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41|den Gefühlen freien Lauf lassen? Nicht Meghans Geschmack

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Meghan

„Du kannst nicht einfach in mein Leben platzen und es ruinieren!", rufe ich aufgebracht in mein Smartphone während ich durchs Zimmer tigere. „Aber Pr-"
„Lass es!", unterbreche ich ihn schneidend und ziehe die Schultern hoch,„Ich wollte all diese Jahre nichts mehr mit dir zutun haben und jetzt kommst du daher und erzählst herum, dass ich verhaftet wurde! Das stimmt ja nicht einmal!" Aber das kann er ja nicht wissen. Er kennt nur die Versionen, die er über die Nachrichten und Anwälte gehört hat.
Ein Kloß bildet sich in meinem Hals und ich versuche es verzweifelt herunterzuschlucken.
Gestern habe ich meinem Vater keinen Besuch abgestattet, weil ich darüber nochmal eine Nacht schlafen wollte statt alles an ihm auszulassen, aber als ich vor einer Stunde aufgestanden bin war all diese aufgestaute Wut in mir und ich habe seine Nummer gewählt. Er ist gleich beim ersten Klingeln drangegangen und ich habe ihn sofort angefaucht.
„Mein Leben läuft endlich wieder gut und ich konnte alles hinter mir lassen, warum musst du denn wieder kommen?", frage ich wütend und fahre mir mit meiner zittrigen Hand durch die Haare,„Hast du nicht daran gedacht, dass ich dich gar nicht mehr brauche?" Es macht es so viel einfacher, dass ich ihn nicht sehe. An der anderen Leitung ist Totenstille und einen Moment denke ich er hat tatsächlich aufgelegt, doch dann höre ich ihn Luft holen.
„Es tut mir leid. Ich dachte er wüsste es." Bei seiner zurückhaltenden Tonlage zieht sich etwas schmerzhaft in mir zusammen. Bin ich zu gemein? Verdammt, nein, er hatte mein Leben beinahe wieder ruiniert!
„Was lässt dich das denken?", verlange ich zu wissen. „Er hat mich auf meine Verhaftung angesprochen und dass ich dich damit verletzt habe und da dachte ich du hättest Logan alles erzählt. Mein Fehler.", berichtet er aufrichtig und ich schlucke schwer gegen den Kloß an. Ich will das nicht mehr. Es funktioniert nicht, wenn meine Vergangenheit und Gegenwart kollidiert.
„Lass mich von nun an einfach in Ruhe.", verlange ich ruhig und höre ihn auf der anderen Seite der Leitung stocken. „Prinzessin." Ich schüttle den Kopf und blinzle gegen die Tränen an.
„Ich bin die letzten viereinhalb Jahre ohne dich ausgekommen und das schaffe ich für den Rest meines Lebens auch.", behaupte ich mit Überzeugung. Ich wünschte nur ich würde mir auch selbst glauben. „Also verschwinde aus-..."
„Nein, Meghan. Ich bin dein Vater, ich werde nicht gehen.", fällt er mir ins Wort und ich kann nicht sagen, ob er entsetzt oder aufgebracht klingt. Vielleicht ja beides. „Wir haben bereits so viel Zeit miteinander verloren und ich will nicht noch mehr-..."
„Das hast du dir selbst zuzuschreiben, Dad! Deine Gier nach Geld hat dich deine einzige Tochter gekostet und jetzt zahlst du den Preis!", rufe ich und meine Unterlippe zittert,„Lass mich in Ruhe und komm nie wieder hierher! Ich will dich nie wieder sehen!"

Schnell lege ich auf und werfe mein Smartphone auf mein Bett. Ich bin so geladen, doch ich muss meine Gefühle unter Kontrolle halten. In einer Stunde schreibe ich meine Prüfung und muss gedankenlos darangehen können. Zuerst hole ich mir einen Kaffee im Café auf dem Weg und setze mich bei dem guten Wetter irgendwo hin und schüttle alles von mir ab bevor ich so weitermache wie bisher auch. Nämlich ohne meinen Vater.
Ein Teil von mir fühlt sich schlecht, weil ich ihn angeschrien habe, doch der andere -der größere- ist zu wütend auf ihn, als dass es mir leidtun könnte.
Ich hebe meinen Rucksack, lasse mein Smartphone liegen und ziehe die Tür auf, als plötzlich Logan dahinter steht. Erschrocken trete ich zurück und er schaut mich mit großen Augen an.
„Hast du gerade deinen Dad angeschrien?", fragt er geradeheraus und ich bemühe mich darum meine Emotionen im Keim zu ersticken. „Ja.", gebe ich offen zu und will an ihm vorbei, doch Logan zieht mich zurück und ins Zimmer hinein bevor er die Tür hinter sich zufallen lässt. „Was machst du denn? Ich schreibe gleich eine Prüfung.", teile ich gereizt mit und zeige auf die Tür, weil ich genau dort jetzt hindurch will, doch er versperrt mir den Weg.
„Wieso hast du ihn angeschrien?", fragt Logan und ich lege den Kopf in den Nacken, schließe die Augen und atme einmal tief durch. Reiß dich zusammen, Meghan. Ich muss bloß all die negativen Gefühle von mir schütteln sonst werde ich auch Logan gleich anschreien und das möchte ich nicht. Als ich ihn wieder ansehe bin ich wieder bei meiner gefühllosen Ruhe und kann atmen ohne das Gefühl zu ersticken.
„Er hätte sich nicht einmischen und dir davon erzählen sollen.", antworte ich monoton und Logan zieht die Brauen so weit hoch, dass sie fast seinen Haaransatz berühren. „Ach, du wolltest mir gar nicht erzählen, dass du nach deinem Treffen mit Daniel einen Fotografen geschlagen hast?", fragt er entsetzt und ich werfe die Arme in die Luft. Das ist frustrierend. Ich will jetzt gehen und meinen Kaffee holen!
„Vorerst nicht, nein! Das- Warte mal. Hast du gerade Danny gesagt?", sprudelt es aus mir während ich noch denke und schaue ihn irritiert an während sich die Rädchen in meinen Kopf drehen. Logans Gesichtsmuskeln lockern sich und er sieht ertappt aus.
„Äh.. Ja.", sagt er zögerlich und ich kneife die Augen enger zusammen. „Woher weißt du, dass ich mit ihm war?", hake ich nach und er blickt flüchtig an die Seite, wie immer, wenn er nervös ist.
„Das hast du gestern gesagt.", behauptet er. Will er mich verarschen? „Das habe ich nicht.", stelle ich klar und blicke ihn geschockt an, als mir klar wird woher er weiß, dass ich mich damals mit meinem Exfreund im Café traf, weil ich aus seinem Mund hören musste, dass er mich verließ.
„Ich glaub's nicht! Du hast es recherchiert, oder?", rufe ich aus und Logan schweigt, denn das hat er. Er hat mich recherchiert bevor er mich gefragt hat. Und ich Idiotin dachte, er würde sich an mich wenden und mit mir reden. Wie es aussieht, kann man wohl doch niemandem vertrauen. Ich glaube es einfach nicht. Erst gestern habe ich ihm noch voller Überzeugung gesagt, dass ich ihm vertraue und es auch so gemeint und er hat meine Geschichte im Internet gesucht ohne, dass ich mich rechtfertigen und es ihm erzählen konnte.

DREAM SCOREGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt