Als ich nachdem Baden wieder ins Schlafzimmer trat, schien sich Raphael beruhigt zu haben. Er musterte mich auf jeden Fall mit keinem wütenden Blick. Da ich mir meine Kleidung ja maßgeschneidert wurde, habe ich einfach nochmals das schwarze Nachthemd übergezogen. Ohne ein Wort zu sagen lief der König in das Badezimmer.
Verloren stand ich nun im Zimmer. Ich verstand einfach nicht, was das hier sollte. Ich wollte nach Hause zu meinen Freunden und meiner Mutter. Hier fühlte ich mich einfach nicht wohl. Es ist einfach offensichtlich, dass ich hier nicht reinpasse. Ich würde mich sogar freuen meine Cousine Nina und Tante Claudia wiederzusehen, einfach irgendwelche bekannte Gesichter und das heißt was.
Da auf Raphaels Bett mittlerweile zwei Bettdecken und Kissen waren nahm ich mir jeweils eins und legte mich mit diesen auf die Couch. Ich werde doch nicht neben ihm schlafen. Als ich krank war, war das was anderes. Da konnte ich mich nicht mit so was beschäftigen. Aber gesund wie ich nun war, schlief ich sicher nicht neben Mister Ausraster. Natürlich gefiel das Raphael nicht als er mich auf der Couch liegen sah. Durch sein Knurre drehte ich mich so, dass ich ihn sehen konnte. „Silvester" fing der knurrende Herr an „dein Platz ist neben mir im Bett." Ich zog nur die Augenbrauen hoch. Mein Platz ist sicher nicht neben ihm. „Lass uns nicht nochmals streiten. Leg dich einfach ins Bett." versuchte es Raphael auf die nette Art. Doch ich weigerte mich mit ihm in einem Bett zu schlafen. Irgendwann gab die Hoheit dann endlich auf und ließ mich auf der Couch. Als ich so alleine auf der Couch lag und an zu Hause dachte, bekam ich Heimweh. Schreckliches Heimweh und mir rannten stille Tränen über das Gesicht. Wie kam ich nur wieder nach Hause? Was denken wohl meine Freunde über mein plötzliches Verschwinden? Wie gern würde ich ihnen sagen, dass mir nichts fehlte, nur das ich sie vermisse, aber das war ja nicht möglich. Irgendwann nach weiterem nachdenken schlief ich ein.
„Wach auf meine Schöne." weckte mich Raphael am nächsten Morgen. Schlaftrunken sah ich ihn an. „Muss ich etwa schon aufstehen?" murmelte ich. Der König lachte daraufhin nur. „Komm steh auf. Lass uns frühstücken und dann gibt es dein Vertrauensbeweis." sagte er dann und verschwand ins Bad. Erst jetzt merkte ich, dass ich nicht mehr auf der Couch lag. Raphael hat mich nachdem ich eingeschlafen bin, wohl wieder mal in sein Bett getragen. Müde setzte ich mich auf und streckte mich. Irgendwie war ich ja auf Raphaels Vertrauensbeweis gespannt und auch, ob ich ihm dann wirklich vertrauen konnte.
Als Raphael aus dem Bad kam, schlüpfte ich schnell durch die Türe und erledigte meine Morgenroutine. Als ich dann wieder ins Zimmer lief, war das Frühstück schon da. Raphael saß schon an seinem üblichen Platz und sah mir zu, wie ich mich gegenüber von ihm niederließ. Schweigend frühstückten wir miteinander. Leider hatten sie hier kein Nutella. Aber dafür gab es echt leckeren Honig. So aß ich Honigbrötchen und trank dazu einen Kaffee. Zum Schluss legte ich mir noch ein paar Früchte auf den Teller. Trauben, Erdbeeren, Bananen, Orangen und noch viele mehr. Als ich mich dann satt in den Stuhl sinken ließ, schmunzelte Raphael, der schon länger aufgehört hatte zu essen. „Wie es aussieht bist du jetzt satt oder? Dann können wir nämlich gleich starten." sprach Raphael. Ich nickte nur. Noch war ich zu faul um zu reden. Lieber wäre ich noch etwas im Bett. „Die Zofen bringen dir Kleidung mit und helfen dir beim Anziehen." Ich zog meine Augenbrauen hoch und sah ihn streng an. „Ich kann mich selber umziehen." beharrte ich. Wann verstand er das endlich? „Silvester, das weiß ich aber so sind nun mal die Sitten bei uns und du wirst dich da wohl oder übel anpassen müssen." entgegnete er. Ich hatte keine Lust mich wieder mit Raphael zu streiten, deshalb sagte ich nichts mehr und auf Raphaels Gesicht bildete sich eine zufriedene Miene.
Dann kamen auch schon die Zofen und ich lief hinter ihnen ins Badezimmer. Ich ließ ihre Sitten, wie es Raphael nannte über mich ergehen. So schlimm war es ja gar nicht, aber ich brauchte keine Hilfe um mich anzuziehen. Das Kleid, das die Zofen mitgebracht haben, hatte kein Korsett. Lediglich den Reisverschluss mussten mir die Zofen schließen. Also waren die Zofen echt unnötig und dazu noch drei Stück von ihnen. Mir war das einfach nur unangenehm. Mein Leben lange kleidete ich mich schon selber ein. Jetzt sollen mir immer andere Frauen dabei helfen?
Nach nichtmal drei Minuten war ich also angekleidet und lief wieder ins Zimmer zu Raphael. Die Zofen verschwanden und Raphael kam zu mir. „Du siehst wunderschön aus Silvester." sagte er und auf meinen Wagen bildete sich ein rötlicher Ton. Ich hasste Komplimente, aber noch mehr hasste ich, dass mein Körper auf sein Argument reagiert hatte. Doch Raphael ließ sich nicht beirren und hielt mir wie schon sooft seine Hand hin. Erst wollte ich sie nicht annehmen, aber ein Blick in Raphaels Gesicht zeigte mir, dass ich es wohl besser tun sollte und so umschloss seine Hand meine. Zufrieden führte Raphael mich durch das Schloss zum Ausgang. So langsam hatte ich eine bessere Orientierung im Schloss, aber bisher konnte ich mich noch nie wirklich hier umschauen. „Raphael?" fragte ich ihn und er blickte fragend zu mir herunter. „Wann darf ich endlich das Schloss erkunden?" wollte ich wissen. Gerne würde ich mal durch das Schloss spazieren oder besser gesagt irren. Das Schloss war auf der einen Seite altmodisch aber andererseits ja doch ziemlich modern. Nur zu gern möchte ich hier alles erkundigen.
„Noch nicht. Ich kann dich noch nicht alleine herumlaufen lassen, bevor wir nicht vollständig miteinander verbunden sind." sagte er während er mich weiter führte. Langsam erkannte ich, dass wir uns dem Ausgang näherten. „Was bedeutet denn das schon wieder? Wie verbinden? Und wo gehen wir hin?" wollte ich mich erkundigen. Doch der König blockte bei allem ab. „Das erzähle ich dir ein anderes mal und wo wir hingehen wird eine Überraschung." sagte er nur zu meinen vielen Fragen. Doch mich ließen die Gedanken noch nicht los, wenn das Verbinden heißt ich müsste mit ihm schlafen, dann kann er noch lange warten. Auch wenn ich keine Jungfrau mehr war, stieg ich nicht mit jedem ins Bett. Vor allem hatte ich noch James. Eigentlich hätte ich bald mit ihm Schluss gemacht, einfach weil es zwischen uns nicht mehr passte, aber jetzt vermisste ich ihn.
Als wir draußen waren, wartete schon eine Kutsche auf uns. Ein Diener öffnete uns die Türe der Kutsche und wollte mir daraufhin helfen in die Kutsche einzusteigen, doch er wurde sofort von Raphael angeknurrt. „Fass sie nicht an!" murrte er den Diener an. Ich schenkte ihm daraufhin ein mitleidiges Lächeln. Die armen Diener sind immer Raphaels Launen ausgesetzt. Schnell stieg ich selbständig ein, nicht dass Raphael mir noch half. Ich ließ mich neben einem Fenster nieder. Wenn ich schon wieder einmal rauskam, dann möchte ich mich auch umschauen. Raphael ließ sich gegenüber von mir nieder. „Dieses Mal fahren wir in die andere Richtung. Wir fahren in die Hauptstadt. Larenders heißt sie." Ich antwortete ihm wie sooft nicht und nickte als Zeichen, dass ich verstanden hatte. Raphael musterte mich, doch ich wand meinen Blick zum Fenster und beobachtete wie wir durch den Wald fuhren. Die Bäume zogen an uns vorbei und nach einer Weile wurde der Wald etwas dünner und gelichteter. Dann sah man auch schon eine entfernte aber riesige Stadt. Riesen Gebäude schossen vom Boden empor.
Vor der Stadt waren einfache Häuschen. „Hier wohnen die armen Leute. Menschen und schwache Werwölfe. Sie bewirtschaften das Land." erklärte Raphael mir. „Gibt es auch Menschen, die eine höhere Position haben?" erkundigte ich mich. Ich hoffte so sehr, dass hier auch Menschen ein gutes Leben hatten, wenn sie schon mit anderen Wesen zusammenleben müssen. „Nein. Die Menschen sind zu schwach. Für uns sind sie Arbeiter und für die Vampire die Nahrung." antwortete Raphael und ich keuchte geschockt auf. „Das ist grausam!" gab ich entrüstet von mir. Raphael zog aber nur seine Augenbrauen hoch und zuckte mit den Schultern. „Wieso? Sie dürfen hier leben. Wir Wölfe trinken sie ja nicht. Die Vampire unter meinem Dienst dürfen sich ihre Nahrung selbst besorgen. Die Menschen dürfen sich wehren. Sie bekommen keine Strafe, wenn sie einen Vampir besiegen, aber das schaffen nur die wenigsten."
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In a different World
Fantasy„Mein König wir haben dieses Mädchen im Wald gefunden." mit diesen Worten verbeugten sich meine Entführer. Mein Blick war immer noch auf den Boden gerichtet, in dem ich am liebsten auf der Stelle versinken würde. „ALLE SOFORT RAUS HIER" schrie eine...
