22. Kapitel

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Dieses mal erwachte ich vor Sonnenaufgang, zum Glück. Ich machte mich schnell fertig und lief dann wieder zum Haus des Rates. Vor diesem wartete dieses Mal ein Mann auf mich. Es war der Mann, der nicht glauben konnte, dass ich Raphael trotz des Bisses widerstehen konnte. Er begrüßte mich lächelnd. „Heute werden wir uns weiter deiner Gedankenkraft widmen. Denn diese wirst du brauchen, um in deine Welt zu reisen. Wenn du deine Gedankenkraft bändigen kannst, werden wir uns anderen Hexereien widmen." offenbarte er mir sein vorhaben und deutete mir ihm zu folgenden. „Warum helft ihr mir überhaupt? Ihr könntet mich einfach zurück zu Raphael schicken." fragte ich ihn und folgte ihm. Wir liefen in den Wald hinein, aber nicht an der gleichen Stelle, wie gestern. Er führte mich wohl an einen anderen Ort. „Du bist eine von uns. Es ist unsere Pflicht alle Hexen auszubilden. Außerdem wäre Raphael geschwächt, wenn du nicht mehr hier wärst." meinte der Mann. Wir liefen dichter in den Wald. Die Vögel haben schon zu zwitschern begonnen. Einer sang lauter als der andere. So intensiv hatte ich die Vögel noch nie gehört. „Und wieso wollt ihr Raphael schwächen?" hackte ich nach. Ich verstand diese Welt einfach nicht. „Raphael ist ziemlich mächtig und wir denken er hat ein Bündnis mit den Vampiren. Wir sind nicht aus auf Krieg, aber wollen unsere Ruhe. Deshalb auch der Schutzwall. Alle die hier leben sollen in Sicherheit sein. Raphael weiß, dass du hier bist. Das heißt er sucht nach einem Weg hier rein. Irgendwann wird er ihn auch finden. Jeder Zauber hat seine Schwächen, so auch unserer. Aber so schnell wird Raphael keinen Weg zu uns finden. Aber das heißt, dass du in spätestens drei Tagen vielleicht auch schon früher zurück zu ihm musst. Wir können die Sicherheit von den Leuten hier nicht riskieren. Alles was wir tun können um dir zu helfen, ist dir beibringen deine Kräfte zu bändigen. Aber auch das werden wir in diesen Tagen nicht schaffen." erklärte mir der Mann. Ich wollte nicht zurück zu Raphael. Nicht einmal daran denken wollte ich. Er wird sauer sein, sehr sauer, dass ich abgehauen bin. Ich hatte Angst davor ihn wieder zu sehen. Ich könnte von hier abhauen. Doch wohin? Ich denke nicht, dass ich alleine überleben könnte. Ich möchte noch nicht sterben. Das einzige, was mir helfen konnte, war diese Hexerei. Ich muss es lernen. Andernfalls bin ich allen Wesen hier schutzlos ausgeliefert. Der Mann, dessen Name ich immer noch nicht wusste, führte mich immer tiefer in den dichten Wald. Bis er an einer kleinen Lichtung halt machte. „Fangen wir an. May war gestern nicht wirklich begeistert von deinen Fähigkeiten." gab er zu und betrachtete mich gründlich. „Deshalb möchte ich, dass du mir zeigst, was du gestern von ihr gelernt hast. Lass etwas hier schweben. Sortiere deine Gedanken."
Ich nickte als Zeichen, dass ich ihn verstanden hatte. Ein mittelgroßer Stein zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich musterte ihn etwas genauer. Er hatte etwa die Größe von einem Fußball. Rund um mich herum versuchte ich alles auszublenden, das Zwitschern der Vögel, den laut atmenden Mann neben mir, das Rauschen eines Baches, der hier in der Nähe sein musste. Bis es nur noch mich und diesen Stein gab. All meine Gedanken waren bei diesem einfachen Stein. Meine Augen schloßen sich dann wie von selbst und ich spürte, wie sich die Energie in meinem Körper aufbaute. Dies geschah schon schneller und einfacher, wie gestern. Ich konnte auch spüren, dass meine Energie zu dem Stein floss. Es geschah, wie von selbst. Meine Augen öffnete sich und blickten auf den Stein herab der wackelnd am Boden lag. Doch ich gab nicht auf. Ich ließ einfach weiter geschehen, was geschah. Die Energie, die mein Körper in sich hatte durchfloss mich und übertrug sich auf dem Stein, welcher immer fester zu wackeln begann. Bis er sich dann langsam vom Boden hochhob. Dieses Mal entfachte kein Feuer. Der Stein löste sich aber in Sand auf und bröselte vor mir auf den Boden. „Das ist sehr interessant." sagte der Mann. Er hatte mich die ganze Zeit beobachtet und blickte nun auf den Sand, der am Boden lag. Vorsichtig wendete ich mich ihm zu. Darauf gefasst, dass er mich wie May gestern etwas wütend musterte. Dem war aber nicht so. Er war interessiert, wie er auch schon sagte. „Versuch es nochmals, ohne dabei das Objekt zu zerstören. Wir Hexen sind naturverbunden. Wir zerstören nicht. Du scheinst viel Energie in dir zu haben. Nur so kann ich mir das erklären. Normalerweise gelingt es den Anfängern noch nicht die Objekte weiter als zwei Zentimeter über dem Boden schweben zu lassen. Bei dir ist es mehr wie ein Meter und dann entfacht, wie May mir berichtete Feuer oder wie eben du zerstörst einen Stein. Ich möchte, dass du das nächste, was du empor heben wirst ganz lässt, hast du mich verstanden?" fragte er mich. Ich bestätigte ihm, dass ich verstanden hatte und wendete mich einem Blatt zu. Es verlief, wie die male zuvor das Blatt verbrannte. Der Mann sah mich nachdenklich an. „Du hast zu viel Energie. Das wird so nichts du musst lernen deine Energie zu kontrollieren." meinte er dann zu mir. Lustlos ließ ich mich auf den Boden fallen. Ich war begeistert von meinen Kräften aber, dass die anderen, das nicht waren störte mich. Sie nörgelten nur rum. Vor nicht mal zwei Wochen wusste ich nicht mal, dass Hexen existierten und jetzt konnte ich Dinge, die ich für unmöglich hielt. Aber das war ja immer noch zu wenig. „Ich möchte, dass du jetzt zehn Minuten im Wald rennen gehst und dann wieder herkommst. Vielleicht hilft dir das etwas." Argwöhnisch musterte ich ihn. „Auf gehts. Du musst lernen deine Kräfte zu bändigen. Wir brauchen einen Weg, wie du es lernst und den bekommen wir nur, wenn du es probierst. Also lauf los."
Seufzend erhob ich mich vom Boden und warf dem Herrn noch einen Blick zu bevor ich mich von ihm weg drehte und losrannte. Ich hatte keine Ahnung, wo ich lang rannte deshalb bannte ich mir Kreuz und quer Wege durch den Wald. Zum Glück hatte ich nicht eine ganz schlechte Kondition und konnte deswegen anfangs ziemlich gemütlich joggen. Doch mit der Zeit beschleunigte sich meine Atmung und ich tat mir immer schwerer weiter zu laufen. Also beschloss ich zurück zum Trainingsplatz zu kehren. Im Augenwinkel nahm ich allerdings eine Gestalt war, die auf mich zu kam. Ich wandte mich ihr zu und erkannte schließlich Erika. „Silvester! Was machst du mir?" fragte sie mich sofort als sie bei mir angekommen ist. „Ich bin geflohen. Was ist mit dir? Wieso bist du hier?" wollte ich von ihr wissen. „Ich bin eine Hexe. Meine Familie lebt hier. Wieso bist du abgehauen? Raphael braucht dich. Ich dachte ich hätte dir das klargemacht." meinte sie und sah mich etwas angepisst an. „Dein verschwinden hat mir die Möglichkeit gegeben auch abzuhauen. Raphael hat dich gesucht und war mal nicht auf mich fokussiert, das hab ich ausgenützt. Und wenn ich Raphael was Wert wäre, hätte er mich anders behandelt. Du kannst gerne wieder zurück zu ihm. Ich will nichts von ihm." rechtfertigte ich mich. Sie musterte mich etwas wütend und packte meinen Arm. So schnell sie ihn gepackt hatte riss ich ihn wieder los. „Was soll das?" fauchte ich sie nun wütend an. „Ich mache das einzig Richtige hier und bringe dich zurück zu Raphael. Ich fasse es nicht, dass du unbemerkt hierum wandern konntest. Allerdings riskiere ich nicht für dich die Sicherheit meiner Familie. Wenn Raphael einen Weg hier reinfindet, haben wir Krieg und das alles nur wegen dir. Raphael möchte nichts lieber als die Hexen unter seiner Kontrolle. Diese unterschätzen ihn. Er wird einen Weg hier rein finden. Deshalb wirst du jetzt zurück zu ihm gehen. Der Rat wird auch so entscheiden, wie ich." wütete sie. „Ach ja? Der Rat will mich hier! Er will mir helfen." schrie ich sie nun an. „Nicht mehr lange." fauchte nun sie und wollte mich wieder am Arm packen. Doch ich wich zurück.
„Was geht hier vor sich?" fragte eine tiefe unbekannte Stimme.

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