Kapitel 56: Das schwarze Kind

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Fenris (p.o.v)

Der Kampf schien kein Ende zu finden. Ein Untoter nach dem anderen fiel, die Zerstückelten Körper wurden von einigen Wölfen eingesammelt und auf große Feuer geworfen, die Louis mit seinen Nachzüglern entzündet hatte. Doch es wurden immer mehr.
Erst als der Kampfeslärm erstarb, bemerkte Fenris den Mann, der auf die Veranda des kleinen Häuschens getreten war. Seine Aura strahlte pures böses aus. Neben ihm standen zwei Untote und... Jack?
Ihm blieb keine Zeit sich zu wundern, denn das strampelnde Bündel, das Mephisto, so glaubte er, in den Armen hielt, wollte patu nicht aufhören zu quengeln und zu schreien.
Sein Sohn.
Der Duft eines Neugeborenen wehte zu ihm herüber. Ihn erfüllte ein solcher Stolz und ein solcher Horror zur gleichen Zeit. Dieses Kind war das seine und damit der Untergang seiner Rasse. Aber das würde ihn nicht davon abhalten ihn diesem Mann wegzunehmen.
"Lass meinen Sohn gehen!" schrie er und stellte sich in Menschengestalt vor den Unsterblichen, der ihn anderweitig nicht verstanden hätte.
"Das glaube ich kaum" sagte Mephisto und hielt das Baby mit gestreckten Armen vor sich, sodass Fenris seinem Sohn direkt in die Augen sehen konnte "Töte diesen Mann, mein Prinz!"
Erschrockene Stille herrschte. Einige der Wölfe wirkten verängstigt, andere gar erwartungsvoll. Doch es geschah nichts. Fenris spürte keine Kräfte auf ihn wirken. Stattdessen...
"Abuabuabu" lallte der Junge.
Fenris meinte von einigen Weibchen ein kleines "aww" zu vernehmen, ging aber nicht weiter darauf ein.
"Was soll denn das? Töte diesen Mann du unnützes Baby!" schrie Mephisto.
"Nananana"
"Du sollst deine Kräfte einsetzen!"
"Aaaaaaaaaha" lächelte das Baby vergnügt, schien Spaß an der Verzweiflung des Mannes zu haben, der es hielt.
"Warum passiert denn da nichts?"
"Ich glaube da weiß ich weiter"
Lucias schlanke, durch die Geburt deutlich geschwächte Gestalt tauchte in der Tür auf. Fenris wollte schon fast zu ihr laufen und sie stützen, traute sich jedoch nicht, da Mephisto noch immer seinen Sohn fest im Griff hatte.
"Wie habt Ihr Euch aus den Fesseln befreit?" staunte dieser.
"Das ist unwichtig. Jedenfalls für den Moment. Die Sache ist die. Mein lieber Junge ist gar nicht in der Lage Fenris zu töten, denn er ist sein Vater. Außerdem bestimmt er selbst wen er tötet und wen nicht"
"Das werde ich ihm schon noch einbläuen"
"Aber aber, mein Lieber. Das ist noch nicht alles. Ihr habt nur die Hälfte des Puzzles" lächelte Lucia.
"Wie meinen?"
Erst da fiel Fenris das zweite Bündel auf, das Lucia so fest umklammerte.
Ein zweites Kind.
Im Gegensatz zu dem dunklen Jungen mit sowohl Haaren als auch Augen in schwarz den Mephisto hielt, strahlte dieses Kind weiß wie Schnee. Das Haar noch ganz flaumig und weiß, genauso wie ihre Augen. Sie glühten, nein strahlten wie weiße Eiskristalle.
"Was soll den...?"
"Ein zweites Kind?"
"Was bedeutet das jetzt?"
Gemurmel wurde laut, doch alles erstarb als Lucia weiter sprach.
"Shawn, du kennst die Prophezeihung doch sicherlich auswendig. Sag sie bitte laut vor"
"Aber natürlich" sagte Shawn.

"In ferner Zeit, wenn Krieg herrschet und versiegt, wird aus Gefährtenband geboren die Macht eines Königs auserkoren. Zu vernichten die Rasse diese Macht gedacht. Wenn Tag und Nacht vereint, gebt besonders gut acht"

"Tag und Nacht, schwarz und weiß. Aus Gefährtenband geboren, mit dem Blut eines Königs in den Adern. Unsere Vorfahren sahen genau dieses Szenario hervor. Sie wussten was geschehen würde und haben etwas eingebaut, das nur eine Mutter gänzlich versteht. Die Rasse, um die es geht, ist nicht die der Werwölfe, sondern die der Unsterblichen" sagte sie.
"Nein, das ist unmöglich" schnaubte Mephisto.
"Seid Ihr Euch sicher? Seht ihm in die Augen und sagt mir, dass Ihr nicht völlig eingenommen werdet von seinem Blick"
Mephisto tat wie geheißen und es stimmte. Er wirkte wir erstarrt, als er dem kleinen Mann in die Augen sah und als er dann in sich zusammenklappte, schnappte Jack sich schnell den kleinen Jungen, ehe er zu Boden fiel.
"Was geschieht mit mir?"
"Er hat Euch eure Unsterblichkeit genommen. Euer alter holt Euch ein" sagte Lucia und tatsächlich.
Mephistos Haut wurde faltig und er wurde immer schlanker und knochiger.
"Ihr habt keine Chance. Euer Leben war zu lang um das hier zu überleben" meinte Lucia und in diesem Moment, zerfiel der Rest von Mephisto zu Staub.

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