Silvester
Raphael ist nicht mehr zurück gekommen, nachdem er gestern so plötzlich aus dem Zimmer gestürmt ist. Zum einen war mir das natürlich Recht, aber zum anderen war mir den restlichen Tag lang so schrecklich langweilig. Abends wurde mir noch etwas zum Essen gebracht ansonsten war ich alleine. Ja ich wurde sogar alleine gelassen. Kein Darwin, der auf mich aufpasste. Vor der Türe standen aber zwei Männer, deren Job war es wohl auf mich acht zu geben. Ein paar Mal habe ich es gestern versucht aus dem Zimmer zu kommen, doch die Wachenden ließen dies nicht zu. Sagte Raphael nicht gestern noch er würde mich nicht mehr einsperren? Das war wohl gelogen. Aber was erwartete ich mir schon von ihm? Nichts. Er macht schlussendlich ja doch immer das, was er will.
Es ist gestern also nicht mehr wirklich irgendwas nennenswertes passiert. Ich habe zu Abend gegessen und mich dann zum Schlafen auf die Couch gelegt. Man wusste ja nie vielleicht wäre Raphael noch gekommen und so weit es ging, wollte ich mich noch wehren mit ihm in einem Bett zu schlafen. Die Couch war auch mehr als nur bequem. Doch leider gelang es mir nicht in einzuschlafen. Ständig wälzte ich mich auf der Couch hin und her. Ich suchte nach der richtigen Schlafposition, die ließ sich aber nicht finden. Irgendwann als ich kaum nich meine Augen offen halten konnte, nickte ich dann endlich in einen traumlosen Schlaf.
Als ich dann am nächsten Morgen aufwachte, fühlte ich mich alles andere als ausgeschlafen und doch konnte ich nicht mehr weiterschlafen. So stand ich halt Widerwillen auf und verschwand ins Bad. Als erstes wusch ich mir mein Gesicht mit kaltem Wasser in der Hoffnung etwas wacher und energievoller zu werden. Danach putzte ich mir meine Zähne und erledigte meine restliche Morgenroutine.
Nach meiner Morgenroutine versuchte ich wieder mein Glück und öffnete die Türe. Den einzigen Weg, der mich aus dieser Langeweile befreien konnte. Dieselben Wachen, wie gestern standen noch da. Mussten die nicht auch einmal schlafen? Beide sahen mich an und schüttelten ihre Köpfe. Ich durfte wohl immer noch nicht raus. Aber ich hatte genug vom langweiligen rumsitzen. So lief ich einfach raus und an den Wachen vorbei. Sofort hielten mich die zwei auf. „Wir dürfen Sie nicht aus dem Zimmer lassen. Bitte gehen sie wieder in ihr Gemach." bat mich einer der Männer. Ich dachte allerdings gar nicht erst daran zu gehorchen und flitzte einfach schnell an den Zweien vorbei.
Die Zwei schrieen auf und ich hörte ihre Schritte, die auf mich zu eilten. Ich drehte meinen Kopf kurz in ihre Richtung, um zu sehen, wie weit sie entfernt waren, als ich in etwas hartes rein rannte. Fast wäre ich umgefallen, hätte Raphael nicht so schnell reagiert und mich aufgefangen. „Uff" gab ich beim Zusammenstoß von mir. „Wohin so eilig, Silvester?" fragte mich Raphael. Er musterte mich gründlich, ob mir auch wirklich nichts geschehen war. Dann ließ er langsam von mir ab. „Weiß ich noch nicht. Ich wollte nur mal raus aus diesem Zimmer. Ich hätte ja eigentlich gedacht, dass ich nicht mehr eingesperrt werde." warf ich ihm anklagend vor. Ich hasste dieses Schloss. Immer war ich eingesperrt oder hatte einen „Aufpasser". Es war zum Durchdrehen. Ich brauchte einfach auch mal etwas zu tun. Ich brauchte eine Aufgabe. Andererseits wollte ich mich hier gar nicht erst integrieren.
„Silvester" begann Raphael in einem entschuldigenden Ton. Doch das wollte ich nicht hören. So unterbrach ich ihn gleich. „Lass es" meinte ich. Im Nachhinein entschuldigen ist leicht. Raphael sollte eher mal lernen sein Wort zu halten. Ich hatte die Nase voll von ihm! Er soll mich einfach in Ruhe lassen, dachte ich mir. Aber dann hörte ich ganz unerwartete Worte von ihm.
„Ich werde dir helfen in deine Welt zurück zu kehren." sagte Raphael plötzlich. Sofort sah ich zu ihm auf. Was hatte er gesagt? Er wollte mir helfen! Aber, das konnte doch nicht sein. Was hat ihn dazu gebracht mir plötzlich doch helfen zu wollen. Argwöhnisch betrachtete ich Raphael und erst jetzt fiel mir auf, wie mitgenommen er aussah. Seine Haare standen kreuz und quer ab und er hatte dunkle Augenringe. Irgendetwas musste letzte Nacht passiert sein. „Anastasia und ich haben auch schon einen Plan." fuhr er seine Äußerung weiter fort. Immer noch ungläubig blickte ich ihn an. „Und was ist mit dir? Du sagtest immer ohne mich könntest du nicht leben." fragte ich ihn. Ich bekam Mitleid mit ihm so wie er aussah. „Ich werde schon klar kommen. Mach dir keine Sorgen um mich." Ich konnte immer noch nicht ganz glauben, was ich gerade erfahren habe. Er würde mich unterstützen! Das ist das beste, was mir in dieser Welt passieren konnte. „Du lügst mich aber nicht an, ja?" hakte ich nochmals nach. Meine Gefühle spielten verrückt wie in einer Achterbahn. Einerseits war ich unendlich glücklich und dankbar und andererseits aber auch eher misstrauisch. „Ich lüge nicht. Ich werde dich unterstützen." wiederholte sich Raphael. Erneut musterte ich ihn gründlich. Mir fiel aber nichts an ihm auf, außer dass er eben so mitgenommen aussah. „Ich versteh es einfach nicht. Was ist passiert?" wollte ich wissen. Es musste was passiert sein, dass er seine Meinung so plötzlich geändert hat. „Keine Sorge Silvester. Es ist alles gut. Es wird alles gut." die Worte von Raphael klangen mehr so als würden sie an sich selbst gerichtet werden. Er war sich also nicht sicher, dass alles gut werden würde? Aber inwiefern? Mit mir oder mit ihm?
„Silvester, hör auf dir so viele Gedanken zh machen. Freu dich, dass du zu deiner Familie und deinen Freunden kannst. Es ist zu deinem besten. Das weiß ich jetzt." meinte Raphael.
„Was ist mit dir?" hakte ich nach. „Ich werd das schon überleben." antwortete er mir.
„Das klingt ja sehr optimistisch." erwiderte ich. Irgendetwas verschwieg er mir. Er sagte mir nicht die volle Wahrheit, das sah ich ihm einfach an. „Was machst du dir plötzlich so viele Gedanken? Du sagtest ja selbst das wir keine Zukunft haben würden, nach meinen Handlungen." kam es niedergeschlagen von ihm. Ja das war immer meine Meinung. Ich wollte nichts von ihm. Trotzdem machte ich mir Sorgen um ihn. Ich wusste ja selbst nicht wieso. Eigentlich sollte ich es genießen und so schnell wie möglich schauen, dass ich nach Hause konnte, aber hinter alle dem steckte noch etwas dahinter. Vielleicht bedeutete mir Raphael ja doch etwas. Nein das war es nicht. Um jeden Preis möchte ich nach Hause. Es gäbe keine gemeinsame Zukunft mit Raphael. „Ich sehe dir an wie es in deinem Kopf rattert Silvester. Aber entspann dich. Alles wird gut. Du wirst schon sehen." ermutigte er mich und wieder klang es so, als würde er es nicht zu mir sagen. „Du sagtest einst, dass du ohne mich nicht leben kannst, dass du sterben würdest. Stimmt das? Stirbst du?" erkundigte ich mich. Raphael lächelte kurz. „Nein ich werde nicht sterben. Es stimmt zwar, wenn ein Mate stirbt kann der andere nicht lange alleine überleben, aber du stirbst ja nicht. Außerdem sind wir noch nicht verbunden. Meine Markierung hat ja nicht geklappt. Es wird hart für mich werden. Aber ich werde das durchstehen." erklärte mir Raphael.
Mir stiegen Tränen in die Augen. Ich war einfach so unfassbar dankbar. Nie hätte ich gedacht, dass mir Raphael jemals half von hier wegzukommen. Endlich hatte ich eine wahre Chance zu meiner Familie und meinen Freunden zurück zukehren und das nur dank Raphael.
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In a different World
خيال (فانتازيا)„Mein König wir haben dieses Mädchen im Wald gefunden." mit diesen Worten verbeugten sich meine Entführer. Mein Blick war immer noch auf den Boden gerichtet, in dem ich am liebsten auf der Stelle versinken würde. „ALLE SOFORT RAUS HIER" schrie eine...
