Am nächsten Morgen wachte ich durch das Vogelgezwitscher auf. Durch das Fenster schienen bereits die ersten Sonnenstrahlen. Dies ließ mich gleich aus dem Bett springen. Ich sollte ja bei Sonnenaufgang beim Rat sein. Die anderen schliefen noch. Alle atmeten gleichmäßig und lagen in ihren Betten, die nicht weit von meinem entfernt standen. So leise, wie möglich schlich ich mich raus.
Zum Glück war meine Orientierung so gut, dass ich problemlos zum Haus des Hexenrats fand. Eine von diesen Fünf, die im Rat saß, wartete vor der Türe auf mich. „Du bist zu spät" begrüßte sie mich, woraufhin ich mich entschuldigte. „Komm mit wir gehen woanders hin, wo wir unsere Ruhe haben. Dort erkläre ich dir, wie vorerst alles ablaufen wird." meinte sie und lief voraus. Ich holte schnell auf, so dass ich neben ihr her laufen konnte. „Das was Bos gestern zu mir gesagt hat-" fing ich an. Doch wurde ich gleich unterbrochen. „Bos sagte die Wahrheit. Du stammst von hier." hörte ich auch die Worte aus ihrem Mund. Doch noch immer konnte ich dies einfach nicht glauben. „Aber meine Mutter hat mich auf die Welt gebracht und sie kommt nicht von hier. Sie hat mir Bilder direkt nach meiner Geburt gezeigt." widersprach ich. „Was ist mit deinem Vater?" fragte mich die Hexe. Ja darauf wusste ich keine Antwort. Meine Mutter hat nie wirklich über ihn gesprochen. Sie sagte mir nur, dass er tot war. Weder seinen Namen noch sonst etwas verriet sie mir über ihn. Früher hatte ich oft nach ihm gefragt, aber nie eine Antwort bekommen. Ich habe gelernt ohne Vater zu leben. „Der ist tot." antwortete ich ihr. „Nein Silvester das ist er nicht." meinte diese bloß und ich blieb stehen. Was meinte sie damit? Ich verstand rein gar nichts mehr. „Wie? Er lebt noch? Das kann nicht sein!" schoss es aus meinem Mund. Doch die Frau lief unbeirrt weiter. „Gedulde dich noch ein wenig." meinte sie nur. Ich sollte mich gedulden? Mir wurde gerade gesagt, dass ich einen Vater habe. Wie könnte ich mich da gedulden? Doch auch auf mein Gedrängel reagierte die Frau nicht. Zum Glück dauerte es nicht mehr lange und wir kamen an unserem Zielort an. Da war ein Bach der in einer Quelle endete und mit Moos überwachsene Steine. Auf so einen ließ ich mich nieder und bewunderte die Natur, die mich fast all meine Fragen vergessen ließ, aber nur fast. „Also Silvester. Ich bin May. Die nächsten Tage wirst du immer mit einem von uns vom Rat verbringen. Es wird Zeit, dass du lernst deine Kräfte zu verwenden. Wenn du stark genug bist, schaffst du es vielleicht in die Welt zurück in der du aufgewachsen bist. Aber dafür müssen wir trainieren. Ich weiß du hast unzählige Fragen und diese möchte ich dir so gut es geht davor beantworten. Es braucht nämlich einen klaren Kopf, wenn man zu hexen beginnt. Ich denke im Moment kannst du dich nicht konzentrieren. Also frag mich erstmal alles, was dir auf dem Herzen liegt. Ich werde mich bemühen alles zu beantworten, was in meiner Macht steht." fing May an. Erwartungsvoll, was meine Frage war blickte sie mich an. Aber wie sollte meine erste Frage anders lauten als von meinem totgeglaubten Vater? Und so fragte ich May nach ihm. „Dein Vater ist kein Mensch Silvester, sonst wäre er schon tot. Dein Vater war früher ein Hexer und er hat deine Mutter geliebt. Doch wurden die zwei voneinander getrennt, als deine Mutter schwanger war. Dein Vater stammte von einer anderen Gegend als deine Mutter. Die Eltern deines Vaters waren schwer krank und er musste sich um sie kümmern. Da waren keine Geschwister oder sonst jemand, die sich um sie kümmern konnten. Deine Mutter wollte nicht mit. Sie wollte nicht, dass du in der Gegend, in der dein Vater aufgewachsen ist, aufwächst. Früher hieß diese Gegend Galardis. In Galardis schien nie die Sonne. Es war dort dunkel und kalt. So waren auch die Menschen, die dort lebten. Niemand half dem anderen. Jeder kümmerte sich nur um sich. So mussten viele um das Überleben kämpfen, denn es kam nicht selten zu Machtkämpfen und Morden. Dies war keine Gegend für ein Baby. Deshalb blieb deine Mutter hier. Als dann Vampire und Werwölfe entstanden, waren die Menschen auch hier in Gefahr und so flüchtete deine Mutter mit dir in den Wald. Sie hoffte, dass ihr dort in Sicherheit wärt. Aber mit der Zeit verirrten sich die Wesen auch dort hin. Erst war es deiner Mutter möglich dich und sich selbst zu schützen. Du hast ja die Legende von Bos bekommen. Du weißt was geschehen ist. Deine Mutter wurde krank. Tödlich krank. Alles was sie wollte, war dich in Sicherheit zu wissen. Wohin sie dich bringen wollte weiß ich nicht. Jedenfalls schaffte sie es nicht zu ihrem Zielort und wurde von einem Vampir angegriffen. Dich konnte sie noch retten. Niemand weiß, was für einen Zauberspruch sie verwendet hat. Das war vor 653 Jahren. Ich weiß, dass du erst 18 Jahre bist und so dass alles etwas komisch ist. Wir können uns das alles selbst noch nicht wirklich erklären. Es ist auch für uns noch ein Mysterium. Aber dein Vater lebt Silvester. Doch er ist nun ein Vampir." antwortete mir May. All diese Informationen schafften in meinem Kopf keine Klarheit. Ganz im Gegenteil ich war verwirrt und konnte immer noch nicht glauben in was für eine Welt ich geraten bin. Zu Hause war einfach alles einfacher. Ich hatte meine Mutter und meine Freunde. Ich fühlte mich wohl. Ich habe noch nie erfahren, wie sich Angst anfühlt, nicht bis ich hierher kam. Natürlich hatte ich auch zu Hause meine Ängste, aber keine Überlebensängste. Zuhause fühlte ich mich immer geborgen und sonst wusste ich an wen ich mich wenden konnte. Aber hier wusste ich einfach gar nichts. Auch wenn ich Jax mag, konnte ich ihm nicht 100 prozentig vertrauen. Jeden Tag erfuhr ich etwas, was mein ganzes Leben wieder auf den Kopf stellt. Ich soll lernen zu hexen. Mein ganzes Leben dachte ich, dass ich ein einfacher Mensch bin, wie alle anderen von meiner Welt. Ich dachte, dass mein Vater tot war, aber nein er ist ein Vampir. Gerade diese Tatsache, dass er ein Vampir ist, verhindert, dass ich ihn kennenlernen will. Ich weiß ich kenne noch keine Vampire und weiß nicht, wie sie ticken, aber dass sie Menschenblut trinken reicht mir schon. Mein Vater war tot und meine Mutter nicht in dieser Welt. Egal wer meine biologische Mutter ist, ich weiß wer mich aufgezogen hat. Ich weiß wer mir laufen und sprechen beigebracht hat, wer mich getröstet hat und das war keine Hexe, das war meine Mutter. Egal was man mir hier erzählte, ich gehöre nicht hier her.
„Silvester jetzt ist deine Zeit zu fragen." erinnerte mich May und riss mich aus meinen Gedanken. „Woher wisst ihr das ich auch eine Hexe bin?" fragte ich also weiter. „Ganz einfach, wärst du keine Hexe, wärst du nicht in unsere Welt gekommen. Einem Menschen wäre es nicht möglich Welten zu wechseln. Überhaupt hat es außer dir noch nie jemanden gegeben der Welten wechseln konnte. Zumindest wissen wir über niemanden bescheid. Außerdem waren beide deiner Eltern fähig zu hexen, also ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du auch diese Fähigkeit besitzt." erklärte mir May. „Woher wisst ihr, dass sie meine Eltern sind?" wollte ich dann wissen und May zögerte mit ihrer Antwort. War sie sich also selbst nicht sicher, wer ich nun wirklich war?
„Bos weiß das. Er kannte deine Mutter und deinen Vater." hörte ich sie dann sagen. „Und wie ist es möglich, dass Bos die beiden kennt? Wie lange können Hexen leben?" erkundigte ich mich dann bei ihr. „Generell leben wir nur solange, wie Menschen. Aber Bos ist besonders. Er besitzt Mächte von denen wir nichts verstehen. Er meditiert ständig und kann dann mit Lebenden sowie Toten kommunizieren. Wie genau das funktioniert weiß ich allerdings nicht." antwortete May.
„Wenn ihr mir das hexen lehrt, kann ich dann wieder nach Hause?" fragte ich weiter und sah May erwartungsvoll an. „Sagen wir es würde die Chancen erhöhen, ob du dies schaffst liegt schlussendlich an dir." gab May zu. „Wie meinst du das?" bohrte ich nach. „Bisher kenn ich niemanden, der sich in eine andere Welt gehext hat." hörte ich von ihr. Etwas enttäuscht blickte ich den Boden an. Das erhöht meine Chancen nicht besonders, dachte ich mir. „Ich kenne allerdings auch niemanden aus einer anderen Welt außer dir Silvester." fügte May noch hinzu.
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In a different World
Fantasy„Mein König wir haben dieses Mädchen im Wald gefunden." mit diesen Worten verbeugten sich meine Entführer. Mein Blick war immer noch auf den Boden gerichtet, in dem ich am liebsten auf der Stelle versinken würde. „ALLE SOFORT RAUS HIER" schrie eine...
