal an."
Unwillkürlich wanderte mein Blick an mir nach unten. Lucien hatte Recht.
Ich sah dank der geliehenen Kleidung aus, als wäre ich eine Art dunkler Assassine. Luciens Tattoos bewegten sich hin und wieder. Zwar unscheinbar, aber bei genauerer Betrachtung bemerkbar. Vielleicht war er doch nicht so entspannt, wie er tat.
Dazu kam noch Lucas, der deutlich angeschlagen war und neben uns herlief, als müsste er sich zu jedem Schritt zwingen.
Sonderlich menschlich sahen wir nicht aus.
Mein Magen zog sich zusammen. Ich wischte mir die verschwitzten Handflächen an der Hose ab.
"Und wie-"
"Das ist hier kein Kaffeekränzchen", unterbrach mich einer der Männer hinter mir und ließ mich zusammenzucken. Doch meine Frage blieb: Wie wollte Lucien sie von einer Zusammenarbeit überzeugen.
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Lucas uns einen vorwurfsvollen Blick zuwarf.
Dabei ließ seine Konzentration nach. Er schwankte leicht, stolperte. Meine Hand schnellte nach vorne, bereit ihn aufzufangen.
Doch Lucien war schneller. Er schob sich an mir vorbei und legte den Arm um Lucas. Energie kribbelte auf meiner Haut. Der Dämon spannte den Kiefer leicht an und zog scharf die Luft ein.
Lucas Gesichtsfarbe normalisierte sich etwas. Sein Stand wurde sicherer. Fit sah er noch immer nicht aus, aber zumindest nicht mehr so, als würde er gleich zusammenbrechen. Er warf Lucien einen irritierten Blick zu.
"Hey, was treibt ihr da?", rief der Mann hinter uns. Sein Finger zuckte nervös über dem Abzug, während die Pistole wie wildgeworden zwischen Lucien und Lucas hin und her schwenkte. Auch die anderen waren stehen geblieben und starrten uns finster an.
DU LIEST GERADE
Nephilim - Verfluchte Herkunft
FantasyDie Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
