„Ehmm wie bitte?" fragte ich nochmals nach. Ich musste mich wohl verhört haben.
„Raphael und ich sind verlobt. Bevor du gekommen bist hat er mir einen Antrag gemacht." sagte sie.
Fassungslos starrte ich sie an. Er hatte doch schon vier Frauen! Zu mir hat er anfangs gesagt, ich würde seine fünfte werden. Und jetzt taucht da noch eine Geliebte von ihm auf. Wie anwidernd ist denn das? Wie kann ein Mann so viel Frauen haben? Angewidert sah ich zu Raphael, der mich immer noch wütend musterte. Dies ignorierte ich. Hatte ich wahrscheinlich auch verdient nach dem ich sein ganzes Zimmer demoliert habe. Aber er hatte eine Verlobte, das warf mich ganz aus der Bahn.
„Du musst nicht eifersüchtig sein. Raphael und ich werden nicht heiraten. Nicht wenn du da bist. Ich weiß, dass die Mates für Werwölfe alles sind. Ich lass meine Finger von ihm keine Sorge. Aber wir zwei werden wohl viel Zeit miteinander verbringen. Raphael hat gesagt, dass ich dir alles beibringen soll, was ich übers hexen weiß. Und glaub mir, es wird nicht so langweilig, wie beim Rat." meinte sie dann und riss mich aus meinen Gedanken. Ich wusste nicht, ob das, was sie gesagt hatte gut war oder nicht. Mit Raphael konnte sie von mir aus machen, was sie wollte. Ich hatte nicht vor mich in irgendeiner Weise mit ihm zu verbinden. Aber, ich traute dem Hexenrat und sie wirkte, so als ob sie ihn verachtet. Trotzdem musste ich ihr eine Chance geben, solange sie mir das Hexen beibringen konnte war alles gut.
„Meine Diener werden hier weiter aufräumen und retten, was zu retten ist. Anastasia du kannst gehen. Morgen könnt ihr mit dem Unterricht anfangen. Sowas darf nicht noch einmal passieren. Sorg dafür Anastasia.
Und du Silvester kommst mit mir mit." bestimmte Raphael.
„Hier werden wir vorerst schlafen." sagte er als wir in einem Zimmer angekommen waren, das ähnlich gestaltet war, wie sein früheres. „Setzt dich" mit diesen zwei Worten nickte er mich zu einem kleinen Tischchen, an dem zwei Stühle standen. Als ich mich auf einen setzte, ließ sich Raphael gegenüber von mir nieder. „Anastasia wird morgen mit dir trainieren. Bis ich dich erneut markieren darf bist du entweder im Zimmer und hast zwei Wachen vor der Türe oder bei mir. Darwin oder ich werden bei deinem Training dabei sein. Ich werde dich nicht mehr unbeobachtet aus dem Zimmer lassen. Wenn du dieses Zimmer auch noch abbrennst, werde ich dich ohne weiteres markieren. Auch wenn ich dir glaube, dass das mit meinem Zimmer ein Versehen war. Hast du das alles verstanden?" fragte er mich. Ich bejahte. Es hatte ha keinen Sinn mit ihm zu diskutieren. Er wird so oder so seinen Willen durchsetzen. Mein Plan war es vorerst mich einfach ruhig zu verhalten und brav das Hexen zu lernen. Dann werde ich weiter sehen.
Raphaels Point of view
Silvester war nun still. Ich verstand sie einfach nicht. Sie könnte alles haben, wenn sie nur mal mit mir reden würde. Ich musste nur wissen, was sie eigentlich will. Sie wäre hier glücklich. Sie wäre mit mir glücklich. Aber wenn sie sich mir so verwehrt, bleibt mir nichts anderes übrig um sie in Sicherheit zu wissen, wie sie im Zimmer zu lassen. Ich habe einfach Angst um sie. Silvester versteht einfach noch nichts von dieser Welt. Sie sollte sich etwas zurück nehmen. Vielleicht bin ich nicht ganz richtig mit ihr umgesprungen, aber ich hatte das Gefühl, dass sie mir auch nie eine Chance gegeben hat. Ich würde Silvester auf Händen tragen. Sie ist meine Seelenverwandte, meine Gefährtin, meine Mate. Wenn sie wollte würde ich meine Frauen verlassen. Es mag für manche unverständlich sein, wie man vier Frauen haben kann, aber man muss bedenken, dass ich 653 Jahre alt bin. Claude und Darwin waren schon seit meiner Kindheit an meiner Seite. Wir haben immer miteinander gespielt. Als meine Eltern starben, halfen sie mir durch die schweren Zeiten, die mir bevor standen. Claude und ich liebten einander und so beschlossen wir, dass wir zusammen sein wollen. Beide wussten wir, dass wir irgendwann unsere Mate oder unseren Mate trafen, aber das war uns zu diesem Zeitpunkt egal. Wir waren über 100 Jahre glücklich miteinander. Doch lebten wir uns dann etwas auseinander. Wir liebten uns noch, aber ich habe Valeria kennengelernt. Eine Vampirin. Zu dieser Zeit begann dann auch meine Herrschaft als König ich war damals 204 Jahre als ich den Thron von Galella bestieg. Irgendwie fühlte ich mich zu Valeria hingezogen. Claude war anfangs sehr wütend darüber. Aber ich habe lange mit ihr darüber geredet und sie verstand es und so heiratete ich Valeria. Als bei den Hexen ein Streit ausbrach, flüchteten ein paar Hexen in mein Reich. Darunter war auch Erika. Damals war ich gute 300 Jahre. Valeria und Claude verstanden sich auf anhieb mit der Hexe und so verbrachten sie viel Zeit miteinander. Ich bekam sie so auch sehr oft zu Gesicht und war fasziniert von der Hexe. So heiratete ich Erika. Valeria und Claude hatten damit nicht so ein großes Problem. Das kam erst mit Olda. Olda ist auch eine Werwölfin und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie meine Mate war. Ich war mir nicht ganz sicher. Aber ich wollte sie immer in meiner Nähe haben. Als Darwin dann auf Sarah traf, erzählte er mir, wie sich das anfühlte, wenn man seiner Mate begegnete. Außer Darwin konnte und wollte ich mit niemanden über meine Gefühle reden. Mir war es wichtig, dass mich die Menschen als einen autoritären König akzeptierten. Würde ich mit anderen über meine Gefühle reden, würden sie mich womöglich nicht mehr akzeptieren. Ich wusste dann also, dass Olda nicht meine Mate war. Da waren dann auch meine anderen drei Frauen mehr als nur erleichtert. Claude konnte ihren Mate nicht finden, da ich sie nicht gerne aus dem Schloss ließ. Ich wollte nicht, dass sie mir weggenommen wurde. Sie sollte bei mir bleiben. Bei den Hexen und Vampiren ist das mit den Gefährten ja etwas anders. So ließ ich Erika und Valeria manchmal zusammen in die Stadt fahren. Ich wollte einfach nicht, dass Claude und Olda ihren Mate fanden. Denn dann musste ich sie ziehen lassen und das konnte ich einfach nicht. Sie beschwerten sich allerdings auch nie darüber. Sie waren ja nicht immer im Schloss eingesperrt. Ich geh ab und an mit ihnen in unserer Wolfsform laufen. Oder wir gingen in die Stadt einkaufen. Wahrscheinlich hatte ich auch Angst, dass sie ihre Mates vor mir fanden und ich dann alleine wäre. Erika war ja schon weg. Und Vampire sind sowieso ziemlich launisch. Bei denen weiß man nie.
Aber seit ich Silvester gefunden habe, weiß ich, dass ich die zwei Wölfinnen früher oder später ziehen lassen muss. Ihr Mate wartet sicher bereits auf sie. Aber bevor Silvester mich nicht akzeptiert, hat das keine Eile.
Und dann war da noch Anastasia. Die Verlobung mit ihr geschah kurz bevor Silvester kam. Wir vermählten uns wegen strategischen Zwecken. Nicht aus Liebe. Anastasia war zwar nicht im Rat aber sie wurde dafür ausgebildet. Sie kennt die Schwachstellen der Hexen. Die Hexen reden immer vom Frieden, aber ich weiß, dass sie sobald sie mächtig genug sind versuchen würden mich zu beseitigen. Die Hexen wollen die Werwölfe und die Vampire wieder vernichten. Nur war das nicht so leicht. Sie suchen schon lange nach einem Gegenzauber. Aber das werde ich nicht zulassen. Ich werde ihnen zuvor kommen.
Ich denke die Hexen haben Silvester um ihre Finger gewickelt. Silvester schien ihnen zu vertrauen. Sie weiß einfach zu wenig. Die Hexen sind nicht die Guten hier. Vielleicht bin ich es auch nicht. Aber ich schätze den Frieden und versuche fair zu herrschen. Nur geht das ab und zu schief. Vor allem wenn es um Silvester geht.
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Ich hoffe Raphaels Sicht ist mir so halbwegs gelungen 😅
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In a different World
Fantasy„Mein König wir haben dieses Mädchen im Wald gefunden." mit diesen Worten verbeugten sich meine Entführer. Mein Blick war immer noch auf den Boden gerichtet, in dem ich am liebsten auf der Stelle versinken würde. „ALLE SOFORT RAUS HIER" schrie eine...
