Kapitel 27: Vergangen

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Fenris (p.o.v)

Fünf Jahre zuvor
Standort: Ruine des Mondlichts

Aufgeregt rannte Fenris mit schnellem Pfotenschritt die Treppe des alten Tempels hinauf in die Haupthalle.
Die Blicke der andern Werwölfe ignorierte er gekonnt und lief auf seinen besten Freund zu.

"Louis! Louis!" Rief er und bremste stark ab, konnte aber dennoch nicht verhindern den sandfarbenen Wolf anzurempeln.

"Hey, was..." fing Louis an zu fluchen, hielt jedoch inne und starrte Fenris an.

Fenris hob stolz das Kinn und ließ sich von seinem Freund mustern. Er war unglaublich stolz auf sein schwarzes Fell und seinen starken Körperbau. Sein Onkel hatte ihn als Alphareif beschrieben.
Was auch immer das bedeutete.

"Fenris? Bist du das?" Fragte Louis nach einem ausgiebigen Schnuppern.

Eifrig nickte dieser und sprang wie ein junges Fohlen um seine Mutter um Louis herum. Dieser sah ihn nur belustigt an.

"Louis, mein Onkel hat mich verwandelt. Jetzt kann ich endlich so sein wie Vater es immer von Hamish erwartet hat" Jubelte er erfreut.

Hamish.
Sein großer Bruder und geborener Werwolf.
Er war der ganze Stolz ihres Vaters gewesen, bis er sich selbst von einer Klippe gestürzt hatte, weil seine Seelenverwandte ihn nicht akzeptiert hatte.
Das war der Grund weshalb Fenris niemals eine Gefährtin haben wollte. Eine Frau würde ihn doch niemals vergessen lassen wer er war.
So ein Schwachsinn!

"Louis" ertönte die wohlbekannte Stimme von Hamish's bestem Freund.

"Oh, sei gegrüßt Beta Luke" begrüßte Louis den braunen Wolf und neigte respektvoll den Kopf.

Fenris tat es ihm sofort nach.
Immerhin musste er sich so schnell wie möglich an das Leben als Werwolf gewöhnen. Also musste er auch ihre Gebräuche lernen.
Luke sah ihn verwirrt an, weshalb Fenris schüchtern zu Boden sah. Seine bisherigen Erfahrungen mit dem Beta Luke, waren immer in menschlicher Form gewesen. Doch jetzt in Wolfsgestalt war er noch furchteinflößender als sonst.

"Fenris, was für eine... unverhoffte Überraschung dich als Wolf zu sehen. Hat dein Vater dich verwandelt?" Fragte er.

"Nein, Sir. Mein Onkel" antwortete Fenris respektvoll.

Luke nickte nur und wandte sich dann wieder Louis zu, der alles nervös beobachtet hatte.

"Komm Louis, du solltest nicht mit Halbblütern rum hängen. Das schadet deinem Ansehen" meinte Luke spöttisch.

Halbblut.
Genau das war Fenris. Ein Halbblüter. Als zweiter Sohn eines Werwolfs und einer normal Sterblichen, trug er zwar das Werwolfsblut in sich, konnte sich aber nicht verwandeln.
Sein Schicksal war es für immer ein Mensch zu bleiben, jedoch war sein Vater von Hamish's Tod so erschüttert gewesen, dass sein Bruder, Fenris' Onkel, sich dafür entschied ihn zu verwandeln.

"Ich verstehe nicht" sagte Fenris etwas verwirrt, doch Luke schien ihn nicht mal zu beachten.

"Louis, bedenke doch wie entsetzt all die anderen sein werden, wenn sie herausfinden, dass dein zukünftiger Beta ein... Halbblüter ist" fuhr er fort und sah Fenris abwertend an.

"Fenris wird kein Beta" ertönte die Stimme seines Vaters.

"Alpha Shawn!" Riefen sie erschrocken und verneigten sich tief vor ihm.

Shawn hatte genau wie sein Zwillingsbruder Tranon und seine beiden Söhne rabenschwarzes Fell und diese stechend gelben Augen.
Tranon, Fenris' Onkel, stand direkt neben seinem Bruder und sah auf Fenris hinab. Seine Augen strahlten Stolz aus.

"Fenris wird ein Alpha werden. So wie es für seinen Bruder vorhergesehen war. Wenn du zustimmst, Louis, wirst du sein Beta sein. Du wirst an seiner Seite über den Wald regieren den er nach seinem Training übernimmt" meinte er an Louis gewandt.

Louis' Blick erhellte sich und er sah Fenris tief in die Augen. Sie strahlten voller Hoffnung und Freude. Natürlich würden sie beide zustimmen, immerhin waren sie beste Freunde.

"Louis" sagte Luke und sah ihn vielsagend an.

Louis zögerte plötzlich.
Was, was hatte er denn plötzlich? Sie waren beste Freunde und hatten sich schon in frühen Jahren ewige Freundschaft geschworen.

"I-ich kann nicht" stotterte Louis dann und sah zu Boden.

"Deine Entscheidung" sagte Tranon gelassen, doch in seinen Augen funkelte Enttäuschung.

Fenris sah zu seinem besten Freund, der weiterhin nur den Boden des alten Tempels anstarrte. Seine Ohren waren angelegt sein Kopf gesenkt.
Er wirkte... traurig.

"Komm Fenris, ich und dein Vater haben ein ungenutztes Revier ein paar Tage entfernt gefunden. Wir hatten es eigentlich für deinen Bruder vorgesehen, aber da er nicht mehr unter uns weilt, wirst du es übernehmen" erklärte sein Onkel und schob ihn Richtung Ausgang.

Fenris war wie erstarrt und rührte sich nur wenn sein Onkel ihn an stieß. Sein Blick war starr auf seinen Freund gerichtet.

"Louis?" Flüsterte er leise, doch dieser wandte sich nur traurig ab.

Wütend kniff Fenris die Augen zusammen und wandte sich ab. Lief nach draußen, wo er auf seinen Onkel wartete.

"Gehen wir. Hier hält mich nichts mehr" sagte er zu ihm und überließ seinem Onkel die Führung.

Nie mehr.
Nie mehr würde Fenris Gefühle zeigen.
Nie mehr.

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