Silvester schlief noch, als ich am nächsten Morgen aufwachte. Sie hatte sich gestern Nacht ohne Widerworte zu mir gelegt. Dies erfüllt mich mit Freude. Wenn ich ihr einfach genug Zeit lasse wird sie mich akzeptieren. Ich kann nicht anders als sie im Schlaf zu beobachten. Das ist der einzige Moment, in dem sie mich nicht abweisen kann. Vorsichtig strich ich ihr über die Wange. Ihre Haut war so weich. Ich hatte Angst, dass ich sie mit meiner rauen Hand verletze. Ihr Duft benebelte meine Sinne. Sie roch so gut. Lurx schnurrte in mir. Er genoss es so nahe bei Silvester zu sein. Genau so wie ich es genoß. Mit geschlossenen Augen war sie so friedlich. Leider war dieser Moment zu schnell vorbei. Denn als ich ihr noch einmal über die Wange streichen wollte, wachte meine Mate auf. Und gleich musterte sie mich wütend und beschimpfte mich. „Fass mich nicht an." schnauzte sie mich an. So war der friedliche Moment mit ihr vorbei. Lurx verkroch sich. Mich machte es wütend. Sie sollte nicht so abweisend sein. Ich wollte ihr endlich nahe sein. Mein Körper drängte mich dazu und Lurx auch. Silvester wusste nicht, wie viel Beherrschung es mich kostete, die von ihr gewollte Distanz zu wahren. Bald wird sie es wissen. Bald wird sie markiert sein. Ich hab Leute angesetzt zu erforschen, warum meine erste Markierung nicht gewirkt hat. Doch bis jetzt hat es noch niemand herausgefunden.
„Hör auf mich so anzustarren!" murrte Silvester und schaffte Platz zwischen uns. Ich ließ sie widerwillig gewähren. Sie war so stur, zu stur. „Silvester, dich anzustarren ist alles, was mir bleibt." sagte ich ihr. So war es ja auch. Erbärmlich war es, aber die Wahrheit. „Starr doch deine Verlobte an." schoss sie zurück. Dies ließ mich auflachen. Anastasia war nicht annähernd so hübsch wie meine kleine Mate. „Ich werde keine andere Frau jemals so anstarren, wie dich." stellte ich klar. Es war so schwierig mit ihr. Wieso bekam ich eine so komplizierte Mate? „Starr doch an wen du willst. Nur solltest du langsam mal verstehen, dass ich keinerlei Interesse an dir hege. Nur weil du jetzt auf guten netten König machst, heißt das nicht, dass sich meine Gefühle geändert haben." erwiderte sie währe sie aus dem Bett ins Bad verschwand und mich seufzend zurück ließ.
Silvesters Point of view
Angewidert wusch ich mir mein Gesicht. Was fällt ihm ein mich im Schlaf zu begrabschen? Ich hätte mich doch auf das Sofa legen sollen. Jetzt tut er plötzlich auf netten König. Aber nein danke. Nicht nach dem, was ich über Raphael weiß. Wenn er von Anfang an so mit mir umgegangen wär, hätte ich es wahrscheinlich nicht verhindern können, mich in ihn zu verlieben. Doch das hat er mir zum Glück erspart. Ich nahm mir extra viel Zeit im Bad, da ich wusste, wenn ich raus ging, war Raphael im Zimmer. Und auf das hatte ich einfach keine Lust. Deshalb verbrachte ich einfach über eine Stunde im Bad. Schaute in alle Schränke rein, wisch mich und starrte einfach nur vor mich hin. Irgendwann wurde mir dann doch so langweilig, dass ich die Badezimmertüre öffnete und ins Zimmer tritt.
Raphaels saß auf dem Sofa und sah gleich zu mir als ich aus dem Badezimmer trat. „Hast du Hunger?" fragte er mich als ob vorher nichts gewesen war. Er war es wahrscheinlich schon gewohnt, dass ich keine guten Worte für ihn übrig habe. Das klingt irgendwie hart. War ich doch zu hart zu ihm? Habe ich ihm wirklich keine Chance gelassen? „Silvester, alles in Ordnung?" holte mich Raphael aus meinen Gedanken, woraufhin ich schnell nickte. „Also hast du Hunger?" fragte er mich erneut. Wieder antwortete ich ihm nur mit einem Nicken und folgte ihm aus dem Zimmer in das Esszimmer. Die Bediensteten waren gerade dabei den Tisch zu decken und eilten hin und her. Wir setzten uns an den Tisch und warteten schweigend bis der Tisch fertig gedeckt war. Dann fingen wir an zu essen.
„Das mit deinem Zimmer tut mir leid. Es war keine Absicht." flüsterte ich leise und wagte es nicht in Raphaels Gesicht zu sehen. Die Worte kamen mir schwer über die Lippen, aber ich musste es sagen. Auch wenn er es irgendwo verdient hatte. Trotzdem musste ich es loswerden für mich. „Schon in Ordnung Silvester. Anastasia wird gleich nachdem Frühstück kommen und mit dir üben, damit so etwas nicht nochmals passiert. Ich weiß du magst es nicht, eingesperrt zu sein, aber ich muss dich in Sicherheit wissen. Ich muss wissen, dass es dir gut geht. Es ist mir wichtiger als alles andere. Auch wenn du das Thema nicht gerne hast, musst du wissen, dass ich dich immer unter Beobachtung haben muss bis ich dich wieder markieren kann." hält mir Raphael wieder mal einen Vortrag. Da mir keine Antwort darauf einfiel blieb ich einfach still. Wovon hatte er denn so Angst? Dass plötzlich jemand hereinspaziert und mich tötet, wenn er nicht da war?
Das Training mit Anastasia war anders. Sehr anders. Sie griff mich ständig an. Lies Steine auf mich zu donnern und schrie dann ich solle den Stein aufhalten. Davon hatte ich bloß nicht den geringsten Schimmer. Zum Glück bremste sie die Steine immer knapp bevor sie mich trafen immer ab. Es wurde immer knapper. Zwischen meinem Kopf und dem letzten Stein war kein Zentimeter Platz mehr gewesen. Mein Herz pochte seit über einer Viertelstunde ohne Pause mit enormer Geschwindigkeit gegen meine Brust. Ich spürte das Pochen meines Herzens in jeder Faser meines Körpers. Das Blut schoss durch meinen Körper und ich könnte schwören, dass mein Gesicht knallrot angelaufen sein musste. Meine Atmung ist unregelmäßig und gibt mir nicht das Gefühl genug Sauerstoff einatmen zu können. Nicht eine Sekunde ließ mich Anastasia verschnaufen. Schon raste der nächste Stein auf mich zu. Sie schrie mich an, ich solle mich konzentrieren. Doch dafür war ich schon zu fertig. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Ich sah wie der Stein auf mich zu raste. Dieses mal war er noch größer, wie der Stein davor. Mit der Geschwindigkeit, in der er auf mich zukam, würde er mir eine saftige Gehirnerschütterung verpassen. Ich war wie gelähmt vor Angst. Weder rannte ich weg, noch versuchte ich sonst mich zu retten. Der Stein kam immer näher. Zu nah. Viel zu nah. Anscheinend war auch Raphael, der beim Training zu sah der Meinung. Denn ich vernahm sein Knurren. Es war zu spät. Er konnte nichts mehr machen und ich auch nicht. Aber Anastasia. Sie hielt den Stein einen Millimeter vor meiner Nase und ließ ihn auf den Boden fallen.
„Das reicht für heute. Wir machen morgen weiter." sagte Anastasia, die schon weglief.
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In a different World
Fantasy„Mein König wir haben dieses Mädchen im Wald gefunden." mit diesen Worten verbeugten sich meine Entführer. Mein Blick war immer noch auf den Boden gerichtet, in dem ich am liebsten auf der Stelle versinken würde. „ALLE SOFORT RAUS HIER" schrie eine...
