Kapitel 54: Kampfestrubel

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Fenris (p.o.v)

"... Zu wissen dass du geträumet hast,
beruhigt mein Herz im Nu"

Der Stimme seiner Angebeteten folgend, bahnte sich Fenris einen Weg durch den dichten Wald. Hinter ihm folgte seine Armee. Bis vor wenigen Sekunden hatte er sich nur an dem Geruch des Bösen orientiert, doch seine Frau war nicht dumm.
Ihre Stimme ging durch Wände, das wusste er aus Erfahrung, und deshalb erklang ihr Gesang selbst im tiefsten Wald wie ein leichter Frühlingswind.
Die Tatsache, dass sie es überhaupt sang beunruhigte ihn jedoch. Sie hatte es schon einige Male gesummt, wenn sie nervös war oder ihr etwas auf der Seele lag. Etwas stimmte nicht.
Seine Sorgen beiseite schiebend, folgte Fenris dem Mantra seiner Frau und schließlich trafen sie auf eine Ansammlung von Menschen. Nein, keinen Menschen, wie er am Geruch feststellte. Unsterbliche.
Er musste keine Befehle geben, denn sein Gefolge wusste was zu tun war. Jeden töten, um jeden Preis.
Die kleine Gruppe war schnell außer Gefecht gesetzt und einer der Wölfe blieb zurück, um ein Feuer zu entzünden und die Körper zu verbrennen. Alles was Fenris nun tun musste, war ihrer Fährte zurück zu dem Punkt zu folgen, an dem sie losgegangen waren. Dabei lauschte er immer wieder der Stimme seiner Geliebten. Der Gesang wurde mit jeder Minute die verging abgehackter und verzerrter. Was war nur los? Folterten sie sie etwa? Oh nein, das würden sie nicht wagen. Wenn dem so wäre würde Fenris sie alle in der Luft zerreißen wie frisches Fleischkonfetti.

"Fenris, ich habe erledigt worum du mich gebeten hattest" ertönte Louis Stimme in seinem Kopf.

"Gut. Überlasse den Rest dem Schlosspersonal und komm nach. Unsere Spur wird nicht schwer zu folgen sein"

"Ja, Alpha"

Louis würde nachkommen und hoffentlich noch einige Wölfe die sich ihm auf seiner Reise angeschlossen hatten. Er war erstaunlich schnell gewesen, aber das kannte man ja so von ihm. Er war schon immer der schnellste gewesen, nur deshalb hatte Fenris ihm diesen Auftrag anvertraut.
Ein Schmerzensschrei hallte durch den Wald und Fenris Beine versagten den Dienst. Er machte Bekanntschaft mit dem Waldboden und das auf eine höchst unschöne Art. Über seine eigenen Pfoten war er gestolpert vor Schreck. Ein weiterer Schrei.
Charles und Shawn hatten zu ihm aufgeschlossen.
"Fenris, was ist los?" fragte Charles besorgt.
"Sie hat Schmerzen. So furchtbare, furchtbare Schmerzen" jaulte er.
"Sohn, wir müssen weiter" meinte Shawn und versuchte ihn wieder auf die Beine zu hieven.
"Das ist meine Schuld. Ich bin Schuld"
"Jetzt verzweifle nicht. Lucia ist ein starkes Mädchen. Ich muss das wissen, sie ist meine Tochter" versicherte Charles und half Shawn dabei ihn endlich wieder auf die Beine zu stellen.
"Fenris, willst du, dass deine Frau leidet? Oder willst du, dass der Mann leidet, der ihr das antut?" fragte Shawn sachlich.
Schwer atmend lauschte er dem erneuten Schreien seiner Frau. Dieser Bastard!
"Er soll sterben für das was er getan hat!"
Die kurze Zeit der Verzweiflung war vorüber. Mit erneuter Kraft preschte er durch den Wald, folgte den rufen seine Gefährtin, seinem Herz, seiner Seele.
Und als er endlich das Haus sah, versteckt an einem Hügelkamm zwischen dichten Buchen, erfüllte ihn ein solcher Zorn, dass er gleich dem ersten Unsterblichen im Sprung den Kopf ab riss und sich sofort auf den nächsten stürzte.
Es waren viele. Hunderte, die sich um die kleine Hütte versammelt und ihr Camp aufgebaut hatten. Fenris hatte fast schon Angst, dass es zu viele wären, doch als er sah wie schnell und effizient seine Armee einem nach dem anderen den Kopf ab biss, schöpfte er tatsächlich Hoffnung.
Er wollte so schnell wie nur irgend möglich zu der Hütte, Mephisto töten und seine Frau befreien. Doch als er sich zum Häuschen durchzukämpfen versuchte, stürzten sich gleich zwei dieser Untoten auf ihn. Einer umschlang seinen Hals, versuchte ihm die Luft abzudrücken, wenn nicht sogar das Genick zu brechen, und der andere klammerte sich an seinen Rücken und vergrub die langen krallenähnlichen Fingernägel in sein dichtes Fell. Wie verrückt geworden versuchte Fenris sich aus ihrem Griff zu befreien, doch gegen zwei konnte er nicht ankommen. Wenn er einen fast abgeschüttelt hatte, krallte sich der andere noch stärker fest und beanspruchte seine Aufmerksamkeit. Ein Teufelskreis.
Die Erleichterung kam, als der Unsterbliche an seinem Hals plötzlich weggerissen wurde und Fenris dem anderen mit etwas Geschick den Kopf noch auf seinem Rücken entfernte. Voller Hoffnung sah er zu dem Wolf der ihm gerade das Leben gerettet hatte, erwartete den schnellen Louis, der es mal wieder in Rekordzeit geschafft hatte, doch dem war nicht so.
"Was hat deine Meinung geändert?" fragte Fenris den braunen Wolf, der dem Untoten gerade den Gar ausmachte.
"Ein sehr weiser Wolf sagte mal zu mir "Ob Halb- oder Vollblut. Gefährten sind für's Leben". Das war dein Vater"
"Und was hat das damit zu tun?"
"Du willst wirklich dass ich es ausspreche oder?"
"Aber unbedingt"
"Selene ist ein Halbblut und du weißt das du beschissener...!"
"Schon gut, schon gut" lachte Fernis "Ich schulde dir etwas, Luke"

"Geh deine verkorkste Familie retten du verdammter Wichser" grinste Luke.

WerwolfsblutGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt