Zwei hält besser als Eins

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Den Kopf gesenkt ging ich in die Schule hinein. Ich wollte einfach nicht auffallen, was mir meistens auch recht gut gelang. Warum ich nicht auffallen wollte? Naja, das war noch immer besser als beleidigt oder zusammengeschlagen werden, oder etwa nicht?

Ich hatte keine Ahnung, warum gerade ich dieses Opfer für die Schule 'spielen' musste. Wahrscheinlich, weil ich einfach anders war. Ich hatte andere Ziele, andere Hobbys. Und mit eben diesen kamen viele nicht unbedingt klar. Sie hielten mich für den größten Streber, den es je gegeben hatte. Dabei stimmte das nicht einmal hundertprozentig, denn obwohl ich immer ausgezeichnete Noten hatte, lernte ich nicht jeden Tag bis spät in die Nacht hinein dafür, wie alle annahmen.

Ich war einfach ziemlich gut in der Schule und anders als die meisten, waren mir meine Noten eben nicht egal. Ich wollte einen guten Abschluss haben, damit ich danach an einer der besseren Unis studieren könnte.

Vielleicht lag es aber auch gar nicht an den Noten, dass ich diesen Ruf als Streber und Loser hatte. Denn seit ich zum ersten Mal beleidigt worden war, war mein Selbstvertrauen immer kleiner geworden und jetzt war praktisch nichts mehr davon übrig.

Möglicherweise lag es aber auch an meinem Aussehen, denn anders als die meisten, gab ich nicht so viel auf mein Äußeres. Es musste praktisch und halbwegs bequem sein, dabei natürlich sehr professionell. Vielleicht würden mich nicht so viele Schüler dumm anstarren oder für einen Loser halten, wenn ich einmal ein normales T-Shirt trug, oder auch einfach meine Haare so lockig ließ, wie sie eigentlich waren, aber damit fühlte ich mich nicht wohl.
Stattdessen trug ich dunkle Jeans und über einem (meistens weißen) Hemd noch ein Gilet. Meine Haare waren nach hinten gegelt, damit sie mir nicht vor die Augen fallen konnten. Auf meiner Nase saß eine dicke 'Nerdbrille'.

Schnell ging ich zu meinem Spind und holte die wichtigen Schulbücher heraus. Ich drehte mich um und ließ meinen Blick kurz über den Schulgang schweifen, um zu schauen, ob jemand der 'Beliebten' in der Nähe war.

Die 'Beliebten', das waren natürlich alle Fußballspieler und diejenigen, die mit ihnen herumhingen. Unser Schulfußballteam war eigentlich wirklich gut, aber die meisten Spieler waren ziemlich arrogant und nutzten einfach alles und jeden an dieser Schule aus, um ihre Beliebtheit nur noch weiter zu steigern. Dazu gehörte auch, kleinere und schwächere Schüler zu beleidigen und zu verprügeln.
Und zu eben diesen gehörte ich.

Mein Blick fiel auf eine kleine Gruppe von Jungs. Sie standen lässig herum und lachten zusammen, grölten und pfiffen jedem Mädchen nach, dass auch nur ansatzweise in ihre Nähe kam. Zumindest so lange, bis ihr Blick auf mich fiel.

Scheiße.

Ich drehte mich um und ging schnell in die andere Richtung los. Hastig verschwand ich um eine Ecke und verschwand in einem der Klos. Ich sperrte die Tür ab und setzte mich auf die geschlossene Toilette. Zitternd wartete ich.

Leise Schritte kamen näher und wurden immer lauter. Ich hörte wie sie nach mir riefen, doch ich gab keinen Mucks von mir. Die Knie an meine Brust gezogen, vergrub ich meinen Kopf darauf. Ich wollte nicht schon wieder von ihnen nieder gemacht werden.

Dann wurde die Tür zum Jungsklo aufgerissen. Mein Atem ging immer schneller und die Tränen standen mir hetzt schon in den Augen. Warum immer ich?

"Alter, ich glaub wir sind hier falsch. Die Schwuchtel wird wahrscheinlich im Mädchenklo hocken. Da passt es besser dazu.", meinte einer der Jungs und alle lachten.

"Du meinst, es glaubt, wenn es sich ins Mädchenklo hockt, dann braucht es keine Angst mehr vor uns haben, weil wir dann nicht wissen, dass es schwul ist?", lachte ein anderer. Ich krümmte mich noch kleiner zusammen, die Tränen liefen über meine Wangen nach unten.

Larry <3Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt