31. Kapitel

7K 268 25
                                        

„Was haben dir die Hexen gesagt?" fragte mich Raphael schon zum unzähligsten Male. Ich gab ihm zum wiederholten Male keine Antwort. Ich sah ihm an, wie sehr er sich zusammenriss, nicht auszurasten. Lange wird es ihm nicht mehr gelingen seine Wut zurückzuhalten. Aber ich konnte ihm nicht meinen einzigen Plan verraten, den ich hatte um von hier wegzukommen. Dann wäre alles vorbei. Ich musste das Hexen erlernen. Ich will nach Hause. Wieso konnte ich nicht einfach meinen Mund halten?

„Silvester sag es mir! Wie willst du hier weggekommen?" schrie Raphael mich an. Seine Halsschlagader pulsierte. Seine Stimme zitterte vor Wut. Seine Augen wurden rot. Eigentlich sollte ich angst haben, habe ich auch. Meine Angst hier bleiben zu müssen, war jedoch größer. Ich konnte es ihm nicht sagen, aber etwas musste ich ihm sagen. Raphael wird nicht locker lassen. Mir musste schnell etwas einfallen.

„Raphael, die Hexen haben mir gesagt, dass mein Vater noch lebt." schluchze ich schauspielerisch. Es fiel mir nicht schwer Tränen vorzutäuschen. Eigentlich musste ich sie nicht vortäuschen, ich hatte Angst vor ihm und fühlte mich verunsichert. Ich hoffte, dass sich Raphael so beruhigt. „Das haben die Hexen gesagt? Weißt du Silvester, Hexen lügen, das habe ich gelernt. Du sagtest mir du bist nicht von dieser Welt. Wie soll dein Vater dann von hier sein?" fragte mich Raphael und lachte. „Die Hexen reimen sich da ja was zusammen. Glaub ihnen nicht Silvester." fügte Raphael noch dazu. Doch was sollte ich glauben? Wem sollte ich glauben? Ich habe mich bei den Hexen wohlgefühlt und jetzt hör ich plötzlich, dass sie much angelogen haben? Das konnte nicht stimmen. Sie haben mir geholfen. Und da gab es ja noch das Buch, das Bos mir gegeben hatte. Ich hatte es nicht mitgenommen. Es lag wohl noch bei Jax.

„Die Hexen haben mir Antworten gegeben! Ich habe mich dort wohlgefühlt. Sie haben mir geholfen. Ich hab dort sogar Freunde gefunden!" rechtfertigte ich. „Und außerdem haben sie mir einen Beweis gegeben. Es gibt eine Legende über meine Eltern. So ganz glauben kann ich das ganze ja auch nicht, aber es ist wenigstens ein Ansatz. Ich habe dort Antworten erhalten. Antworten, die du mir nicht geben hättest können. Mag ja sein, dass ihr euch nicht vertragt, aber ich für meinen Teil vertraue den Hexen."

Raphael sah mich erforschend an. „Ich habe den Hexen auch einst vertraut. Ich hatte auch meine Freunde unter ihnen. Doch diese haben mich alle verraten. Die Hexen suchen nach einem Weg um den Zauber der Werwölfe und Vampire rückgängig zu machen. Sie wollen uns vernichten. Sie haben Angst vor uns. Wir gefährden ihre Macht. Vor unserer Existenz waren die Hexen die mächtigsten Wesen. Aber durch meine Herrschaft sind sie gefährdet. Ich habe auch Hexen auf meiner Seite. Ich bin es der den Frieden wahren will Silvester. Nicht die Hexen. Sie waren dort nett zu dir, um einen Keil zwischen uns zu bringen." versuchte Raphael mich zur Vernunft zu bringen. Allerdings zu seiner Vernunft. „Ob das von den Hexen gelogen ist oder nicht lässt sich doch rausfinden. Wir suchen den Mann, der sich mein Vater nennt!" suchte ich eine Lösung. Auch wenn ich nicht wusste, ob ich ihn kennenlernen wollte, bin ich froh, dass ich Raphael ablenken konnte. Anastasia musste mit mir weiter üben. Auch wenn ich ihre Lehrmethoden schrecklich finde bleibt mir nichts anderes übrig.

„Wenn es das ist, was du willst. Lasse ich nach deinem Vater suchen." bestätigte mir Raphael. Ich nickte ihm zu. Das ist es, was jetzt sinnvoll wäre. Dachte ich zumindest. „Weißt du Silvester, ich bin immer noch der festen Überzeugung, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben werden. Daran werde ich festhalten. Es fällt mir nur so schwer schlau aus dir zu werden. Deshalb ist es wichtig, dass du mit mir redest. Was ich aber nicht verstehe, ist wieso du sagtest, dass du hier bald weg bist, was hat dein Vater damit zu tun?" entblößte Raphael meine Lüge.

Schweigend senkte ich meinen Blick. Wieso nur musste ich diesen einen Satz von mir geben? Ich konnte Raphael nicht in die Augen sehen. Er durchbohrte mich schon so mit seinem Blick. Es fühlte sich schon fast so an als würde er in meinem Gehirn runbohren. „Silvester" mahnte mich Raphael. Er wollte die Wahrheit hören, das wusste ich nicht. Erneut schluchzte ich auf. Meine Augen brannten und einzelne Tränen fanden ihren Weg meine Wangen runter. Ich wollte ihm nicht die Wahrheit sagen.

„Sag es mir" flüsterte Raphael. Ich reagierte nicht auf seine Worte und hielt weiter meinen Blick gesenkt. Plötzlich hörte ich wie er aufstand und rausstürmte aus dem Zimmer. Ich war froh darüber. So konnte er mich nicht mehr unter Druck setzen, ihm meinen Plan zu offenbaren.

Gelangweilt schlich ich im Zimmer rum. Ich war das Leben hier so leid. Die Zeit verging so langsam. Was wohl zu Hause vor sich ging? Wurde ich vermisst? Oder ist die Zeit stehen geblieben? Ich war mitten in der Nacht verschwunden. Wie erklärten sich das alle?

Raphaels Point of view
Wütend stürmte ich aus dem Zimmer. Wieso konnte sie mir nicht einfach die Wahrheit sagen? Verstand sie denn nicht, dass es uns beiden so viel erleichtern würde? So musste ich mir einen eigenen Plan zurecht legen. Zielstrebig stürmte ich die Flure meines Schlosses entlang zu Anastasias Zimmer. Ohne anzuklopfen betrat ich ihr Gemach. „Was verschafft mir denn die Ehre, eure Hoheit?" schmunzelte sie. Sie schien mich schon erwartet zu haben. „Ich hab einen Auftrag erteilt. Ihr Hexen solltet herausfinden, wieso meine Markierung bei Silvester nicht gewirkt hat. Ich brauche eine Antwort. Sie muss endlich voll und ganz meine Gefährtin werden!" stellte ich gleich klar. Anastasia grinste nur. „Wird sie vor oder nach unserer Hochzeit, deine Gefährtin?" fragte mich Anastasia. Anastasia und ich waren uns einig nicht zu heiraten, als Silvester aufkreuzte. Doch haben wir unsere Verlobung noch nicht offiziell aufgelöst. „Du weißt, was wir ausgemacht haben, Anastasia. Mate hat Vorrang. Wir haben beide beschlossen nicht zu heiraten. Was soll das also?" hakte ich nach. „Ich sag dir alles über Silvester. Ich kenne auch ihre Pläne. Ich weiß es, aber ich bin mir nicht sicher, ob du das hören möchtest." meinte Anastasia ernst. „Es wird dir nicht gefallen. Nein ganz und gar nicht." fügte sie noch hinzu.

„Ich will das Silvester an meiner Seite ist, also sag es mir!" funkelte ich sie wütend an.

In a different WorldWo Geschichten leben. Entdecke jetzt