32. Eintrag

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Meine Mutter ist vor 10 Jahren gestorben, als ich 4 war. Seit dem ging alles bergab. Mein Vater fing an zu trinken, wir hatten ein halbfertiges Haus, Schulden in Riesenbeträgen und er hat sein Führerschein verloren. Mit andern Worten er war unfähig ein Kind zu erziehen. Ich lebte in München bei seinem besten Freund und dessen Frau. Etwa 400km von unserem Zuhause weg. Ich wurde 3 Jahre lang von einem Bekannten zum nächsten Kollegen geschoben, war vielleicht 3 Tage im Jahr im Kindergarten. Bevor ich in die Schule gekommen bin, hat mein Vater es geschafft sich zusammenzureißen. Er hat bis heute aufgehört zu trinken. Die Schulden sind abbezahlt, mein Vater ist einer der bestverdienensten Männer seiner Branche.. Aber niemand merkt, dass ich es nicht geschafft hab mich aufzuraffen. Ich leide noch immer darunter, dass meine Mutter ging und ich 3 Jahre kaum etwas von meinem Vater hatte. Ich erkenne meine Mutter zwar auf Bildern, aber das war es auch schon. Ich weiß rein gar nichts mehr. Ich weiß nicht, welche Macken sie hatte. Ich kann mir aus dem Kopf nicht vorstellen, wie sie aussah. Ich weiß nicht, ob sie jemals vor mir geweint hat. Aber das schlimmste ist, ich habe vergessen wie ihr lachen klingt. Ich liebe eine fremde Frau, die letztendlich doch vom Krebs zerfressen wurde. Ich habe Nacht für Nach Abträume, in denen sich immer wieder dieselbe Szene abspielt. Der einzige Erinnerungsfetzen, den mein Gedächtnis noch wiedergeben kann, wiederholt sich immer und immer wieder. Es ist ein etwa 5sec länger Fetzen, der In Zeitlupe vor meinen Agen abläuft. Auf Dauerschleifen-Modus. Bis ich irgendwann schweißgebadet aufwache und weine. Es ist der Moment in der Nacht als meine Mutter starb. Mein Papa hatte mich in eine Decke eingewickelt und trug mich aus dem Haus zum Auto meiner Großeltern.

Ich habe durch die ganzen Menschen im Whnzimmer meine Mutter liegen sehen. Tot, Augen geschlossen, kein Atem.

Dazu kommt, dass man meine Stiefmutter und ihren Sohn -wenn ihr Dummheit googelt, findet ihr ein Bild von ihm- als Mondter bezeichnen kann. Sie benutz mich als ihren Sklaven, lässt mich ihre Aufgaben machen und lässt sich dann von meinem Vater dafür loben. Der checkt natürlich nichts.

Alle meine Freunde kennen mich als das fröhliche, verrückte, hyperaktive Mädchen mit der großen Klappe, aber das in einfach nicht ich. Ich mag zwar verrückt sein und eine große Klappe haben, aber ich bin keinesfalls glücklich. Diese Maske aus Fröhlichkeit und Optimismus ist einfach nur eine aufgesetzte Schutzmauer, die langsam anfängt zu bröckeln. Nur meine beste Freundin weis wie es dahinter aussieht und ich habe Angst, dass meine Freunde sich on mir abwenden, wenn sie wissen wie ich wirklich bin. Wenn sie merken, dass der Optimismus in Person die Freude am Leben schon fast verloren hat. Ich sehe keinen Sinn mehr in meinem jämmerlichen Dasein von Leben. Ich mache nur noch für meine Mutter weiter. Ich will, dass sie stolz auf mich herabsieht und ihren Mitmenschen von da oben zeigt, dass ich ihre Tochter bin und dabei fast platzt vor Freude und Stolz. Ich möchte einfach für sie weiterleben. Ich weiß bloß nicht ob ich dem Druck standhalte oder ob meine Mauer zerbricht und ich den Menschen meinen Stein von Herz zeige. Ich habe Angst vor der Reaktion. Vor der Zukunft. Was wenn ich auch Krebs bekomme? Oder mein Vater auch stirbt? Wenn meine Freunde mich verlassen? Wenn ich alleine sein werde?

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